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Musische Bildung und soziale Förderung

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Nidderau. »Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen« ebenso wie »Der Ton macht die Musik«: Wie andere Redewendungen auch, stehen sie für das seit zehn Jahren erfolgreiche Kooperationsmodell der Bertha-von-Suttner-Schule und der Musikschule Schöneck-Nidderau.

Nidderau. »Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen« ebenso wie »Der Ton macht die Musik«: Wie andere Redewendungen auch, stehen sie für das seit zehn Jahren erfolgreiche Kooperationsmodell der Bertha-von-Suttner-Schule und der Musikschule Schöneck-Nidderau.

Die Bläserklasse begann im Kleinen. Überzeugt von der Idee, durch musische Bildung Kindern den Spaß an Schule zu erhalten und die persönliche Entwicklung zu fördern, begannen der ehemalige Schulleiter der Bertha-von-Suttner-Schule und der Leiter der Musikschule, Michael Winterling, für das Projekt zu werben und neben der Überzeugungsarbeit auch die entsprechenden Gelder aufzutreiben. Auch unter der neuen Schulleiterin, Bianca Gardé, sind die Bläserklassen fester Bestandteil des Schulprofils und ergänzen den »Lebensraum« Schule. In den vergangenen zehn Jahren haben 20 Klassen mit insgesamt 550 Schülern an dem Projekt teilgenommen. Zwei Jahre lang musizieren die Schüler im Klassenverband auf den Instrumenten, die von der Musikschule zur Verfügung gestellt werden. Von der Querflöte über das Saxofon bis zu Trompete und Tuba ist dabei alles vertreten, was man für ein richtiges Orchester braucht.

Was aber ist das Besondere am Musizieren innerhalb der Klassengemeinschaft? Wie kaum ein anderes Unterrichtsfach bietet das gemeinsame Musizieren die Möglichkeit und die Chance, neben den fachlichen und musikalischen Fähigkeiten auch die Klassengemeinschaft in einer Weise positiv zu beeinflussen, die gerade in der heutigen Zeit für die Schüler immer wichtiger wird, da Gewalt und Intoleranz, auch verstärkt durch die Medien und die Lebenskultur der Jugendlichen, Einzug in viele Schulen hält.

Der Musikunterricht, speziell das aktive Musizieren innerhalb einer Bläserklasse, bietet die Möglichkeit, seinen kulturellen Horizont zu erweitern und damit die Toleranz gegenüber anderen zu erlernen und die eigene Sichtweise zu reflektieren. Durch das tägliche Üben und gemeinsame Musizieren mit den Schulkameraden lernen die Schüler Verantwortung zu übernehmen, sowohl für sich selbst als auch für andere. Denn eines ist jedem Kind schnell klar: Das Projekt ist nur erfolgreich, wenn alle an einem Strang ziehen. Dieses Miteinander innerhalb des Musikunterrichts prägt die Schüler und stärkt neben der Klassengemeinschaft auch deren Persönlichkeit. Die Anerkennung der eigenen Leistungen durch Mitschüler zeigt sich so zum Beispiel in spontanen Beifallbekundungen während des Unterrichts.

Dies stärkt die Selbstsicherheit und das Selbstvertrauen des Einzelnen wie auch der gesamten Klasse. Die oftmals abhanden gekommene Lust auf Schule wird hier buchstäblich in die Welt hinaustrompetet. So zum Beispiel bei zwei Konzertreisen nach Ungarn, die die Bläser-AG in den vergangenen Jahren unternommen hat. Dabei sind die Schüler nicht nur Repräsentanten der Nidderauer Schule, sondern lernen auch fremde Menschen und für sie oftmals unbekannte Kulturen kennen. Aber auch innerhalb der Region finden die jungen Musiker manche Gelegenheit, ihr Können unter Beweis zu stellen. Dies alles sind Erlebnisse, die für die jungen Menschen oft prägende Wirkung haben und dazu führen, Schule nicht nur als notgedrungenes Übel zu empfinden, sondern im Gegenteil einen Beitrag dazu leisten, sich auch in späterer Zeit gerne an die Schulzeit zurück zu erinnern.

Diese Nachhaltigkeit der musisch-pädagogischen Erziehung kommt somit auch indirekt der nachfolgenden Generation zu Gute, wenn nämlich Eltern ihren Kindern ein positives Bild von Schule vermitteln können. Denn letztlich kann und soll Schule auch Spaß machen.

Aus Anlass des Jubiläums werden die Bläserklassen gemeinsam mit dem Schulchor und der Schulband am Samstag, 28. Februar, um 20 Uhr ein Konzert in der Willi-Salzmann-Halle geben.

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