Konzept für Radverkehr gefordert

Frankfurt (dpa/lhe). Der ADFC und der Regionalverband FrankfurtRheinMain haben von der neuen Landesregierung ein Konzept für die Entwicklung des Radverkehrs in Hessen gefordert. »Wir vermissen überhaupt eine Radverkehrspolitik«, sagte ADFC-Landesgeschäftsführer Norbert Sanden am Montag in Frankfurt.

Es fehle ein Konzept, wie das Land zu dem angestrebten Ziel kommen will, den Radverkehrsanteil von durchschnittlich sieben auf 15 Prozent zu erhöhen. Hessen schneidet beim Radverkehranteil schlechter ab als der Bundesdurchschnitt mit zehn Prozent, kritisierte die Erste Beigeordnete des Regionalverbands, Birgit Simon (Grüne). In Nord-, Mittel- und Westhessen mache das Fahrrad vielerorts nur etwa drei oder vier Prozent des Verkehrs aus. In Südhessen liege der Anteil immerhin bei elf Prozent, im Rhein-Main-Gebiet bei neun Prozent.

Eine neue Landesregierung müssen den Radverkehr in der Verkehrsplanung gleichwertig mit anderen Verkehrsmitteln berücksichtigen, forderte Simon. Alle Menschen, deren Arbeitsstelle in einem Radius von 15 Kilometer von ihrer Wohnung liegen, müssten mit dem Rad oder dem Pedelec zur Arbeit fahren können. »Drei von vier Hessen besitzen ein Rad«, sagte Simon. »Und 46 Prozent aller Wege sind unter fünf Kilometer lang.«

Wenn sich der Radverkehrsanteil erhöhe, stellten sich auch andere positive Folgen ein, erklärte die Expertin. So etwa beim Mitnehmen von Rädern in Bussen und Bahnen. In keinem anderen europäischen Land würden die Räder dort transportiert, wo die Menschen sitzen, Kinderwagen und Rollstühle ihren Platz haben. Extra-Wagen nur für Räder seien sinnvoller. Ein anderes Selbstverständnis des Radverkehrs werde auch dessen Anteil am Gesamtverkehr erhöhen. In den Niederlanden etwa liegt dieser laut Sanden bei 25 Prozent.

Positiv seien dagegen die neun Fernradwege im Land, der kostenlose Radroutenplaner im Internet sowie das vor zehn Jahren gegründete Radforum von ADFC und Regionalverband. Unter dem Dach dieses Gremiums erörtern Experten mit Vertretern von Kommunen und Kreisen an diesem Dienstag Fragen der Radverkehrsentwicklung.

Der neue Radverkehrsbeauftragte des Regionalverbands, Georgios Kontos, will zusammen mit der Stadt Frankfurt eine Machbarkeitsstudie für zwei Radschnellwege – Langen-Frankfurt und Frankfurt-Hofheim – in Auftrag geben. Diese Wege sollen mittlere Distanzen von 15 bis 20 Kilometern verbinden und seien gerade auch für Pedelcs gedacht. Erste Ergebnisse der Studie sollen im Frühjahr 2014 vorliegen.

Außerdem wollen Kontos und der ADFC im Rahmen des Projekts »bike und business« künftig nicht mehr einzelne Unternehmen, sondern Flächen wie die Bürostadt Frakfurt-Niederrad erreichen. Der Experte will in einer Kampagne Strategien erarbeiten, um für das Rad als Verkehrsmittel für Freizeit, Ausbildung, Beruf und Einkaufen zu werben.

Als Herausforderung sehen ADFC und Regionalverband die Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht. Radwege müssten nur dann befahren werden, wenn die Städte geprüft haben, dass diese sicherer als die Straße seien, erläuterte ADFC-Landesgeschäftsführer Sanden. »Weil für die meisten Radwege der Nachweis nicht erbracht werden konnte, dürften diese eigentlich nicht benutzungspflichtig sein.

« Daher würden künftig mehr und mehr blaue Radwegschilder abmontiert werden. Rad- und vor allem Autofahrern müsse nun klar gemacht werden, »dass Radfahren auf der Straße oft sicherer ist als der Radweg – und meist schneller«, sagte Sanden. »Ziel ist es, die Radfahrer in den Sichtbereich des Autofahrers zu bringen.« Zugleich müsse innerorts flächendeckend Tempo 30 gelten.

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