Mittelhessen-Abend des Regionalmanagements

Wiesbaden/Gießen (süd). Das Regionalmanagement hat am Montag einen Mittelhessenabend im Wiesbadener Landtag ausgerichtet. Rund 200 Gäste aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft nahmen daran teil, um miteinander zu diskutieren und sich auszutauschen.

Im Mittelpunkt stand die Kür der neuen Mittelhessen-Botschafter Amigos und Joe Bausch, die für die Region stehen und mit ihr verwurzelt sind (die Gießener Allgemeine Zeitung berichtete). Alle drei konnten an der Zeremonie nicht teilnehmen, die Brüder Karl-Heinz und Bernd Ulrich waren bei einer TV-Aufzeichnung, Arzt und Schauspieler Joe Bausch war krank.

Die drei neuen Botschafter versprachen, an einem künftigen Parlamentarischen Abend des Regionalmanagements teilzunehmen. Constanze Schleenbecker vom Hessischen Rundfunk führte durch das Programm und zitierte zu Beginn den Hausherrn des Hessischen Landtags, Landtagspräsident Norbert Kartmann, mit den Worten: »Hessen ist schön, Mittelhessen ist schöner.« Kartmann begrüßte die Gäste und ergänzte dieses Zitat mit Ausführungen zu Heimat: »Dort, wo wir unsere Heimat haben, finden wir es am schönsten.«

»Amigos sind ein Phänomen«

Zurück zu den Botschaftern. HR4-Musikchef Gerhard Schilling hielt die Laudatio auf die Amigos aus der Sicht eines Musikliebhabers. Die Brüder Ulrich seien ein Phänomen, passten in keine Schublade und »haben alles, was Stars nicht haben«. Die Villinger seien bodenständig, sie hätten keine Berührungsängste, veranstalteten auf der Bühne keinen Budenzauber: »Sie lassen einfach ihre Musik sprechen.« Schilling lobte die Melodien, die Texte und die Interpretationen, »die Amigos haben den Dreh raus«. Außerdem hätten ihre Lieder »einen Wiedererkennungswert, der einen schwindlig werden lässt«. Ihr Durchhaltevermögen sei bemerkenswert, ebenso die Preise, die sie bereits bekommen haben.

Da Karl-Heinz und Bernd Ulrich zu einem Fernsehdreh im Erzgebirge waren und deshalb nicht persönlich teilnehmen konnten, schickten sie eine Videobotschaft. »Es macht uns stolz, Botschafter der Region zu sein«, sagte darin Karl-Heinz Ulrich. Mittelhessen in die Welt tragen, »das tun wir mit und durch unsere Lieder über unsere Heimat«. Und viele Fans der Amigos kommen hierher, weil sie sehen wollen, wo und wie die beiden Musiker leben. Es sei eine Freude, dass ihre Erfolge durch das Regionalmanagement öffentlich akzeptiert werden, sagte Karl-Heinz Ulrich zudem in einem Telefonat mit dieser Zeitung. Die Auszeichnung wird Regierungspräsident Dr. Lars Witteck, Vorsitzender des Vereins Mittelhessen, den Schlagersängern am 31. August überreichen, wenn sie in Hungen ein bereits ausverkauftes Konzert gemeinsam mit den Kastelruther Spatzen geben. In Wiesbaden nahmen Manager Wilfried Emig und Plattenfirmenchef Karl Krajic die Ehrung entgegen und stellten sich den Fragen von Schleenbecker. »Wo kriegen die Amigos ihre Klamotten her?«, wollte sie unter anderem wissen. Von einem Modedesigner aus Teneriffa, verriet Emig. Zu ihrem Erfolgsgeheimnis sagte Krajic: »Sie geben Herzlichkeit.«

Die Laudatio auf Joe Bausch, geboren vor 60 Jahren in Waldbrunn im Westerwald, hielt Witteck. Millionen Fernsehzuschauer kennen Bausch in verschiedensten Rollen, vor allem als Rechtsmediziner Dr. Joseph Roth aus dem Kölner ARD-Tatort. Im Hauptberuf ist er jedoch Gefängnisarzt in Werl in Westfalen. Heimat sei für Bausch ein zwiespältiger Begriff, das Leben auf dem elterlichen Hof »war kein Zuckerschlecken«. Witteck ging auf das Buch »Knast« ein, in dem der neue Botschafter seine Berufstätigkeit als Gefängnisarzt schildere. Er mache die Verhältnisse in den Vollzugsanstalten transparent, ohne sie zu beschönigen. Bausch sei ein Mensch, der nicht den richtigen Weg predigt, sondern der ihn selbst beschreitet«, so Witteck. Deshalb sei er stolz, dass der Arzt nun Botschafter der Region sei.

Eine weitere Personalie gab der Regierungspräsident in Wiesbaden bekannt: Mit Dr. Heinz Spremberg hat die im Januar gegründete Regionalmanagement GmbH einen hauptamtlichen Geschäftsführer. Er löst den in der Gründungsphase ehrenamtlich tätigen Dr. Matthias Leder ab. Spremberg stammt aus dem Sauerland, hat in Passau Philosophie und Wirtschaft studiert, unter anderem als Unternehmensberater und zuletzt in Frankfurt in einem Kommunikationsunternehmen gearbeitet. Er tritt seine Stelle in Gießen am 1. Juni an. Der Arbeitsvertrag wurde unmittelbar vor Beginn des Mittelhessenabends unterschrieben.

Witteck sagte, der Regionalmanagementverein, Gesellschafter der GmbH, habe seit Abschluss des Weiterentwicklungsprozesses im Januar 34 neue Mitglieder gewonnen, das mache mit 109 Mitgliedern den höchsten Stand seit Vereinsgründung. Das Zukunftsreservoir Mittelhessens liege in der einzigartigen Hochschuldichte, die Zugriff auf hochqualifizierte junge Nachwuchskräfte biete, aber zugleich in den vielen mittelständischen Unternehmen, den »Hidden Champions« und deren hohe Spezialisierung. Das Regionalmanagement dürfe nicht nachlassen im Streben, den Menschen ein lebenswertes und attraktives Umfeld zu bieten.

Route der Industriekultur

Zum Programm gehörte auch eine von Carsten Jens (HR-Info) moderierte Podiumsdiskussion zum Thema »Mittelhessen – wohin?« Es diskutierten Angela Dorn (Grüne) aus Marburg, Wolfgang Greilich (FDP) aus Gießen, Tobias Eckert (SPD) aus Mengerskirchen und Klaus Dietz (CDU) aus Bad Nauheim. »Kurz, knapp und knackig«, so Jens, antworteten die Landespolitiker auf seine Fragen und Stichworte zu Mittelhessen. Dabei ging es unter anderem um die Universitäten in Gießen und Marburg, die Energiewende, das Regionalmanagement oder den Zusammenhalt der Region.

Schließlich interviewte Schleenbecker noch Professor Otto Volk vom Hessischen Amt für Geschichtliche Landeskunde in Marburg, der eine »Route der Industriekultur für Mittelhessen« etablieren will. Er wolle zusammen mit seinen Mitstreitern die Vergangenheit erlebbar und erfahrbar machen, wie es im Rhein-Main-Gebiet und in Nordhessen bereits geschehe. Im Sommer 2014 soll es so weit sein.

Beim abschließenden Imbiss war dann Gelegenheit zum Austausch und zur Diskussion.

Villinger Amigos jetzt Botschafter ihrer Heimat

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