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Nachwuchssorgen bei Busfahrern in Hessen

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Wiesbaden (dpa/lhe). In Hessen wird es immer schwerer, jungen Menschen den Beruf des Busfahrers schmackhaft zu machen. Wer einen Bus oder eine Straßenbahn fährt, der muss in Schichten und auch an Wochenenden arbeiten. Er übernimmt zudem bei vergleichsweise geringem Lohn eine hohe Verantwortung für seine Passagiere.

Schuld am Nachwuchsmangel ist nach Ansicht der Gewerkschaft ver.di der schärfer werdende Wettbewerb. Die kommunalen Verkehrsunternehmen gründeten Tochtergesellschaften, deren Fahrer schlechter bezahlt würden, sagte Gerold Schaub vom ver.di-Fachbereich Straßenpersonenverkehr. Europaweite Ausschreibungen von Bus- und Straßenbahnlinien führten zu einem deutlich verschärften Ringen um Preise und Personal. »Die Unternehmen versuchen, aus den Tarifen des öffentlichen Dienstes zu flüchten«, sagt Schaub, der bei der Gewerkschaft ver.di für rund 5000 Fahrer die Tarifverhandlungen führt. Die Folge: Den Unternehmen gehen die Fahrer aus, viele müssen mit ungewöhnlichen Maßnahmen die Werbetrommel rühren. Denn nicht wenige Fahrer klagen, dass sie sogar bei den Sozialbehörden vorstellig werden müssen, um über die Runden zu kommen. »Ich musste zum Beispiel Wohngeld beantragen«, sagt ein Busfahrer.

Die Wiesbadener Verkehrsgesellschaft Eswe zahlt den Fahrern ihres Tochterunternehmens WiBus 11,50 Euro die Stunde, die Kollegen von Eswe-Verkehr kommen dagegen auf 14 Euro, wie Eswe-Sprecher Holger Elze sagte. Beim Gießener Verkehrsträger Mit.Bus sind es gar nur 10,88 Euro. Deshalb herrscht bei vielen Unternehmen ein stetes Kommen und Gehen beim Personal.

Eswe-Sprecher Elze sagt, früher hätten die Fahrer die Tätigkeit in der Regel über Jahre und auch Jahrzehnte hinweg ausgeübt. Aber: »Die Arbeitszeit mit dem Schichtdienst hat Nachteile.« Mittlerweile guckten sich viele angesichts des sich inzwischen belebenden Arbeitsmarkts in anderen Branchen um.

Linienbusse haben in Hessen im vergangenen Jahr rund zwei Milliarden Kilometer zurückgelegt. Wie aus den Zahlen des Statistischen Landesamts in Wiesbaden hervorgeht, beförderten sie im Jahr 2011 etwa 318 Millionen Fahrgäste. Nur: Irgendjemand muss die Busse steuern. Die Wiesbadener Eswe und ihre Tochter WiBus versuchen mittlerweile mit einer auffälligen Werbekampagne Aufmerksamkeit für die Branche zu wecken: »Bus sucht Fahrer« steht auf den Fahrzeugen. Vor einiger Zeit warben die Wiesbadener auch mit Sprüchen wie »18 Meter, 28 Tonnen, 350 PS: Adrenalin pur«.

Die Zahlen belegten aber weiterhin den Nachwuchsmangel: Nur 25 Prozent der Busfahrer in Hessen waren zuletzt unter 35 Jahren alt. Vor diesem Hintergrund forderte Schaub vom ver.di-Fachbereich Straßenpersonenverkehr ein Ende des »Ausschreibungswahnsinns«.

Der Markt ist derweil gespalten: Einige kommunale Nahverkehrsunternehmen nehmen nur Fahrer, die sich bereits mit Führerschein und Weiterbildung bewerben. Andere dagegen haben eigene Fahrschulen und stellen die künftigen Fahrer dafür frei. Das ist der angenehmere Weg für den Start in ein nicht ganz einfaches Berufsleben.

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