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Als gemeinsames Projekt wollen Künstlerhaus Mousonturm und Frankfurt LAB in den kommenden Monaten ein temporäres Freilicht-Logentheater am Kaiserlei zwischen Frankfurt und Offenbach errichten. VISUALISIERUNG: RAUMLABORBERLIN

Kultur erleben im Sommerbau

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Um trotz der Corona- Pandemie Vorstellungen vor Publikum geben zu können, will ein Zusammenschluss aus Kulturschaffenden in Frankfurt eigens ein Freilufttheater errichten. Wie die Initiatoren mitteilten, sollen in dem rund 380 000 Euro teuren Gerüstbau bis zu 300 Zuschauer Platz finden - voreinander geschützt in abgetrennten Zweier-Logen.

Das Projekt hat das Zeug, wegweisend zu werden - nicht umsonst nehmen an der digitalen Präsentation Kunst- und Kulturschaffende aus ganz Deutschland teil. Aus Berlin und Hamburg sind sie zugeschaltet, um zu erfahren, was da am Main entstehen soll, damit Theater, Konzerte und Auftritte bald wieder möglich sind. Zumindest unter freiem Himmel. Sommerbau nennt sich das vom Künstlerhaus Mousonturm und dem Frankfurt LAB ausgetüftelte Vorhaben. Es geht um ein coronagerechtes, temporäres Freilicht-Logentheater zwischen Frankfurt und Offenbach. »Es wird den Sommer und die Theaterlandschaft mit prägen«, ist Frankfurt-LAB-Vorstand Philipp Schulte sicher.

Flexible Bestuhlung und genug Abstand

Die Pläne stammen von dem Berliner Architekturkollektiv Raumlaborberlin, das bereits im vorigen Jahr mit dem »Bau« einen spektakulären Bühnenraum aus Lehm und Holz in den Vorführsaal des Mousonturms gezimmert hatte. Daran anknüpfend habe man weiter überlegt, »wie Theater langfristig in Corona-Zeiten stattfinden kann«, so Matthias Pees, Intendant des Mousonturms. Benjamin Foerster-Baldenius von Raumlaborberlin formuliert die Losung: »Wir müssen raus.« Insofern ist ein Open-Air-Modell die konsequente Weiterführung des Logenbaus im Künstlerhaus, der bereits im Februar hätte abgerissen werden sollen, nun aber bis zu den Ferien erhalten bleibt - in der Hoffnung auf »wenigstens noch zwei Spielmonate«, sagt Pees.

Der Sommerbau, eine Konstruktion aus Stahlgerüsten und Holz in Form eines vierstöckigen Hexagons, bietet auf drei Etagen und fünf seiner sechs Seiten in etwa 100 überdachten, vorn und hinten gut durchlüfteten Zweierlogen bis zu 200 Zuschauern Platz. Die sechste Seite wird zum bespielbaren Bühnentor für Auftritte in die zentrale sechseckige Spielfläche in der Mitte des Baus, die einen Durchmesser von mehr als 25 Metern aufweisen wird und insbesondere auch Tanz- und Gesangsdarbietungen unter Einhaltung der Mindestabstände ermöglicht. Je nach Bedarf und Vortragsart kann diese Fläche auch flexibel teilbestuhlt werden, zum Beispiel für Konzerte, für die dann insgesamt bis zu 300 Plätze angeboten werden können. In seiner runden, offenen Form erinnert der Sommerbau an ikonische Theaterräume wie Shakespeares Globe Theatre oder an ein kleines Kolosseum. Die Kosten für das Bauwerk sind mit 380 000 Euro veranschlagt und laut Pees schon »weitgehend abgedeckt«.

Förderung vom Land

Gefördert wird das Projekt vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst mit dem Programm »Ins Freie!« sowie mit dem von der Bundesregierung aufgelegten »Neustart Kultur«. Der Sommerbau setzt nicht nur Maßstäbe in Sachen coronakompatibler Kulturerlebnisse, er ist auch ein Beispiel der Kooperation. »Theater, Musik, Tanz, Kunst - das geht in diesem Sommer am ehesten unter freiem Himmel, dem angesichts der Pandemie sichersten Ort«, sagt Hessens Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. Der Sommerbau verkörpere vorbildlich, »was wir uns im hessischen Kulturpaket II mit unserem Förderprogramm »Ins Freie!« vorgenommen haben: Open-Air-Bühnen schaffen, auf denen unterschiedliche Ensembles und Initiativen auftreten können.«

Christian Fausch vom künstlerischen Management des Ensemble Modern meint: »Wenn die Corona-Pandemie etwas Gutes zutage gefördert hat, dann ist es ein gestärkter Zusammenhalt.« So soll das Freilichttheater nicht nur den LAB-Partnern Mousonturm, Ensemble Modern und Dresden Frankfurt Dance Company zur Verfügung stehen, sondern auch etlichen weiteren Spielstätten und Institutionen der Freien Szene in Frankfurt wie in Offenbach.

Das Grundstück nämlich, das nach intensiver Suche als geeignet ausgemacht wurde, liegt im Offenbacher Kaiserleiviertel, umringt von Autobahnen und -häusern, Eigentümerin ist die OFB Projektentwicklung.

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