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Luftfracht brummt am Rhein-Main-Flughafen rund um die Uhr

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Frankfurt (dpa). Die Zeit drängt. Noch am Nachmittag haben Landwirte aus England Ersatzteile bestellt, die Ware muss gegen Mitternacht in Birmingham eintreffen. Nur eine gute halbe Stunde bleibt den Männern in den gelben Westen, um die Propellermaschine am Rhein-Main-Flughafen mit Paletten zu beladen. »Unsere Infrastruktur muss 24 Stunden am Tag zur Verfügung stehen«, sagt Thorsten Hölser vom Speditions- und Logistikverband für Hessen und Rheinland-Pfalz.

Am vierten »Tag der Logistik« zeigte die Branche, vor welchen Herausforderungen sie steht. Von einem Nachtflugverbot am größten deutschen Airport halten die Transporteure nichts.

Wie viele Arbeitsplätze davon betroffen wären, will Hölser nicht schätzen. Allein in Hessen arbeiten 150 000 Menschen in Transport- und Lagerei-Betrieben, knapp die Hälfte davon kümmert sich direkt oder indirekt um die Luftgüter am Flughafen. 2,1 Millionen Tonnen Fracht haben sie dort vergangenes Jahr umgeschlagen. Dürften tatsächlich nur noch 17 Flüge pro Nacht starten und landen, wie der Planfeststellungsbeschluss vorsieht, hätte das nach Hölsers Einschätzung erhebliche Auswirkungen auf die Branche. Verlader und Spediteure müssten Stellen streichen oder ganz vom Flughafen abwandern. »Fracht sucht sich ihren Weg«, sagt er, während vom Rollfeld im Minutentakt die Maschinen starten.

Keinen Kampf gegen die Zeit, sondern gegen Temperaturschwankungen führen die Versender von Medikamenten. Das überlebenswichtige Hormon Insulin etwa muss eine Temperatur zwischen zwei und acht Grad Celsius halten, um nicht seine Wirkung zu verlieren. Pharmaunternehmen verschicken das Präparat in vollisolierten Kühlcontainern, deren Sensoren ständig die Innen- und Außentemperatur messen. Ein digitales Thermometer erfasst jede Abweichung genau und speichert die Werte in einem Computer. So kann der Empfänger prüfen, ob die Kühlkette eingehalten wurde. Nicht nur Patienten, sondern auch Pharmafirmen achten streng auf die Temperaturwerte - jeder der Container hat einen Warenwert von bis zu vier Millionen Euro.

Präzise Temperaturwerte sind einzuhalten

Welche Herausforderung der Versand einer Europalette Insulin in andere Teile der Welt unter diesen Bedingungen darstellen kann, erläutert Henning Dieter, der die Frankfurter Luftfracht des Logistikunternehmens DHL leitet: »Beim Abflug in Berlin kann die Temperatur unter Null liegen, in Dubai bei 20 Grad und in Australien noch höher. Diese Sprünge muss ein Container ausgleichen.

« Weil Versender immer präzisere Temperaturwerte für ihre Ware fordern, verdrängen batteriebetriebene Heiz- und Kühlsysteme das übliche Trockeneis. Bis zu 72 Stunden kann ein moderner Container die vorgegebene Temperatur halten. An den Logistik-Lösungen von morgen tüftelt die Forschung heute. Den an die Rohrpost erinnernden »urbanen Maulwurf« entwickelte etwa ein Student der Folkwang Hochschule Essen: In unterirdischen Röhren flitzen schuhkartongroße Pakete der Versandunternehmen von einer Paket-Station zur nächsten.

Ein Kunststudent aus Kiel entwarf einen Aufkleber, der die Erschütterung, zurückgelegte Strecke, Temperatur und Feuchtigkeit einer Sendung erfasst. Mit frischen Ideen soll der akademische Nachwuchs die Logistik-Branche weiter verbessern.

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