"Es muss schmecken"

Frankfurt (dpa/lhe). Manchmal ist das beste Neue eigentlich nur das vergessene Alte. Etwa, wenn Omas Einweckglas plötzlich von den Enkeln wiederentdeckt wird für Hipster-Küchenideen, die eigentlich aus der Zeit stammen, als frisches Obst und Gemüse nicht von Januar bis Dezember leicht zu haben war. "Früher war das alltäglich. Man musste den Sommer buchstäblich haltbar machen", sagt Marina Caktas, die in Offenbach eine Manufaktur für Gelees und Chutneys hat.

Auf der letzten Donnerstag eröffneten Frankfurter Klimagourmetwoche gehört Caktas zu den Produzenten und Gastronomen, die zeigen wollen: Klimaschutz geht nicht nur alle etwas an, er kann auch lecker sein. "Es geht auch darum, die Bürger zu motivieren und zu zeigen, dass jeder etwas tun kann", sagt Paul Fay vom Energiereferat der Stadt Frankfurt. Fay kennt sich aus mit der Kohlendioxid- und Klimabilanz von Lebensmitteln. "Je höher der Fettgehalt, desto ungünstiger die Klimabilanz", mahnt er Anhänger von gehaltvollem Käse und Butter. Keine Bekehrungsversuche Überhaupt könne die Umstellung auf vegetarische Ernährung die Kohlendioxidemissionen für Lebensmittel pro Verbraucher um 30 Prozent retten. Also nie wieder "Worscht"? "Es kann nicht immer nur um die reine Lehre gehen", meint Fay philosophisch. Bekehrungsversuche von Fleischessern wird es nicht geben. Ziel der einwöchigen Aktion sei, erst mal zum Nachdenken anzuregen. "Ganz wichtig ist: Es muss auch schmecken." Während prominente Veganer und Vegetarier Hirse-Falafel oder Quinoa-Burgern eine ganz andere gesellschaftliche Akzeptanz bescheren als ihren Vorgängern der Öko-Bewegung in den 1970er Jahren, soll schon bei den jüngsten Verbrauchern die Liebe zur Umwelt auch durch den Magen gehen. Schüler kochen mit Auf der "Blauen Tafel" präsentieren in der kommenden Woche nicht nur mehrere Hundert Schüler die Ernte aus ihren Schulgärten, es wird auch gemeinsam geschnippelt und gekocht. In den Vorjahren sorgte das offenbar selbst unter den jungen Gärtnern für ein Aha-Erlebnis, wie eine beteiligte Lehrerin am Eröffnungstag erzählte: "Für viele Kinder war es eine erstaunliche Erfahrung, dass man Gemüse in einen Topf schmeißt und es kommt was Leckeres dabei heraus." Das ist auch die Erfahrung, die Mirjam Gimbel mit nachhaltigen Kochkursen Kindern im Grundschulalter vermitteln will. Dass auch in der Stadt in Gemeinschaftsgärten Gemüse angebaut werden kann, wie Apfelkompott hergestellt wird und welche Klimabilanz die eigenen Essgewohnheiten haben – das sind nur einige der Themen der Klimagourmetwoche.

Quelle: Gießener Allgemeine

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