Meilenstein für Megaprojekt

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Im Süden des Frankfurter Flughafens wächst ein neues Passagier-Terminal. Es ist alleine größer als fast jeder andere Flughafen in Deutschland. Bei der Grundsteinlegung fehlte aber mancher.

Vögel sind am Frankfurter Flughafen schon aus Sicherheitsgründen nicht erwünscht, auch nicht bei der Grundsteinlegung für das dritte Passagier-Terminal. Mit 700 geladenen Gästen aus Politik und Wirtschaft hat der Betreiber Fraport an diesem Montag symbolisch den Rohbaustart seines Vier-Milliarden-Euro-Projekts gefeiert. Bei den Ausbaugegnern stößt das Terminal aber weiterhin auf Widerstand, weil sie noch mehr Lärm und andere Umweltbelastungen für die Rhein-Main-Region befürchten.

Beim Festakt sorgen zwei Schwalben für einen Lacher, als sie im Festzelt ihre Flugkünste zeigen. "Sind das die ersten Billigflieger?", scherzt Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU). Doch er spielt damit auch auf ein wichtiges Streitthema rund um den Flughafen an. Fraport habe seine zuletzt kräftig gestiegenen Passagierzahlen vor allem mit unnötigen Anreizen für Billigflieger erreicht, sagen die Kritiker.

Tatsächlich sind die beiden bestehenden Terminals im Norden des Geländes im vergangenen Jahr mit fast 70 Millionen Passagieren deutlich an ihre Grenzen geraten: Passagiere verpassten ihre Flüge, weil sie an überfüllten Kontrollstellen warten mussten, in den Gebäuden und auf dem Vorfeld herrschte an immer mehr Tagen drangvolle Enge. Das alles habe mit "Premium" nichts mehr zu tun, schimpfte Hauptkunde Lufthansa wiederholt und öffentlich über die Dienstleistungsqualität an ihrem wichtigsten Drehkreuz. "Terminal 3 wird auch den Norden entlasten", verspricht Fraport-Aufsichtsratschef Karlheinz Weimar während der Feierstunde. Schließlich entsteht – wenn alles planmäßig läuft – bis 2023 eine zusätzliche Kapazität von 21 Millionen Passagieren, im Endausbau sollen es sogar 25 Millionen zusätzliche Fluggäste pro Jahr werden – mehr als aktuell an respektablen Flughäfen wie Düsseldorf oder Berlin-Tegel starten und landen.

Mehrheitlich werden es wohl keine Kunden der Lufthansa-Gruppe sein, die im angestammten Terminal 1 bleiben will. Fraport nennt keine Namen, es scheint aber klar, dass die ersten Kunden am neuen Flugsteig G wohl eher Billigflieger sein könnten. Beim Festakt lässt sich am Montag denn auch kein Vorstandsmitglied des Kranichkonzerns blicken. Der Chef der Lufthansa-Beteiligung SunExpress, Jens Bischof, muss bei der Begrüßung durch Fraport-Chef Stefan Schulte als Beleg herhalten, dass der Ausbau von allen Airlines unterstützt werde.

In der Landespolitik zeigte sich CDU-Fraktionschef Michael Boddenberg begeistert: Zustimmung kam auch von der FDP sowie von den hessischen Unternehmerverbänden. "Neue Flughafeninfrastruktur ist gleichzeitig auch ein Beitrag für verbesserte Abfertigungsprozesse, pünktliche Flüge und größeren Passagierkomfort", erklärt der Flughafenverband ADV. Janine Wissler von der Linken findet hingegen: "Der Flughafen frisst sich immer weiter in die Region, dabei sind die Grenzen der Belastbarkeit längst überschritten." Auf dem Gelände der früheren US-Airbase im Süden des Flughafens laufen seit 2016 vorbereitende Arbeiten.

Als Stellvertreter des erkrankten Ministerpräsidenten Bouffier erinnert Minister Schäfer daran, dass der Ausbau in einem langen demokratischen Prozess erreicht worden sei – trotz der traumatischen Erlebnisse rund um die zuvor hart umkämpfte Startbahn West. Das Ergebnis werde von allen Seiten akzeptiert, dem Land komme die Aufgabe des Interessenausgleichs zu. An der Mahnwache der Bürgerinitiativen im Terminal 1 hört sich das ganz anders an. Der Grundstein des Terminals sei ein Grabstein für die Region, schimpft Sprecher Thomas Scheffler gestern. Die Demonstranten verlangen einen Ausbaustopp, ein um zwei Stunden verlängertes Nachtflugverbot sowie die Verringerung der Flugbewegungen auf rund 380 000 im Jahr. Das voll ausgebaute Flughafensystem kann laut Plan über 700 000 Starts und Landungen im Jahr bewältigen.

Quelle: Gießener Allgemeine

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