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Blühstreifen sind nur eine von vielen Möglichkeiten, um etwas gegen das Insektensterben zu tun.

1,8 Millionen für Blühstreifen

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Insekten sind für das Gleichgewicht der Ökosysteme sehr wichtig. Doch ihre Bestände gehen dramatisch zurück und nicht nur die Naturschutzverbände sind alarmiert. An Initiativen mangelt es nicht, auch das Land Hessen steuert gegen. Wie, das beantwortet das hessische Umweltministerium, das sich auch Kritik stellen muss, aber auch eine Forderung an den Bund stellt:

?Wie ist der Status quo bei der Artenvielfalt in Hessen?

Die Lage der biologischen Vielfalt hat sich nach den Worten des hessischen Umweltmi nisteriums in den letzten Jahrzehnten deutlich verschlechtert. Dieser allgemeine Befund sei nicht nur in Hessen feststellbar, sondern gelte für alle Länder gleichermaßen. Der Nachhaltigkeitsindex "Artenvielfalt und Landschaftsqualität" zeige Folgendes: Geht man vom Zielwert 100 Prozent für die biologische Vielfalt aus, beträgt der Indikator für die Biodiversität in der Gesamtlandschaft in Hessen 2016 knapp 73 Prozent. Ein massiver Artenschwund ist dabei besonders im Agrarland zu beobachten. Hier stürzte der Wert für die biologische Vielfalt von rund 100 Prozent noch in den 90er Jahren auf fast die Hälfte - nur noch 51 Prozent ab. Auch in den Siedlungen verringerte sich der Indikator für die biologische Vielfalt auf knapp 82 Prozent. Besser sieht die Situation im Wald aus. Hier hat sich der Indikator für die biologische Vielfalt von 58 Prozent in den 90ern auf gut 91 Prozent im Jahr 2016 verbessert.

?Wie sieht es bei den Insekten in Hessen aus?

Sie sind laut Ministerium besonders stark vom Artenschwund betroffen. Mit dem Verlust von artenreichem Grünland gehe gleichzeitig der Verlust an Insekten wie Schmetterlingen, Wildbienen oder Heuschrecken einher, aber auch zahlreiche Pflanzenarten sind betroffen. Die Zahl der wild lebenden Insekten ist rückläufig. Mehr als die Hälfte der 550 Wildbienenarten in Deutschland ist gefährdet. 42 Prozent der Insektenarten gelten als extrem selten oder ausgestorben.

?Welche Maßnahmen ergreift die Landesregierung, um dem entgegenzuwirken?

Die hessische Landesregierung setze auf verschiedenen Ebenen an, um die Situation für Insekten in der Landwirtschaft zu verbessern. Zum einen fördere man in Hessen den Ökolandbau besonders stark - hier sei der Insektenschutz im System der umweltschonenden Bewirtschaftung verankert. "Wir haben in Hessen das Ziel, bis 2025 die Ökolandbauflächen durch gezielte Förderung auf 25 Prozent zu erhöhen. Bereits jetzt belege Hessen mit rund 14,5 Prozent Ökoanteil an der landwirtschaftlichen Fläche bundesweit einen Spitzenplatz.

Auch in der konventionellen Landwirtschaft fördere man mit dem Agrarumweltmaßnahmenprogramm den Insektenschutz. Im Rahmen des Programms werden Blüh- und Ackerrandstreifen, ein bienengerechter Zwischenfruchtanbau, der Anbau vielfältiger Ackerkulturen und Streuobstwiesen gefördert. In diesem Jahr wurden laut Ministerium für Blühstreifen bereits Fördermittel in Höhe von 1,8 Millionen Euro ausgegeben.

?Welche Pläne gibt es darüber hinaus für den Insektenschutz?

Pflanzenschutzmittel seien eine große Gefahr für Insekten. Mit der Glyphosat-Ausstiegsstrategie wolle man in Hessen schnellstmöglich den Einsatz von glyphosathaltigen Herbiziden in der gesamten hessischen Landwirtschaft sowie in hessischen Wäldern, Gärten und auf Freiflächen beenden. Zudem wolle man einen Pestizidreduktionsplan erarbeiten, um den Pestizideinsatz insgesamt zu verringern.

?Gibt es weitere besonders geschützte Flächen für Insekten?

Ein weiterer wichtiger Baustein sei die Kampagne "Bienenfreundliches Hessen". Hier legten Landwirte zusätzliche Blühstreifen an. Die Kampagne ziele aber nicht nur auf Verbesserungen in der Landwirtschaft. Man versuche, auch Kommunen und Bürgerinnen und Bürger zu motivieren, öffentliche Flächen oder Garten- und Balkone insektenfreundlich zu gestalten. Auch Kommunen legten meist gemeinsam mit Imkervereinen Blühflächen im öffentlichen Raum an. Für solche und weitere bienenfreundliche Projekte habe das Umweltministerium seit Start der Kampagne "Bienenfreundliches Hessen" rund 169 000 Euro aus Lottomitteln ausgezahlt.

?Welche Empfehlungen gibt das Land den Bürgern, damit Insekten zum Beispiel auch in den heimischen Gärten beheimatet bleiben?

Jeder Vorgarten, jeder Balkonkasten und jede Freifläche könne durch geschickte Pflanzenwahl zum Bienenbuffet werden, schreibt das Ministerium. Wichtig sei ein kontinuierliches Blühangebot über die ganze Saison. Viele Menschen wüssten nicht, welche Pflanzen Nektar und Pollen zur Verfügung stellen. Das Umweltministerium hat dazu einen Blühkalender entwickelt, der Tipps gibt. https://umwelt.hessen.de/presse/infomaterial/12/bienenfreundliches-hessen-der-bluehkalender.

?Beim Naturschutzforum kürzlich gab es Kritik an der Landesregierung. Es wurde moniert, dass Förderinstrumente für Landwirte zu komliziert seien. Was sagt das Ministerium?

Landwirte hätten verschiedene Möglichkeiten, tätig zu werden, teilt das Ministerium mit: Mit einem Antrag beim Agrarumweltmaßnahmenprogramm HALM oder auch durch das Anlegen von Blühstreifen im Rahmen der Bienenkampagne - finanziert aus Lottomitteln. Dafür sei nur ein formloses Schreiben nötig. Auch gezielte Biodiversitätsberatung biete man über den Landesbetrieb Landwirtschaft an. Dabei werde spezifisch auf die Anforderungen und Bedürfnisse der Betriebe eingegangen und bei der Antragsstellung unterstützt. Für weitere Fördermöglichkeiten warte man auf das Aktionsprogramm Insektenschutz, das die Bundesregierung angekündigt habe "und nun endlich vorlegen muss". (gäd/Foto: dpa)

Quelle: Gießener Allgemeine

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