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Brigitte Franzen hat vor einem Jahr die Leitung des Senckenberg Naturmuseums übernommen.

»Museum wird anfassbarer werden«

Die Besucher des Senckenberg Naturmuseums sollen in den kommenden Jahren mehr selbst forschen können. Seit einem Jahr ist Brigitte Franzen dort Museumsdirektorin. Im Interview spricht sie über Erreichtes und Zukunftspläne.

Am 1. Januar 2021, mitten in der Corona-Pandemie, trat Brigitte Franzen ihre neue Stelle als Leiterin des Senckenberg Naturmuseums Frankfurt an. Nun blickt sie zurück auf ihr erstes Wirkungsjahr - und natürlich auch in die Zukunft.

Frau Franzen, das Jubiläum stand unter dem Motto »Museum for Tomorrow«, die Besucher lernten 20 besondere Ausstellungsstücke neu kennen, es gab sie als Poster und kleine Faltblätter. Wie hat dieses »Museum für morgen« geklappt?

Es freut mich sehr, dass ein solch dezentrales Konzept, mit dem wir die Besucherinnen und Besucher in Bewegung bringen wollten, gut funktioniert hat. Zweitens ist auch die Geste, dass wir anlässlich des Museumsgeburtstags etwas verschenken, nämlich die Poster, super angekommen. Schön war, wie die Leute bepackt mit Plakaten vom Museum nach Hause gegangen sind, oder wie begeistert die Kinder waren. Das Dritte, worauf ich gespannt bin, ist die Feedback-Station, deren Idee es ist, dass die Besucherinnen und Besucher uns sagen, was sie gerne hätten, und wie sie sich das Museum der Zukunft wünschen.

Bekamen Sie auch direkte Rückmeldungen von Besuchern?

Die Menschen lieben das Museum! Das ist für uns alle, die wir hier arbeiten, eine sehr inspirierende Situation und eine supertolle Bestätigung, weil unsere Arbeit anerkannt wird und unsere Bemühungen auf fruchtbaren Boden fallen. Da geht einem richtig das Herz auf. Aber wir wollen uns nicht darauf ausruhen, sondern sehen das als Ansporn für weitere Verbesserungen.

Warum eigentlich noch mehr Neuerungen, wenn die Besucher das Museum doch eh schon lieben?

Es ist einfach notwendig, an der einen oder anderen Stelle aktueller zu werden. Aber wir werden nicht alles über Bord werfen. Es gibt Bereiche, wie die Säugetier- und die Vogelsammlung, die sind so fantastisch, dass wir sie nur sanieren. Da geht es auch um konservatorische Fragen. Nun sind die Vitrinen aus dem Jahr 1907 und wir können unseren Anspruch daher nicht immer einlösen. Sie werden so saniert, dass sie historisch bleiben, die Exponate aber trotzdem dauerhaft geschützt sind.

Und wo soll es richtig neu werden?

Manches ist baulich in die Jahre gekommen und wir müssen den Altbau auch ins richtige Licht setzen. Andere Bereiche brauchen eine neue Art von Museumsarbeit. Wir haben hier viele Kinder und Jugendliche, die vermutlich bei uns ihre erste Museumserfahrung machen. Wir sehen es als Auftrag, dass diese Begegnung so toll und spannend wie möglich wird. Deshalb wollen wir nicht nur zeigen und erklären, sondern auch Angebote zum selbst Forschen machen, teilweise unter Anleitung, teilweise selbstständig. Dazu bauen wir gerade einen Raum im hinteren Teil des Museums zur sogenannten »Aha?! Forschungswerkstatt« um.

Was ist für die kommenden Jahre sonst noch geplant?

Wir arbeiten unter anderem an zwei großen Sachen: einmal an der Ausstellung »Natur und Medizin«. Und an einer Ausstellung zum Thema Gehirn, in der wir darstellen wollen, wie das menschliche und das tierische Gehirn funktionieren und wie Wahrnehmungsverarbeitung vor sich geht. Beide wollen wir Anfang 2023 eröffnen.

Auch die Messel-Ausstellung soll bis zum Jahr 2025 vergrößert werden, denn dann wird die Messel-Forschung bei Senckenberg 50 Jahre alt. Die Urpferde und die anderen Fossilien aus der Grube sind im Grunde unsere Mona Lisas: Sie sind so einzigartig und Senckenberg hat so viel Anteil an der internationalen Messel-Forschung, dass das auch im Museum deutlicher werden muss. Und dann geht’s natürlich an den Um- und Anbau, der ganz Senckenberg beschäftigen wird.

Verraten Sie den Lesern mehr über den geplanten Neubau!

Der Standort zwischen dem jetzigen Museum und der Gräfstraße bleibt. Der Neubau soll als Anbau unmittelbar an das Bestandsgebäude andocken und einen zweiten Eingang haben. Zwar ist uns das Portal vorne lieb und teuer, auch, weil es nahe an der U-Bahn liegt. Aber wenn mehrere größere Gruppen gleichzeitig ankommen, wird der Vorplatz sehr eng.

Klingt, als ob Sie Ihre Entscheidung für Frankfurt nicht bereuen.

Es war nicht einfach, mitten im Lockdown den Job zu wechseln, aber ich bin glücklich. Ich fühle mich in Frankfurt sehr wohl. Die Stadt ist kulturell sehr gut aufgestellt. Außerdem habe ich fantastische Kolleginnen und Kollegen! Wir sind ein tolles, diverses Museumsteam, und es macht viel Spaß, die Blickwinkel der erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der jüngeren zu integrieren. Letztere wollen auch als Besucher anders angesprochen werden, deshalb ist es auch eine richtig gute Sache, dass wir diese Sichtweisen aus dem eigenen Team heraus entwickeln können und beispielsweise einen Jugendbeirat etabliert haben. Wir wollen ein Forschungsmuseum der Zukunft und für zukünftige Generationen sein.

Gibt es etwas, auf das Sie nach Ihrem ersten Jahr besonders stolz sind?

Ich freue mich sehr, dass die Forschungswerkstatt kommt, und wir Förderer überzeugt haben und Mittel dafür einwerben konnten. Gleiches gilt für den Freiraum, einen Bereich, der dynamischer funktioniert als der Rest des Museums. Dort können künftig kurzfristiger Ausstellungen und Präsentationen stattfinden. Und ich bin froh, endlich einen Raum für die Gehirn-Ausstellung gefunden zu haben. Die Idee war schon lange da, aber man wusste nicht, wo genau man sie umsetzen kann. Alles in allem bin ich sehr stolz darauf, dass wir innerhalb eines Jahres schon so viele Nägel mit Köpfen machen konnten, und dass das Museumsteam sich leidenschaftlich für das Haus und die Inhalte engagiert.

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