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Lebenslänglich für Eltern der toten Siri gefordert

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Limburg/Wetzlar (dfl). Die vor dem Limburger Schwurgericht wegen Mordes an ihrer acht Monate alten Tochter Siri angeklagten Eltern Christopher G. (24) und Mary F. (36) aus Wetzlar sollen zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt werden.

Limburg/Wetzlar (dfl). Die vor dem Limburger Schwurgericht wegen Mordes an ihrer acht Monate alten Tochter Siri angeklagten Eltern Christopher G. (24) und Mary F. (36) aus Wetzlar sollen zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt werden. Zudem soll das Gericht die besondere Schwere der Schuld fesstellen. Das hat am Montag Staatsanwalt Frank Speth beantragt. Der Vertreter der Anklage geht von einem gemeinsamen Tötungsvorsatz aus. Die Eltern hätten die schlimmen Verletzungen verdecken wollen, mit denen sie ihr Kind ein halbes Jahr lang gequält haben.

Siri war am 2. Mai 2008 im Alter von acht Monaten in einer Wetzlarer Wohnung verstorben. Der Staatsanwalt listete eine Vielzahl festgestellter Knochenbrüche, noch mehr Hämatome und zwei Schädelfrakturen unterschiedlichen Alters an dem kleinen Körper auf.

Wiederholt hielt er den Eltern Farbfotos im DIN-A-4-Format von dem blutenden und toten Kind vor Augen. Beide Angeklagten vergruben ihr Gesicht in die Hände, die Mutter brach wiederholt in Tränen aus. »Siri wurde mit der Faust ins Gesicht und gegen einen Gegenstand geschlagen. Ein Menschenleben ist dem Internet-Chat zum Opfer gefallen«, sagte Speth unter Hinweis auf ihre deutsch-kanadische Beziehung.

Ein Kind über Monate eines solchen Martyriums zu unterziehen sei unter den Kindstötungen der »Worst Case« - der schlimmste aller Fälle. »Sich morgens um 4 Uhr gemeinsam ans Bett des Kindes zu schleichen, um es wortlos aus dem Schlaf zu reißen, um vom Vater mindestens zehn Mal in die Luft geworfen und von der Mutter dabei gefilmt zu werden, das kann man mit Folter beschreiben«, sagte der Staatsanwalt. »In anderen Aufnahmen versucht das Baby zu lächeln, seine einzige Chance, sich gegen die Folter einzusetzen. Stattdessen wird ihm ein Spielzeug ins Gesicht geschmissen. Siri wurde körperlich und seelisch in einer Weise gequält, wie es Seinesgleichen sucht. Allein der sexuelle Missbrauch ist ihr erspart geblieben«, so der Staatsanwalt.

Jeder der Angeklagten habe den anderen der Tat bezichtigt, beide hätten in dem Prozess permanent gelogen. »Die Tat war gemeinsam gewollt«, beschuldigte Speth die Eltern. Auf der Suche nach Gründen sprach er von einer »völlig ausgeblendeten Mutter- bzw. Vater-Kind-Beziehung« und von einem Motivbündel aus Alkoholproblemen bei ihr, abreagiertem Frust, die unbefriedigende Lebenssituation und ihre unterschiedlichen Charaktere und Erwartungen.

»Er, der narzistische IT-Experte mit ebay-Betrügereien, der sich maßlos selbst überschätzt; sie, die nur sich selbst liebt, hysterisch ist und Probleme hat ihre Leben in den Griff zu bekommen, das von Drogen, Alkohol und wechselnden Sexualpartnern geprägt ist, so dass ihr in Kanada das Sorgerecht für ihre beiden dortigen Kinder entzogen wurde«, sagte Speth.

Auch sadistische Tendenzen mit der »Lust am weinenden Baby« seien festzustellen. Den finalen Tod hätten die Eltern aus Furcht vor Entdeckung ihrer Grausamkeiten gewollt und für den Tod Siris Krankheitsursachen vorgetäuscht.

Ramazan Schmidt, Verteidiger des Angeklagten, räumte ein, dass zwar die Taten als solche durch die Gutachten belegt seien, aber nicht geklärt werden konnte, wer von beiden Angeklagten dafür verantwortlich sei. Er beantragte, seinen Mandanten freizusprechen.

Verteidigerin Christiane Bender sprach von zwei Fällen, in denen gemeinsames Missbrauchshandeln im Video sichtbar sei. Sie erkannte auf Körperverletzung mit Todesfolge und sprach sich für eine zeitige Freiheitsstrafe aus, deren Höhe sie in das Ermessen des Gerichts stellte.

Die Urteilsverkündung am Landgericht in Limburg ist für den kommenden Donnerstag um 12 Uhr vorgesehen.

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