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Lauterbach liebäugelt wegen Geldnot mit der Pferdesteuer

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Lauterbach (dpa/süd). Finanznot macht erfinderisch: In Lauterbach im Vogelsbergkreis ist Streit um die Einführung einer Pferdesteuer entbrannt. Die hochverschuldete Kreisstadt erwägt, Pferdehalter mit etwa 200 Euro jährlich zur Kasse zu bitten. Dagegen protestierten am Rande einer Sitzung des Stadtparlaments 250 Menschen vor dem Rathaus. Die Entscheidung wurde vertagt.

Laut der Deutschen Reiterlichen Vereinigung wäre Lauterbach die erste Kommune in Deutschland, die eine Pferdesteuer einführt. Viele Städte und Gemeinde haben den Schritt schon diskutiert, ihn aber verworfen. Im vergangenen Dezember hatten Bürgermeister und Gemeindevorstand in Biebertal versucht, eine Pferdesteuer einzuführen. Nach Protesten aus der Bürgerschaft, Reitervereinen und dem Gemeindeparlament wurde der Vorschlag zurückgezogen.

Sparen für den Rettungsschirm

Lauterbachs Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller (CDU) sagte am Freitag, noch sei nichts entschieden. Die Steuer würde der Stadt jährlich rund 30 000 Euro bringen. Das Haushaltsdefizit der Kommune liegt bei 4,6 Millionen Euro. Der Schuldenberg ist 30 Millionen Euro hoch. »Als Haushaltsvorstand muss man sich Gedanken machen. Die Pferdesteuer ist eine Möglichkeit«, sagte Vollmöller. Ein Beschluss könne im Oktober fallen. Die Stadt muss dringend sparen, um unter den hessischen Rettungsschirm für notleidende Kommunen zu dürfen.

Beim Pferdesportverband Hessen treffen die Pläne auf Proteste: Das Reiten wäre der einzige Sport, der besteuert würde, kritisierte Geschäftsführer Robert Kuypers. Treffen würde die Steuer vor allem die Nachwuchsreiter. Zwei Drittel der Aktiven sei unter 21 Jahren. Es sei ein Irrglaube, dass viele Reiter wohlhabend seien. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung bezeichnete die Pläne einer Steuer als Katastrophe: »Wenn sie einmal in Deutschland eingeführt wird, gibt es einen Domino-Effekt – dann machen es alle.« Die 200 Euro pro Jahr wären womöglich nur der Einstieg. Wenn sich Pferdehalter die Tiere nicht mehr leisten könnten, drohe die Gefahr von Notverkäufen oder -schlachtungen. (Foto: dpa)

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