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Mitten in der Nacht zum Beten aufstehen

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Von: Redaktion

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Ein großer Saal, mit Fackeln beleuchtet, ohne Heizung, schlechte Luft. Bis zu 100 Mönche haben früher hier geschlafen. Duschen gab es nicht, nur im Hof ein Brunnenhaus mit kaltem Wasser. Das Schlafgewand der Mönche war die Kutte, die sie auch am Tag anhatten.

Ein großer Saal, mit Fackeln beleuchtet, ohne Heizung, schlechte Luft. Bis zu 100 Mönche haben früher hier geschlafen. Duschen gab es nicht, nur im Hof ein Brunnenhaus mit kaltem Wasser. Das Schlafgewand der Mönche war die Kutte, die sie auch am Tag anhatten.

Jetzt stehen die Schüler der Klasse 4 a der Lückebachschule Garbenteich in diesem Saal (Lateinisch: Dormitorium) und lauschen gespannt den Worten von Siegfried Schäfer. Er war früher Lehrer am Landgraf-Ludwigs-Gymnasium in Gießen und führt nun Kinder und Erwachsene ehrenamtlich durch die Ruine des Klosters bei Lich.

Die Lückebachschüler können sich bei seinen Worten gut zurückversetzen in die Zeit vor 800 Jahren. Das Kloster wurde 1174 von Zisterziensermönchen gegründet, die vom berühmten Kloster Eberbach geschickt wurden.

Am Anfang des Rundgangs zeigt Siegfried Schäfer den Schülern die Klostergasse, die die Bereiche von zwei Arten von Mönchen im Kloster Arnsburg trennte. Er nennt die einen »Handarbeiter«, die anderen »Kopfarbeiter«. Die Kopfarbeiter besuchten täglich sieben Messen, eine davon war mitten in der Nacht. Außerdem trafen sie sich jeden Morgen im Kapitelsaal und lasen zusammen einen Abschnitt aus der Bibel. Die Handarbeiter bestellten die Felder, kümmerten sich um die Tiere, um die Gebäude und stellten vieles selbst her. Was die Mönche nicht für sich brauchten, wurde verkauft, und so wurde das Kloster reich. Aber die Mönche durften nichts besitzen. Sie durften auch nicht heiraten und keine Familie gründen. Sie wollten nur für Gott leben.

Mitten in der Nacht in die Kirche?! Da war es gut, dass es vom Schlafsaal aus einen direkten Weg dorthin gab. »Und auch alte und kranke Mönche konnten zur Messe kommen«, erzählt Herr Schäfer und zeigt auf Reste in der Mauer, wo sich wohl einmal ein Balkon für sie befunden hat.

Von der Kirche des Klosters gibt es heute leider nur noch Überreste. Mächtige Pfeiler stehen noch, aber der Boden ist aus Gras und die Decke ist der Himmel. Wie alles einmal aussah, können sich die Schüler aber gut vorstellen, denn Herr Schäfer zeigt ihnen viele alte Bilder.

Das Kloster wurde 1802/1803 geschlossen und ist danach verfallen. Steine davon wurden für den Bau von Kirchen in der Umgebung benutzt. Seit 1960 kümmert sich der Freundeskreis Kloster Arnsburg um die Ruine. Klasse 4a Lückebachschule Garbenteich

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