+
Wie ein langer, gebogener Schlauch zieht sich das mögliche Golfplatzgelände an der Landesstraße von Ennerich in Richtung Runkel und am Feldweg Richtung Sportplatz (ganz links) entlang. Dort, wo derzeit Raps, Mais und Weizen angebaut werden, sollen künftig Hecken, Büsche und Streuobstbäume wachsen. Foto: Golfclub Eschhofen

Golfplatz in Ennerich geplant

Golfclub-Chef wehrt sich gegen Vorwürfe und hat eine gute Idee parat

In Ennerich Nähe Limburg kämpft der Golfclub Eschhofen um die Errichtung eines Golfplatzes. Für die Gegner hat der Club-Chef eine Idee parat: Golf meets Umwelt.

Ennerich - Der Vorsitzende des Golfclubs Eschhofen Alfred Werner hat der Interessengemeinschaft (IG) gegen einen Golfplatz in Ennerich vorgeworfen, mit falschen Informationen gegen das Projekt seines Vereins zu kämpfen. So sei die Aussage der IG, dass bis zu 50 Kubikmeter Wasser täglich für die Bewässerung der oberhalb des Ennericher Sportplatzes geplanten Anlage benötigt würden, schlicht nicht wahr, sagte Werner im Gespräch mit "Nassauische Neue Presse". 

"Wir planen unseren Golfplatz ausschließlich mit natürlichen Wasserressourcen", so der Vorsitzende. Und das bedeute: Außer dem Wasser, das in Form von Niederschlägen auf den Golfplatz fällt, sei keine weitere Bewässerung vorgesehen.

Ennerich: Golfen mit Butterblumen im Rasen

Möglich sei dies, weil der Golfclub spezielle Trockengräser anpflanzen wolle, die selbst heiße Sommer wie in diesem und im vergangenen Jahr überstehen können. "Dann ist der Golfplatz nicht grün, sondern braun", tritt Werner der verbreiteten Vorstellung eines immergrünen Golfrasens entgegen. "Dazwischen wachsen auch mal Butterblumen oder Löwenzahn." Solche natürlichen Golfplätze existierten bereits, beispielsweise oberhalb von Boppard am Rhein. Ziel sei es, einen Golfplatz inmitten einer natürlichen Umgebung zu schaffen, sagt Werner. "Wir streben eine Zertifizierung nach Golf und Natur des Deutschen Golfverbands an."

Lediglich etwas mehr als die Hälfte des Areals zwischen Waldfriedhof und Landesstraße sollen dem Golfspiel dienen. Die restliche Flächen sollen parkähnlich gestaltet werden, mit Teichanlagen, wechselfeuchten Senken, Wiesen für Molche, Bienen und Frösche, Hecken und Streuobstwiesen. Sogar eigenen Honig wollten die Golfer auf ihrer Anlage produzieren, sagt Werner. Kurzum: Das derzeit landwirtschaftlich intensiv genutzte Gelände würde ökologisch deutlich aufgewertet, sind Werner und seine Club-Kollegen überzeugt. Kunstdünger und Spritzmittel würden der Vergangenheit angehören.

Limburg-Weilburg: Golf mit Sand statt Granulat

Ganz ohne den Eingriff von Menschenhand werde es allerdings auch in Ennerich nicht gehen, räumt der Golfclub-Vorsitzende ein. Denn die eigentlichen Spielflächen, die sogenannten "Grüns", sollen aus einer künstlichen Oberfläche bestehen, bei der - anders als beim herkömmlichen Kunstrasen - kein Granulat, sondern Sand als Füllmaterial verwendet wird. Von den insgesamt 18 Hektar (180 000 Quadratmeter), die der Golfclub Eschhofen für seine Anlage benötigt, sollen lediglich 1350 Quadratmeter aus diesen "Kunstgrüns" bestehen - pro Loch 150 Quadratmeter, also neun mal 150 gleich 1350 Quadratmeter.

Golfclub-Vorsitzender Alfred Werner mit den Plänen für einen Golfplatz in Ennerich. Ein Teil der benötigten Flächen wurde dem Verein bereits zugesagt. Foto: Rolf Goeckel

Dieses "alternative Grün" hat laut Werner den Vorteil, dass es mit geringem Personaleinsatz gepflegt werden kann. Der Golfclub Eschhofen wolle mit lediglich einem "Greenkeeper" plus Aushilfskräften auskommen. Ziel sei es, den Golfsport so kostengünstig wie möglich anzubieten, erläutert Werner. Vorausgesetzt, dass eine ausreichend große Zahl von Golfern zusammenkommt, soll der Jahresmitgliedsbeitrag bei 400 bis 450 Euro liegen. "Das ist weniger als ein gutes Fitnessstudio", sagt Werner.

Golfclub-Chef in Ennerich wehrt sich gegen Vorwürfe

Falsch ist laut Werner auch die Aussage der Interessengemeinschaft, dass wegen des Golfplatzes Wanderwege verloren gingen und herumfliegende Golfbälle ein Sicherheitsrisiko für Spaziergänger seien. "Sämtliche vorhandenen Wege bleiben erhalten", stellt Werner klar. Mehr noch: "Wir werden zusätzliche Wege schaffen." Dichte Schutzhecken würden zudem verhindern, dass Golfbälle umherfliegen, ist Werner überzeugt. Hohe Zäune, wie einige Ennericher mutmaßten, seien nicht notwendig. Das gesamte Gelände sei offen und von außen gut einsehbar. In Absprache mit dem Jagdpächter denke der Golfclub lediglich über den Bau von Wildschutzzäunen nach. "Wer behauptet, dass man da oben wegen des Golfplatzes nicht mehr spazieren gehen kann, der lügt", wird Alfred Werner deutlich.

So durchschneide beispielsweise der Radweg R 8 den Golfplatz in Idstein, und in Dillenburg führten mehrere Wanderwege über das dortige Golfplatzgelände. "Ich wüsste nicht, dass in Idstein oder Dillenburg jemals etwas passiert ist", sagt Werner. Die Furcht vor einem steigenden Verkehrsaufkommen und fehlenden Parkplätzen hält Werner ebenfalls für unbegründet. Geplant seien Parkflächen direkt an der Landesstraße. Da selbst bei Turnieren selten mehr als 36 Personen gleichzeitig den Golfschläger schwingen, würden nicht mehr als 50 Parkplätze benötigt.

Limburg-Weilburg: Golfclub bekommt Fläche zugesagt

Nach jetzigem Stand haben örtliche Landwirte dem Golfclub eine ausreichend große Fläche zugesagt, um mit der Planung des Golfplatzes zu beginnen. Am Montag hat Alfred Werner das Projekt im Runkeler Magistrat vorgestellt, im Dezember soll es der Stadtverordnetenversammlung präsentiert werden. Sollte das Parlament im kommenden Jahr grünes Licht geben, würde sich der Golfclub um die Finanzierung kümmern.

Und das würde in erster Linie intensive Mitgliederwerbung bedeuten. Denn derzeit hat der Golfclub lediglich 68 Mitglieder. "Unser Ziel ist es, mindestens 200 Mitglieder zu gewinnen", sagt Werner. Nur dann wäre die Voraussetzung gegeben, ein Projekt mit einem Kostenvolumen von rund 850 000 Euro stemmen zu können. Als Finanzierungsquellen sollen aber nicht nur die Mitgliedsbeiträge dienen, sondern auch Spenden- und Sponsorengelder, Crowdfunding und natürlich Fördermittel des Landes Hessen, möglicherweise auch des Landkreises. "Erst wenn die Finanzierung steht, werden wir einen konkreten Bauantrag stellen", sagt Werner. Denn bereits die Planung würde nicht unbeträchtliche Mittel verschlingen: Der Flächennutzungsplan müsste geändert, ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Genehmigungsbehörde ist das Regierungspräsidium Gießen.

Golfplatz soll Attraktivität von Ennerich steigern

Die Frage, was die Stadt Runkel und der Ortsteil Ennerich von einem Golfplatz haben, beantwortet Werner so: Der Golfsport würde die Attraktivität der Stadt ganz allgemein steigern, Arbeitsplätze würden geschaffen, zusätzliche Steuereinnahmen fließen. Für den Sportunterricht der heimischen Schulen würde ein zusätzliches Angebot geschaffen. Auch sei das Gelände in Ennerich für körperbehinderte Golfsportler gut geeignet.

Mit dem Sportclub Ennerich strebt der Golfclub eine Kooperation an. "Wir würden gerne das Clubhaus des SCE modernisieren und aufwerten, um es gemeinsam zu nutzen", sagt Werner. Lediglich zwei Dusch-Container wolle der Verein zusätzlich aufstellen. Vorteil: Sollte sich der Golfclub einmal auflösen, könnten diese problemlos entsorgt werden.

Kommunalpolitik hält sich zu Golfplatz in Ennerich bedeckt

Aus der Kommunalpolitik gibt es bislang keine klaren Positionierungen zum Thema Golfplatz. Der Ortsvorsteher von Ennerich Claus Kandels (Bürgerliste) bestätigte, dass der Golfclub das Projekt im Juni dem Ortsbeirat vorgestellt habe. Auch die Golfplatzgegner hätten das Gespräch mit ihm gesucht. Der Ortsbeirat werde sein Votum auch von der Stimmung in der Bevölkerung abhängig machen, sagte Kandels.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Armin Naß, selbst Landwirt im Nebenerwerb, hat lediglich eine private Meinung zum Projekt Golfplatz. Und die sei negativ. Er halte den Standort in der Nähe des Waldfriedhofes und eines Naturschutzgebiets für ungeeignet. Auch halte er es für ein Märchen, dass ein Golfplatz ohne den massiven Einsatz von Kunstdünger existieren kann. Der Fraktionsvorsitzende der Bürgerliste Erhard Becker erklärte, dass ihm bisher keinerlei Informationen des Golfclubs vorliegen. "Wir wollen erst einmal die Argumente hören."

Laut Angaben des Golfclub-Vorsitzenden Alfred Werner haben auch Bürgermeister Michel Kremer (parteilos) und die Mitglieder des Magistrats bisher keinerlei Stellungnahme abgegeben. goe

In Limburg wurde eine Steueraffäre bei einem Gastronomie-Großhandel aufgedeckt

Zudem hat ein Mann einen 9-Jährigen auf einem Spielplatz in Limburg angegriffen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare