Kult-Musical »Hair« neu und frisch in Szene gesetzt

Alsfeld (az). »...lasst uns das Leben von innen neu beginnen, lasst die Sonne, lasst den Sonnenschein in euch hinein!« - lauten die letzten Zeilen des Songs »Let the sun shine« ins Deutsche übersetzt. Es sind gewichtige Worte im Finale von »Hair«, die von der Bühne aus den Zuschauern voller Inbrunst und Lebensfreude entgegengeschmettert werden. So wird es auch sein, wenn das Stück bei den »Alsfelder Kulturtagen« an diesem Samstag Premiere feiert.

»Hair« ist ein Stück, das heute noch Aktualität besitzt und weiterhin eine Symbolkraft mit sich trägt - davon ist Johanna Mildner überzeugt. »...ist doch gut, wenn die Jugend das macht, was sie kann und will, solange sie keinem wehtun!«, glaubt die 34-jährige Regisseurin, die in Alsfeld aufwuchs und heute noch dort lebt.

Und schon steckt man mitten drin in der Thematik des berühmten Musicals von Gerome Ragni und James Rado, in dem die beiden Autoren die Unruhe der jungen Generation beschreiben, die in der Zeit des Vietnamkriegs, der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung sowie in den als zu autoritär angesehenen Gesellschaftsstrukturen versuchen, sich selbst zu finden und ihren eigenen Weg zu gehen. In dem Musical wird die Frage nach dem Sinn des Lebens, dem Generationskonflikt, Rassismus und die Flucht in Träume und Drogen behandelt - aktueller denn je für die Jugend. »Es ist anstrengend«, gibt Johanna Mildner mit Blick auf die Probenarbeit zu, »aber es macht auch wahnsinnig viel Spaß, da die Jungen und Mädchen bzw. Männer und Frauen sich so engagieren und mit Freude bei der Sache sind.« Einfach ist es für die über 30 Schauspieler sicherlich nicht. Seit September proben sie mit Johanna Mildner, Andreas Berger, Katharina Berger und Vicky Gabriel Texte, Gesang, Choreografie.

»In so kurzer Zeit kann man ihnen keinen Schauspielunterricht mit technischen Details und Handwerkszeug geben«, gibt die Regisseurin zu bedenken. »Ich versuche ihnen aber alles zu erklären, dass sie jeden Satz, den sie sprechen müssen, verstehen und verstehen, was sie spielen müssen - so, dass sie sich in die Situation hineinversetzen können und diesen Satz leben, nur so wirkt es authentisch.« Ihre Regie-Arbeit hat Johanna Mildner von ihrem Kollegen und Regisseur Herbert Hermann, mit dem sie schon seit Jahren zusammen Theater spielt, gelernt. »Von ihm habe ich mir viel abgeschaut, seine Art zu arbeiten gefällt mir und ich versuche es ähnlich zu handhaben«, erzählt sie von ihrem väterlichen Freund. »Immer alles ausprobieren, sich nie genieren und alle bestehenden Fragezeichen auflösen.« Und so hat Johanna Mildner während der Proben viel geredet, viel erklärt und viel vorgespielt, Texte in die heutige Sprache übersetzt und Vergleiche zu heutigen Situationen gezogen. »Die Szenen sind teilweise so substanziell, da geht es um Liebe, Vertrauen und Ängste.

« Und sie gibt zu: »Wenn ich sehe, wie unsere Laiendarsteller in ihren Rollen - jetzt, da sie sie verstanden haben - aufgehen und sie leben, bekomme ich Gänsehaut.« Und sie leben sie wirklich. Denn die vielen angesetzten Proben reichten den Laiendarstellern nicht aus, sie konnten nicht genug davon kriegen, sie trafen sich zusätzlich immer wieder privat, übten in kleinen und größeren Gruppen - mal Chor, mal Text, mal Tanz. Und auch die Band, die die Musikstücke während der Aufführung live spielt, ist sehr engagiert: »Sie haben sich extra für das Musical zusammengefunden, es sind Musiker aus verschiedenen Bands und Richtungen, die eigens zusammengestellt wurden.«

Johanna Mildner ist von so viel Einsatz und Ausdauer begeistert, sie ist stolz auf »ihr« Ensemble und gespannt, wie »Hair« angenommen wird: »Es ist unser Geschenk für die Stadt, in der es schön ist zu leben. Wir hoffen, dass die Begeisterung von der Bühne als Funke ins Publikum überspringt . . .«

Tickets für die Vorstellungen an diesem Samstag und am Sonntag sowie am 10./11. Juni jeweils um 20 Uhr in der Hessenhalle Alsfeld gibt es bei »Buch 2000« am Marktplatz in Alsfeld und an der Abendkasse. Der Eintritt für Erwachsene kostet 13,50 Euro, Schüler zahlen 8,50 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare