ESA-Generaldirektor 
Jan Wörner sieht in der Entsorgung von Weltraumschrott viel Potenzial.	ARCHIVFOTO: DPA
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ESA-Generaldirektor Jan Wörner sieht in der Entsorgung von Weltraumschrott viel Potenzial. ARCHIVFOTO: DPA

Mission gegen Müll im All

Darmstadt - Sie fliegen Geschossen gleich um die Erde herum. Tausende und Abertausende Trümmerteile, abgeschaltete Satelliten und Teile von Raketenstufen werden zu einer Gefahr für neue Missionen im All. Die Europäische Raumfahrtagentur ESA hat nun zusammen mit einem Industrie-Team unter Leitung der Schweizer Firma Clear-Space SA einen Vertrag geschlossen, um erstmals Weltraumschrott zurückzuholen und in der Atmosphäre verglühen zu lassen.

Kollissionsgefahr ist groß

Das Projekt hat ein Budget von 100 Millionen Euro, von denen die ESA 86 Millionen Euro beisteuert. Es soll zeigen, wie dieser Müll entsorgt werden kann, und es soll als Dienstleistung kommerzialisiert Schule machen, um ein weiteres Anwachsen des High-tech-Abfalls zu verhindern. »Wir bauen einen Service, dass war die Idee«, sagte ESA-Generaldirektor Jan Wörner am Dienstag bei der Vorstellung der Mission. »Das ist ein großer Markt.«

2025 soll erstmals ein Raumfahrzeug mit vier Greifarmen ein mehr als 100 Kilogramm schweres Schrottteil in einem Orbit zwischen 664 und 800 Kilometer Höhe umfassen und zum Verglühen in die Erdatmosphäre ziehen.

In der Erdumlaufbahn wird es immer voller. Man lebe in einer Zeit, in der nun auch Geschäftsleute den Blick ins All richten, sagte der ESA-Direktor für den Missionsbetrieb in Darmstadt, Rolf Densing, mit Blick auf die Aktivitäten des Tesla-Chefs Elon Musk. In dessen »Starlink«-Projekt sollen Tausende Satelliten in den Weltraum geschickt werden.

»Typische Beispiele für Weltraummüll sind ausgediente Raketenoberstufen und abgeschaltete Satelliten, aber auch das verloren gegangene Werkzeug eines Astronauten gehört dazu«, erklärt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Der größte Teil seien aber Trümmer durch Explosionen und Kollisionen.

Die Dimension: Nach mehr als 5500 Starts in rund 60 Jahren Raumfahrt sausen um die Erde Teile in der Größe von Staubkörnern bis hin zu tonnenschweren Objekten. »Es gibt rund 23 000 Objekte, von denen man weiß, wo sie sind«, sagte der Leiter des Programms Weltraumsicherheit der ESA im Kontrollzentrum im Darmstadt, Holger Krag. Das seien die Objekte mit einer Größe von zehn Zentimetern und mehr. »Es gibt aber noch viel, viel mehr Kleine. Wir rechnen so mit fast einer Million ab einer Größe von einem Zentimeter.« Alles in allem laut Krag Schrott mit einem Gewicht von rund 8500 Tonnen - Tendenz steigend.

»Wir achten da jede Minute darauf, ob es eine Kollisionsgefahr gibt«, sagte Krag. Bei einem Zusammenstoß eines Satelliten mit einem zehn Zentimeter großen Teil könne es schon eine Trümmerwolke geben. Wenn größere Trümmerteile unkontrolliert in die Erdatmosphäre eintreten und abstürzen, bleibe auch eine Restgefahr für die Menschen.

In Zukunft tanken und reparieren

Nach einem ersten Schritt, der Rückholung von Weltraumschrott, sind für Krag auch andere Dienstleistungen in Zukunft denkbar. »Man könnte auch mit einem Orbiter-Service reparieren oder auftanken.« Bei einer solchen Dienstleistung stelle sich dann auch nicht mehr die Frage nach der Kundschaft. »Wenn man Millionen teure Technik im All hat und man sie aufgeben muss, nur weil der Sprit leer ist, da ergibt sich automatisch, dass es da einen Markt gibt.« dpa

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