Land verpachten oder Windrad kaufen?

Wölfersheim (en). Zunächst einmal draußen, aber doch nicht ganz: Wie sich nach der Ausschusssitzung in Rockenberg angedeutet hatte, sollen in den Södeler Wald keine Windräder. Das Gemeindeparlament ist damit dem Rat der Ovag gefolgt, die den Standort für nicht genügend »windhöffig« erachtet hat.

Allerdings ist die Tür nicht komplett zu. Generell besser sieht es im Wohnbacher Feld aus: Nachdem die Firma WPD beabsichtigt, auf privatem Grund drei »Spargel« zu bauen, wird voraussichtlich ein vierter hinzu kommen: Die Gemeinde stellt ihr benachbartes Grundstück dafür zur Verfügung. Noch vor der Sommerpause will das Parlament den endgültigen Beschluss fassen, davor stehen Verhandlungen mit WPD und ein Informationsabend für die Bürger.

Bei Södel will die Ovag nicht investieren, sie setzt ihre interne Wind-Untergrenze bei 6 Meter pro Sekunde an, gemessen hat die Hessen-Energie für ein Gutachten 5,7 m/s. Nicht so konservativ plant die Mittelhessische Energiegenossenschaft (MiEG): Sie würde bis 5,75 m/s den Bau riskieren. Zu Lasten der Wirtschaftlichkeit gehen aber auch die avifaunistischen Bedingungen: »Nicht optimal«, sagt das Butzbacher Büro Gall in einer Expertise aus dem Jahr 2009. Der damals entdeckte Rotmilan-Horst ist inzwischen nicht mehr bewohnt, doch Fledermäuse und andere Falkenarten könnten durch die Anlagen gestört werden. Das würde eine Genehmigung nicht verhindern, erklärte Bürgermeister Rouven Kötter in der jüngsten Gemeindeparlamentssitzung, aber eventuell auftretende Schwierigkeiten müssten gelöst werden.

Alles zusammen, vor allem aber der fehlende Wind, hatte die Ovag bewogen, vom Södeler Wald die Finger zu lassen. Sie sei aber bereit, einen risikofreudigeren Investor zu vermitteln. Was wiederum die Gemeinde nicht wollte: »Nicht empfehlenswert«, mahnt Kötter. Man wolle nur zusammen mit »verlässlichen, langfristig orientierten« Partnern Windräder bauen. Landschaftsplanerisch bleibt Södel aber einer der beiden Favoriten der Gemeinde: Der Standort soll im regionalen Flächennutzungsplan als Windvorrangfläche ausgewiesen werden – in der Hoffnung, dass eine verbesserte Technik bei der Windkraftnutzung eines Tages den Bau doch rentabel machen könnte.

Ein Weg mit Risiken

In Wohnbach wirbt die Kasseler Firma WPD schon seit dem vergangenen Jahr bei den betreffenden Grundstücksbesitzern. Im November stellten Firmenvertreter die Pläne im Bauausschuss vor, kürzlich gab WPD bekannt, dass sie für die drei Standorte ein Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutz-Gesetz angehen wolle (wir berichteten) – egal ob die Gemeinde ein viertes beschließe oder nicht. Das Ja dazu war in der Parlamentssitzung einstimmig, nur von den Grünen kam eine Enthaltung.

Zwei Wege kann die Gemeinde nun gehen. Zum einen – und das ist die favorisierte Lösung – kann sie die Fläche an WPD verpachten, ohne sich finanziell zu engagieren. Rathauschef Kötter fasst die Vorteile zusammen: »Kein Risiko, keine eigenen Finanzmittel notwendig, sichere Einnahmen.« Aber auch die Nachteile: »Verhältnismäßig geringer Ertrag, keine Bürgerbeteiligung.« Der andere Weg verspricht Reibach, birgt aber auch Risiken: WPD baut das Windrad schlüsselfertig und verkauft es dann als »Bürger-Windrad«.

Bürger-Info für Ende Juni geplant

Welcher Weg gegangen werden soll, will man mit der WPD besprechen. Die Ergebnisse sollen schon in der nächsten Bauausschusssitzung beraten werden, für Ende Juni steht dann die Bürger-Info im Raum, Anfang Juli soll das Parlament abschließend beraten und dann entscheiden. Die Eile begründet der Bürgermeister ähnlich wie im Vorjahr beim Solarpark: Die Einspeisevergütung soll deftig sinken, hier zwar erst Ende 2014, doch bis alle Genehmigungen eingeholt sind und das Rad in Betrieb gehen kann, wird die Zeit knapp, befürchtet Kötter.

Relativ kurz fiel die Debatte zu dem millionenschweren Vorhaben aus und spielte sich einmal mehr überwiegend zwischen Grünen und Bürgermeister ab. Michael Rückl mahnte das nicht vorhandene Landeskonzept an und konkret die Favorisierung der Pacht-Variante schon vor den Gesprächen. Die habe einiges für sich, aber es sei nicht viel zu verdienen. Bürgerbeteiligung sei ihm sympathischer, die Gemeinde solle durchaus unternehmerisch tätig werden. Doch räumte auch Rückl ein, man habe es mit einem »hochsensiblen« Thema zu tun. »Lieber den Spatz in der Hand«, erwiderte Pacht-Verfechter Kötter.

Die ergebnisoffenen Verhandlungen wollten in der Abstimmung nur die Grünen selbst, doch stimmten auch sie anschließend wie alle andere Parlamentarier für das vierte Wohnbacher Windrad.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare