Neue Landesstiftung soll Gemeinsinn fördern

Wiesbaden (dpa/lhe). Mit einer neuen Landesstiftung »Miteinander in Hessen« will die Regierung bürgerschaftliches Engagement fördern. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) liegen Initiativen am Herzen, die im demografischen Wandel sowohl den entsiedelten ländlichen Raum wie die dicht gedrängten Städte lebenswert machen.

Der Staat wolle sich nicht seiner Pflichten entziehen, doch sein »Antwortkasten« reiche nicht aus, sagte Bouffier am Donnerstag in Wiesbaden. Die Stiftung solle »vielfältige, bunte, kreative, kluge und – das ist das wichtigste – gemeinsame Aktivitäten« der Bürger unterstützen.

Die Stiftung ist mit 3,7 Millionen Euro gestartet, das Kapital soll in den kommenden Jahren aus Haushaltsmitteln wie aus Zuspenden auf 20 Millionen Euro aufgestockt werden. Zum Vorsitzenden der Stiftung wurde Staatskanzleichef Axel Wintermeyer (CDU) bestimmt. Für das operative Geschäft solle jährlich etwa eine Million Euro ausgegeben werden, sagte Wintermeyer.

Im bis zu 35 Mitglieder zählenden Kuratorium übernahm Bouffier den Vorsitz, Justizminister Jörg-Uwe Hahn ist Stellvertreter. Aber auch die Ex-Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) und Hans Eichel (SPD), der ehemalige Opel-Betriebsrat Klaus Franz und der in Hanau geborene Fußballstar Rudi Völler arbeiten in dem Aufsichtsgremium mit. Die Stiftung solle »Anstöße geben, die als Hilfe zur gesellschaftlichen Selbsthilfe wirken«, schrieb FAZ-Herausgeber Günther Nonnenmacher, ebenfalls Mitglied des Kuratoriums, in einer Infobroschüre.

Wie ganz Deutschland hat Hessen mit dem demografischen Wandel zu tun: Die Gesellschaft altert, die Dörfer entvölkern sich, die Städte wachsen. Bouffier nannte Beispiele, wie Bürger damit umgehen könnten. In den Dörfern könnten Nachbarschaftsläden oder Tauschbörsen für Dienstleistungen gegründet werden. Wenn Kindern in einem Dorf ein guter Sportverein fehle, könnten sie mit Fahrgemeinschaften zum Training ins Nachbardorf gebracht werden.

»Wir fangen nicht bei Null an«, sagte Bouffier. Die Bereitschaft von Bürgern, sich ehrenamtlich zu engagieren, sei in Hessen hoch und werde bereits gefördert. Vorerst will »Miteinander in Hessen« die Arbeit anderer Stiftungen unterstützen, Initiativen vernetzen, sie will auch gesellschaftliche Debatten anstoßen. Bouffier hatte in seiner ersten Regierungserklärung im September 2010 angekündigt, eine Stiftung zu gründen, die sich mit demografischem Wandel, Integration und dem sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft beschäftigt.

Sitz der Stiftung ist Wiesbaden. »Die Stiftung sitzt hier im Hause und wird von hier betreut«, sagte Bouffier in der Staatskanzlei. Sie hat bereits einen Internetauftritt (www.miteinander-in-hessen.de) und ein dickliches Maskottchen im rot-weiß gestreiften Hessenhemd namens Einander. »Für eine funktionierende Gesellschaft sind private Initiativen und die Förderung des Gemeinsinns unerlässlich«, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Christean Wagner. Dazu trage die Stiftung bei.

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