Offenbacher Klinikum verkauft

Offenbach (dpa/lhe). Der neue Eigentümer des Klinikums Offenbach will mehr Patienten in das Haus locken und das medizinisch Angebot ausbauen, um das Krankenhaus aus den roten Zahlen zu führen. Zugleich schließt die Sana Kliniken AG aus Bayern einen weiteren Personalabbau nicht aus.

Für Details sei es noch zu früh, sagte gestern Finanzvorstand Thomas Lemke. Er kündigte jedoch an, die bestehenden Tarifverträge für die 2300 Beschäftigten zu übernehmen.

»Wir müssen bei den Patienten und niedergelassenen Ärzten um neues Vertrauen werben«, betonte Sana-Vorstandsvorsitzender Michael Philippi. Der Marktanteil im Einzugsgebiet liege derzeit lediglich bei 45 Prozent; dies sei zu wenig. Die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten in der Region soll deshalb verbessert werden. Außerdem plant Sana eine neue Psychiatrie sowie Angebote in der Geriatrie. Der Krankenhauskonzern will in den nächsten Jahren insgesamt rund 110 Millionen Euro in Offenbach investieren. Mit dem Geld wird zuerst der Abriss des alten Klinikgebäudes finanziert.

Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) war zufrieden: Sana leiste »erhebliche finanzielle Anstrengungen zur Stabilisierung«. Die Stadt behalte eine Sperrminorität von zehn Prozent und habe dadurch auch weiterhin Mitspracherechte. Klinikumsdezernent Peter Schneider (Grüne) freute sich, dass nun »ein monatelanger Prozess der Verunsicherung zu einem guten Ende gekommen ist«.

Am Donnerstagabend hatten die Stadtverordneten dem Verkauf des kommunalen Krankenhauses für einen symbolischen Euro zugestimmt. Sana steigt zum 1. Juli 2013 ein. Ab diesem Termin trägt das Unternehmen das Defizit der Klinik. Im vergangenen Jahr liefen rund 35 Millionen Euro auf – der Gewinn der Sana Kliniken AG lag nur knapp darüber. Die Altschulden in dreistelliger Millionenhöhe muss die Stadt bezahlen.

Der Deutsche Gewerkschaftbund (DGB) sieht die Sache kritisch: »Dass die Stadt Offenbach auf dem kompletten Schuldenberg sitzen bleibt und das Klinikum nun verschenkt wird, ist keine politische Glanzstunde«, sagte DGB-Regionsgeschäftsführer Alexandre da Silva. Prof. Friedrich Grimminger, der für die Stadt die Verhandlungen geführt hatte, ist zufrieden, weil Sana »die fachliche und wirtschaftliche Stärke mitbringt, um ein Haus wie Offenbach erfolgreich zu führen«.

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