Nach Fund der Leichen spricht Ehemann der Verdächtigen

Langgöns/Linden (agl). »Ich habe gedacht, es wäre nasse Wäsche drin. Aber dann klebt man es nicht mit Paketklebeband so extrem zu.«

Manfred M.* schildert im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung den Moment, als sich herausstellte, dass sich in den drei Kühlboxen nicht einfach nasse Wäsche befand, sondern drei tote Babys. M. sitzt in seiner Wohnung in Linden, neben ihm der gemeinsame Sohn von ihm und der 40-jährigen Frau, die unter dem Verdacht der dreifachen Tötung steht. Seit etwa zwei Jahren lebt das Ehepaar getrennt, und – wie berichtet – saß die Frau wegen Betrugs in Haft, brachte dort ein weiteres Kind zur Welt.

»Dieses Kind hat sein Leben der Tatsache zu verdanken, dass seine Mutter im Gefängnis sa?, zeigt sich M. überzeugt. Die 40-Jährige, die ursprünglich aus Gießen stammt, hat zwei jugendliche bzw. junge erwachsene Söhne aus einer früheren Beziehung, den gemeinsamen Sohn und eben dieses neu geborene Kind. Hinzu kommen die drei tot aufgefundenen Babys, die höchst wahrscheinlich Kinder der Frau sein dürften, und eine Tochter. Von deren Existenz habe er erst nach sieben Jahren erfahren, sagt M.

»Möglicherweise meine Kinder«

Das Mädchen sei in der Zeit geboren worden, in der die beiden ein Paar waren, er sei möglicherweise der Vater. Doch seine Frau habe das Kind – ohne mit ihm zu sprechen – zur Adoption frei gegeben. Auch von einer Schwangerschaft habe er damals nichts gewusst. Der neunjährige Sohn wäre, so berichtet es M., auch zur Adoption frei gegeben worden, hätte M. nicht interveniert. Der Junge lebte seit Jahren bei seiner Mutter, war auch dabei, als M. gemeinsam mit Familienmitgliedern der 40-Jährigen die Wohnung ausgeräumt hatte.

Die Wohnung sei an sich in Ordnung gewesen, lediglich die Speisekammer sei sehr unordentlich gewesen. Er selbst sei in den Keller gegangen, sagt M., habe dort drei Kühlboxen entdeckt, eine von ihnen nicht zugeklebt. Obenauf lagen Papier und Plastik, er habe keinen besonderen Geruch wahrgenommen. Der Hausrat sollte in zwei Garagen in Gießen deponiert werden.

M. nimmt einen Schlüssel vom Tisch: Mit dem habe er das Klebeband an den Kühlboxen zerschnitten. Wie der 59-Jährige weiter die Situation schildert, schlug ihm strenger Geruch entgegen, oben auf lagen nasse Badetücher. »Das war immer noch nicht ungewöhnlich, wenn man diese Frau gekannt hat.« In seinem Kopf entwickelte sich jedoch ein mulmiges Gefühl. Zwei Familienmitgliedern habe er gesagt, sie mögen die Kisten erst mal neben das Auto stellen. Die dritte Box sei untergegangen und schon nach Gießen gebracht worden. Dies sei auch der Grund gewesen, dass die Ermittler sie in einer Garage gefunden hätten – nicht in Langgöns. Letztlich habe sich die Schwester der Frau die Kühlboxen nach dem Transport nach Gießen genauer angeschaut und dabei den grausigen Fund gemacht.

War M. womöglich der Vater der toten Kinder? Ausschließen könne er das nicht. »Man hat ihr nichts angesehen, aber auch gar nichts. Kein Mensch hat etwas von irgendeiner Schwangerschaft gemerkt.« Sie habe immer weite Kleidung getragen. Auch wenige Tage, bevor seine Frau das Kind im Gefängnis bekommen habe, sei ihm nicht aufgefallen, dass sie schwanger war.

Wie hat M. seine Frau erlebt, was für ein Mensch ist sie? »Sie war wie zwei unterschiedliche Wesen. Sie konnte unheimlich lieb sein.« Dann seien da aber auch die extremen Launen gewesen, der Stimmungswandel von einer Sekunde auf die andere. Für den gemeinsamen Sohn habe sie per Eilantrag das alleinige Sorgerecht beantragt, habe dem Neunjährigen gesagt, sie würde die Polizei rufen, falls M. ihn nicht hergeben würde. »Ein absolutes Klammern an den letzten Halm« nennt M. dieses Verhalten. Sie habe den Jungen zudem in seiner Kindheit abgeschirmt. Seit Ende Februar lebt er bei seinem Vater.

Als man von den Babyleichen noch nichts wusste, da sei es nicht unwahrscheinlich gewesen, dass er die Wohnung seiner inhaftierten Frau in Langgöns übernehmen würde. Doch nun ist die Welt eine andere: »Ich würde darin nie mehr Ruhe finden«.

Dass M. die Kisten geöffnet hat, lag eigenen Angaben zufolge daran, dass er stichprobenartig nach Unterlagen schaute, die mit ihm, mit seiner ehemaligen Firma hätten zu tun haben können. Seiner Frau wirft er – jenseits der grausigen Leichenfunde – vor, ihn in die Insolvenz getrieben zu haben, Unterlagen habe mitgehen lassen. Sie habe im Büro gearbeitet, Dokumente gefälscht, eigenmächtig Rechnungen gestellt und sich das Geld genommen. Sie selbst habe nichts bezahlt. Das scheint in weiten Teilen auch für die Miete zu gelten. Als sich das Paar trennte, zog sie in eine Wohnung innerhalb von Linden um. M. zeigt die fristlose Kündigung, aus der hervorgeht, dass seine Frau in zwei Monaten keine Miete gezahlt habe. Ähnlich das Problem in Langgöns. »Schauspielen und lügen kann sie so verdammt gut«, beklagt M.

*Name von der Redaktion geändert.

Mutter bestreitet, ihre Babys getötet zu haben Verweste Babyleichen in Langgöns entdeckt Mutter bestreitet Tötung ihrer drei Babys

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