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Neue Chance bei der Arbeitsagentur

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Von: Gerd Chmeliczek

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Gießen (gäd). »Sprache ist der Schlüssel zur Integration.« Diesen Satz hört man oft, wenn es um Flüchtlinge geht, um deren Eingliederung in die Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt. Liban Hassan Mohamed hat das beherzigt. Der 28-jährige Flüchtling aus Somalia ist seit 2014 in Deutschland und kann sich mittlerweile sehr gut verständigen. Am 1. September beginnt er eine Ausbildung – bei der Arbeitsagentur in Gießen.

Gießen (gäd). »Sprache ist der Schlüssel zur Integration.« Diesen Satz hört man oft, wenn es um Flüchtlinge geht, um deren Eingliederung in die Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt. Liban Hassan Mohamed hat das beherzigt. Der 28-jährige Flüchtling aus Somalia ist seit 2014 in Deutschland und kann sich mittlerweile sehr gut verständigen. Am 1. September beginnt er eine Ausbildung – bei der Arbeitsagentur in Gießen.

Von der Al-Shabaab-Miliz, die in seinem Heimatland einen sogenannten Gottesstaat auf Grundlage der Scharia errichten will, sei er bedroht und verfolgt worden, erzählt der junge Mann, der 2014 in der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen ankam. In Somalia habe er ein so gutes Abitur abgelegt, dass er vom Staat ein Stipendium erhalten habe. Von 2004 bis 2007 habe er dann im Sudan Betriebswirtschaftslehre studiert. Nach erfolg-reichem Abschluss hat er nach eigenen Angaben in verschiedenen Jobs gearbeitet – als Verkäufer, Sekretär und im Marketing. Bis er dann das Land verlassen musste, wie er erzählt. Die Terrormiliz habe ihn für einen Spion gehalten.

Einen genauen Plan für seine Zukunft hatte er noch nicht im Kopf, als er 2014 nach Gießen kam. »Aber ich wusste, ich muss die Sprache lernen«, erklärt er. Er besuchte einen Sprachkurs an der Friedrich-Feld-Schule und hatte damit einen Einstieg gefunden. Mohamed wartete nicht, bis sein Asylverfahren abgeschlossen war, sondern meldete sich schon währenddessen bei der Arbeitsagentur in Gießen als arbeitssuchend. Im Februar 2016 begann er dann eine Einstiegsqualifizierung (EQ) bei der Agentur, eine Art Langzeitpraktikum, bei dem sich Bewerber und Unternehmen besser kennenlernen können (siehe Kasten). Er durchlief verschiedene Abteilungen, schnupperte überall einmal hinein, wie Agentur-Pressesprecher Johannes Paul erklärt. Parallel dazu absolvierte er einen zweiten Sprachkurs bei einer privaten Schule in Frankfurt, der ihm von der Arbeitsagentur finanziert wurde. Nach elf Monaten zog man ein Fazit: Es hat gepasst. Liban Hassan Mohamed wird dort am 1. September eine Ausbildung als »Fachangestellter für Arbeitsmarktdienstleistungen« beginnen. Er wird dann ganz normal die Berufsschule absolvieren und kann sich später im Rahmen seiner Ausbildung auf ein Gebiet spezialisieren.

Somalisches Essen fehlt

Denkbar wäre es, dass Mohamed seine Erfahrungen an andere Flüchtlinge weitergibt. Er hat bereits bei Info-Abenden der Agentur als Dolmetscher fungiert. Im Moment freut er sich über die neue Chance. Sein BWL-Abschluss wurde hier zwar anerkannt, er sieht seine Zukunft aber bei der Arbeitsagentur, wie er selbst sagt. »Ich möchte nach der Ausbildung hier arbeiten«, sagt der junge Mann.

Ungetrübt ist seine Freude allerdings nicht, denn in Somalia leben noch seine Frau und seine dreieinhalb Jahre alte Tochter. Beide möchte er so schnell wie möglich nach Deutschland holen. Da er seit März 2016 subsidiären Schutz in Deutschland genießt, wäre ein Familiennachzug erst im kommenden Jahr möglich. Bis dahin will er Fuß fassen bei seinem neuen Arbeitgeber und sein Deutsch weiter verbessern.

Was vermisst er in Deutschland – außer seiner Familie? »Somalisches Essen«, sagt der Hobby-Fußballer und grinst. Er habe hier erst kochen gelernt und dementsprechend sei auf diesem Gebiet noch Luft nach oben.

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