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Motorrad mit Auspuff und Bremshebel als Hecke

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Weimar (dpa). Die Thuja-Hecke mit ihren Auspuffrohren und Rädern ist Konrad Ammenhäusers ganzer Stolz. Vier Meter hoch und acht Meter lang ist sie und bildet mit ihren Ästen ein großes grünes Motorrad.

»Das ist meine Traumform eines Motorrades. Genau so würde ich mir eins bauen«, sagt der 47-Jährige, der das Gewächs vor seinem Haus in Weimar seit fast 20 Jahren »modelliert«. Eine gute Dekade dauerte es, bis die Hecke auch wie ein Motorrad aussah. Jetzt müssen nur noch die beiden oberen Auspuffrohre, der Motor und die Vergaser weiter Gestalt annehmen. Nach Ammenhäusers Angaben ist das Thuja-Bike weltweit einmalig.

»Passanten und Nachbarn haben lange mitleidig geschaut und vermutet, ich sei einfach nicht in der Lage, eine gerade Hecke zu schneiden«, erinnert sich der Motorrad-Fan amüsiert an die Anfangszeit. Für ihn sei aber vom ersten Tag an erkennbar gewesen, was da heranwachsen sollte. »Ich hatte die endgültige Form bereits im Kopf.« Mittlerweile würden sogar Reisebusse halten und Touristen ihre Schnappschüsse machen. Es freue ihn sehr, dass nicht nur er, sondern auch seine Mitmenschen Spaß an der Hecke hätten.

Diese ist ein Hingucker: Einen Supersportler stellt sie dar, mit Verkleidungsscheibe vorne, dicken Rädern und einem ausladenden Auspuff mit bald vier Rohren – zwei müssen noch ein bisschen wachsen. Auch den Lenker hat Ammenhäuser nicht vergessen, ebenso die Brems- und Kupplungshebel, die aus zarten Ästen bestehen.

»Ist ja Wahnsinn! Das ist ein Motorrad, oder?«, ruft eine ältere Passantin herüber, während Ammenhäuser mit einer kleinen Schere an einem verirrten Trieb schnippelt. Die Frau hat ihren Enkel dabei, der staunend auf die Maschine starrt.

Viel Spaß an Detaildarstellungen

Mit großen Augen begann als Kind auch Ammenhäusers Begeisterung. »In der Nähe gab es einen Motorradladen, und ich habe mir am Schaufenster immer die Nase platt gedrückt«, sagt der Banker. »Es stand für mich fest, dass ich irgendwann mal die schnellste Suzuki fahren würde.« Außerdem beschloss Klein-Konrad: »Ich will ein Motorrad als Hecke vor der Tür.« Der 47-Jährige lacht, so als ob es ihn doch etwas wundert, dass beide Kindheitsträume wahrgeworden sind.

Ammenhäuser fährt mit Leidenschaft Motorrad. In den 1980er Jahren besuchte er Rennen auf der Isle of Man vor Großbritannien, fuhr auch selber welche – »aber nur zum Spa? – und konnte mit seiner Maschine kilometerlang nur auf dem Hinterrad fahren, wie er erzählt. Das brachte ihm den Spitznamen »Wheelie-Konni« ein. Der ist auch unter seiner Hecke auf einem Mauerstück verewigt. Im Gartenland England versuchte er, Tipps von Heckenkünstlern für sein Projekt zu bekommen. Allerdings: »Sie versicherten mir unabhängig voneinander, dass mein Vorhaben unmöglich sei. Die Form eines Motorrades sei viel zu zerklüftet, und man könne eine Hecke nur in einer zusammenhängenden Form trimmen.« Würfel, Kugeln und andere geometrische Formen seien drin, auch Autos, aber kein Zweirad.

Ammenhäuser versuchte es dennoch. Und stellte fest: »Es ist möglich, man braucht nur extrem viel Ausdauer und Kenntnisse über das Pflanzenwachstum.« In der laufenden Saison hat er nach eigenen Angaben bereits mehr als 90 Arbeitsstunden investiert, insgesamt sind es bereits 1240 Stunden, in denen er hier und dort stutzte. Sein Erfolgsgeheimnis will er nicht komplett lüften. Nur so viel: Er benötigte viel Vorstellungskraft, Geduld und 22 einzelne Pflanzen, die er nach und nach in Form schnitt.

Der 47-Jährige holt sich ein Rollgerüst, klettert hinauf und modelliert noch etwas an einem grünen Auspuffrohr. Er hat so viel Spaß am Detail, dass es sogar hohl ist wie ein echtes. Man kann den kompletten Arm hineinstecken. »Ich hoffe, dass die Thujen spüren, dass sie mit Liebe gepflegt werden und ewig leben«, sagt er.

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