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Mordfall Johanna Bohnacker: Weitere Spurensicherung in dem Fall

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Von: Steffen Hanak

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Nach der Festnahme des mutmaßlichen Mörders der kleinen Johanna wird jetzt das Umfeld des 41-Jährigen überprüft.

Nach der Festnahme des mutmaßlichen Mörders der kleinen Johanna Bohnacker aus Ranstadt-Bobenhausen am Mittwoch laufen die Ermittlungen trotzdem weiter. Nun geht es vor allem darum, »das Umfeld des Beschuldigten aufzuhellen«, sagte Thomas Hauburger, Pressesprecher der Gießener Staatsanwaltschaft, am  Freitag im Gespräch mit dieser Zeitung. Während der Phase verdeckter Ermittlungen im Vorfeld der Festnahme sei dies nur schwer möglich gewesen. Es würden Zeugen befragt und Gutachten eingeholt. Ziel: Die Ermordung der damals Achtjährigen so exakt zu rekonstruieren, wie es 18 Jahre später noch möglich sei. Unter anderem hoffen die Ermittler, in der Friedrichsdorfer Wohnung des 41-Jährigen noch DNA des Mädchens zu finden, berichtete der Staatsanwalt.

Kommentar zum Mordfall Johanna Bohnacker Mutmaßlicher Mörder sagt, Tod sei Unfall gewesen Nicht kommentieren wollte Hauburger die Aussage des in Untersuchungshaft sitzenden Mannes, der Tod der kleinen Johanna sei ein »Unfall« gewesen. Zwar hatte der ledige Tatverdächtige bei seiner Vernehmung eingeräumt, für den Tod des Kindes »verantwortlich« zu sein und auch »sexuelle Absichten« gehabt zu haben. Vorsätzlich getötet haben will er die Achtjährige jedoch nicht. »Wir gehen von einem anderen Geschehensablauf aus«, unterstrich der Staatsanwalt. Er werde dies aber nicht im Vorfeld einer zu erwartenden Hauptverhandlung bewerten. Wann Anklage gegen den kinderlosen Beschuldigten wegen Mordes und besonders schwerer sexueller Nötigung erhoben wird, steht noch nicht fest. Hauburger rechnet aber damit, dass die Ermittlungen noch einige Monate in Anspruch nehmen werden. Mordfall Johanna Bohnacker: Einsatzleiter der Hundestaffel erinnert sich   Massenhaft Kinderpornografie   Ein Missbrauchsfall vom vergangenen August in Nidda und eine verbesserte Methode zur Überprüfung von Fingerabdrücken hatten die Kriminalisten auf die Spur des Friedrichsdorfers gebracht. Spaziergängern war im vergangenen Sommer in einem Maisfeld bei Nidda ein Mann »bei sexuell motivierten Fesselungsspielen« mit einer 14-Jährigen aufgefallen. Die Ermittlungen wegen Missbrauchs einer Jugendlichen dauern an. Beamten fielen Parallelen zum Mordfall Johanna auf. Auch da hatten Fesselung und Klebeband eine »große Rolle« gespielt. Auf einem Stück Klebeband, mit dem Johanna gefesselt worden war, hatten Ermittler einen Teilabdruck eines Fingers des Täters gesichert.  Mordfall Johanna Bohnacker: Chronologie der Ereignisse    Diese Fragmente stimmten mit dem 2016 genommenen Abdruck des linken Daumens des Friedrichsdorfers überein. Bereits vor über zehn Jahren wurden bei einer Reihenuntersuchung die Fingerabdrücke des Mannes genommen, weil er einen VW Jetta fuhr. Zeugen war im September 1999 ein Jetta mit »HG«-Kennzeichen in Bobenhausen aufgefallen. Allerdings wurden damals die Fingerabdrücke noch mit einem Stempelkissen genommen, sodass beim Vergleich mit dem Klebeband »Verzerrungen« auftraten. Die neue Methode mit einem Scanner ließ hingegen keine Zweifel mehr aufkommen. Überprüfung ähnlicher Fälle unter Hochdruck In der Wohnung des Mannes fanden Ermittler zudem 236 Datenträger und 120 Videokassetten mit Kinderpornografie. Außerdem entdeckten sie auch Klebebänder in der Wohnung des Beschuldigten. Die Spurenexperten konnten hierbei feststellen, dass sich an den am Leichenablageort aufgefundenen Klebebandresten die gleichen Acrylfasern wie an den Klebebändern aus der Wohnung des Beschuldigten befinden. Johannas Leichnam war im April 2000 in einem Waldstück bei Alsfeld gefunden worden. Die Kriminalisten gehen davon aus, dass der wegen Drogen- und Verkehrsdelikten vorbestrafte Friedrichsdorfer das Mädchen am 2. September 1999 in Bobenhausen in den Kofferraum seines VW Jetta gezerrt und gefesselt, sich später an ihr vergangen und sie getötet hat. Nach bisherigen Erkenntnissen war die Achtjährige wohl ein »Zufallsopfer«. Der mutmaßliche Täter habe zuvor keinen Kontakt zu ihr, sondern nur »lose Bekannte« in Bobenhausen gehabt. Außerdem werden mit Hochdruck ähnliche unaufgeklärte Fälle in ganz Deutschland auf einen möglichen Zusammenhang überprüft.

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