1. Wetterauer Zeitung
  2. Hessen

Plappermaul outet sich als Mütterversteher

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Wetzlar (chl). Comedyfigur Atze Schröder fehlt eine Frau - die Mutter seines Kindes. Kaum zu glauben, angesichts der Tatsache, dass die Wetzlarer Rittal-Arena am Mittwochabend mit fast 4000 Zuhörern restlos ausverkauft war.

Wetzlar (chl). Comedyfigur Atze Schröder macht sich wohl Sorgen um den Fortbestand seiner Gene? Porsche fahren, dabei laute AC/DC-Musik dröhnen lassen und coole Sprüche auf den Lippen - so kennt man den proletenhaften Lockenkopf aus Essen-Kray. Aber »wieso hat so ein geiles Stück DNA keine Tochter?«, fragt er sich melancholisch im Schummerlicht neben drei riesigen Plüsch-Eisbären (Vater, Mutter und Kind) sitzend. Er kann es einfach nicht verstehen, hat er doch so einiges im Leben erreicht: In einer Stunde und 38 Minuten von Essen nach Hamburg heizen oder eine Gruppe Zeugen Jehovas an seiner Haustür zum Islam bekehrt. Was ihm noch fehlt, ist eine Frau - die Mutter seines Kindes. Kaum zu glauben, angesichts der Tatsache, dass die Wetzlarer Rittal-Arena am Mittwochabend mit fast 4000 Zuhörern wie vor einem Jahr restlos ausverkauft war. Und es waren sicherlich genug Frauen dabei, die für das Ruhrpott-Plappermaul schwärmen.

Nach einem den Kindersegen animierenden Werbespott »Du bist Deutschland« und Heintjes »Mama«-Lied aus den Mündern der Eisbären präsentierte sich Schröder als »euer Hengst und Heiliger« und begrüßte die Mütter im Saal als Heldinnen des Abends. Kein Wunder also, dass Macho Atze in seinem nicht mehr ganz neuen Programm »Mutterschutz« eben diesen auch zu seiner Chefsache erklärte. Und schon begann er in gewohnter Manier abzulästern. Seine Vorzeigemutter hatte er schnell ausgemacht: »Ulla ist nicht zu stoppen« bezeugte er die Fruchtbarkeit von Familienministerin von der Leyen. Sie würde sich zudem gut als Vorbild in einem Video für paarungsgehemmte Pandabären im Zoo eignen. Andererseits klingt es bei ihm so, als müsse man die Bevölkerung wohl eher vor hysterischen und prominenten Müttern schützen. Da ist die nervige Mutter, die ihrem Kind im Streichelzoo zu »Mach die Mäh mal ei« auffordert, oder die ganze Horde weiblicher Prominenz: Steffi Graf, die lange Zeit als unvermittelbar galt (»Ich dachte immer, irgendwann kriegt die Navratilova sie doch noch«), Ex-Spice-Girl Victoria Beckham (»29 Kilo pralles Muttergewicht«) oder Gülcan (»Die ist noch bekloppter, als ihr denkt«). Platt fertigt er sie ab, doch schon allein die Nennung ihres Namens, weckt beim Ballermann-affinen Publikum Gelächter. Man ahnt was kommt, doch die Pointen lassen noch einmal zusätzlich die Lachmuskeln auf unterem Niveau beben.

Und wie Atze so ist, kommt er von einem ins andere. Da malt er die Weihnachtsgeschichte aus heutiger Sicht nach, in der Hausfrau Nicole (Maria) und Schreiner Mike (Joseph) aus Berlin-Neukölln während ihres 1-Stern-Djerba-Urlaubs die frohe Botschaft statt über einen aufsteigenden Stern über Handyvideo verkünden und schließlich noch in die Fänge von König Herodes George W. Bush geraten. Oder er mokiert über die Russen hierzulande, die nicht nur kein Wort mit ihm wechseln, sondern jetzt auch noch einen besseren Porsche fahren als er selbst. »Der Russe hat Geld, aber eines darf er nicht: Porsche fahren«, lautet sein Gebot. Und schließlich rattert er zu Verbalattacken auf, wenn er beim Promi-Golfturnier als Unterschichtler zum »sozialen Experiment« auf dem Rasen degradiert wird. Als er da vorschnell den Intelligenzquotienten mit hohen PS-Zahlen unterm Hintern übertrumpfen möchte, stellt er fest, dass sich der deutsche Mann heutzutage viel zu schnell aufregt. Deshalb geht er in sich mit der Erkenntnis, dass kein Porsche dieser Welt sonntags vor dem Bett steht und sagt: »Papa, ich hab´ dich lieb.

« Schlussendlich ist die Frau fürs Leben nicht per Kontaktanzeige, sondern in seiner Nachbarin Ute ausgemacht. »Tu nur das, was dein Herz dir sagt«, empfahl Schröder, aber auch: »Und die Moral von der Geschicht´: Bist du blöd, vermehr dich nicht!« Unersättliche Zugaberufe wurden vom »Chef« erhört.

Auch interessant

Kommentare