Kritik an Umsetzung von Spielhallengesetz

Frankfurt (dpa/lhe). Das hessische Spielhallengesetz ist ein halbes Jahr alt – wird nach Einschätzung der Landesstelle für Suchtfragen (HLS) aber nur unzureichend befolgt. »An dem äußeren Erscheinungsbild der Spielhallen hat sich kaum etwas geändert«, kritisierte der Geschäftsführer der HLS, Wolfgang Schmidt-Rosengarten.

Spielhallen dürfen nach dem Gesetz nur mit diesem Wort bezeichnet werden und nicht mehr »Las Vegas«, »Magic Casino« oder »Casino Royal« heißen. »Die alten Bezeichnungen hängen aber fast überall noch«, sagte Schmidt-Rosengarten, der auch Mitglied des nationalen Fachbeirates im Rahmen des Glücksspielstaatsvertrags ist. Broschüren mit Hilfsangebote für Spielsüchtige müssten in den Spielhallen offen ausliegen. Vielfach lägen diese aber irgendwo im Schrank versteckt. »Das Gesetz muss kontrolliert werden, sonst sind die positiven Ansätze für die Katz’.« Wenn die Kommunen dazu nicht kostendeckend in der Lage seien, müssten die Spielhallen-Betreiber eine Prüfgebühr bezahlen, forderte der HLS-Geschäftsführer. Untersuchungen zeigten, dass etwa jeder zweite Spielhallenbesucher ein Problem mit dem Spielen habe oder gar abhängig sei. »Nach diesen Ergebnissen würden die Spielhallen einen großen Teil der Umsätze mit kranken Menschen machen.«

Wenn die Lizenzen für den milliardenschweren Sportwettenmarkt erteilt werden, befürchtet die HLS einen Boom offiziell lizensierter Büros. »Möglicherweise tauchen dann auch Bildschirm-Wettterminals in Cafés oder Imbissstuben auf«, sagte Schmidt-Rosengarten. Lotto Hessen, das für die Vergabe verantwortlich ist, hofft, dass der Einstieg im ersten Quartal 2013 gelingt. Die Aufsichtsbehörden behinderten trotz des neuen Glücksspielstaatsvertrag den Einstieg mit überzogenen Auflagen, kritisiert Lotto-Hessen-Chef Heinz-Georg Sundermann. Somit spielten sich weiterhin 90 bis 97 Prozent des Sportwettenmarktes in einer Grauzone ab.

HLS-Geschäftsführer Schmidt-Rosengarten betonte: »Das Suchtpotenzial bei Sportwetten ist relativ hoch, weil viele das Gefühl haben, anders als beim Lotto, durch ihr Wissen auf den Spielausgang Einfluss nehmen zu können.« Mehrere Untersuchungen zeigten jedoch, dass dies nicht funktioniere. »Trotz einzelner Gesetzesänderungen drängt sich insgesamt der Eindruck auf, dass es am politischen Willen auf Bundes- und Landesebene fehlt, das Glücksspiel nachhaltig unattraktiv zu machen.«

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