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Kimonos und Faltenröcke vor Fachwerk-Idyll

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Schlitz (dpa). Ein prächtig buntes und internationales Bild boten die Gassen der Burgenstadt Schlitz am Wochenende. Mehrere zehntausend Besucher und über 70 Folklore- und Musikgruppen aus zehn Nationen und vier Kontinenten gaben sich unter dem Motto »Die Welt trifft sich bei Freunden« ein Stelldichein beim Schlitzerländer Trachtenfest.

Schlitz (dpa). Ein prächtig buntes und internationales Bild boten die Gassen der Burgenstadt Schlitz am Wochenende. Mehrere zehntausend Besucher und über 70 Folklore- und Musikgruppen aus zehn Nationen und vier Kontinenten gaben sich unter dem Motto »Die Welt trifft sich bei Freunden« ein Stelldichein beim Schlitzerländer Trachtenfest – neben ähnlichen Veranstaltungen in Maribor (Slowenien) und im französischen Gannat eines der größten Folklore-Festivals in Europa.

Menschen in Stammestrachten aus Swasiland, Kolumbien und Südkorea tanzten beim großen Festumzug am Sonntag neben dem Holsteinischen Musikzug Plön/Preetz oder der Fuldaer Drum and Pipe Band »Targe of Gordon« in originalgetreuen Uniformen der schottischen »Gordon Highlanders«, einem ehemaligen Eliteregiment der Briten. Beliebt bei Alt und Jung und viel beklatscht waren neben den exotischen Trachten aus Asien, Afrika und Südamerika auch die prächtigen Pferdegespanne: etwa der Schlitzer Stadtwagen mit den Burgen, der Kirche und dem Wahrzeichen »Bornschorsch« oder die 13 Bläser und Trommler hoch zu Ross des Reiterfanfarenzugs Grossostheim. An dem Zug durften erneut keine motorisierten Wagen teilnehmen, was zur besonderen Atmosphäre beiträgt.

Die Schlitzer blicken auf eine 82-jährige Tradition ihres Festivals zurück. Bereits im Jahr 1927 fand das erste statt, 38 sind ihm etwa alle zwei Jahre gefolgt. Veranstalter sind der Schlitzerländer Trachten- und Volkstanzkreis und der Heimat- und Trachtenfestverein. Besonders rühmt sich die kleine Stadt dabei ihrer Gastfreundschaft, werden doch seit jeher die ausländischen Teilnehmer – rund 400 waren es diesmal – privat bei Familien in der Region untergebracht. 80 Buden und Stände sorgen in der Stadt für die weitere Unterhaltung der Besucher, zwölf Festwirte kümmern sich in ihren Zelten um das leibliche Wohl der Gäste.

Vielfältig sind die Schlitzerländer Trachten und unterscheiden sich je nach den Anlässen, zu denen sie getragen werden. So tauschten viele Einheimische ihre Turnschuhe gegen »Ferwes«, ließen die Jeansjacke zu Hause und schlüpften in ihr »Ärmeldeng«. Faltenrock- und Sperrrocktracht bei den Frauen, mal mit, mal ohne Häubchen, und Arbeitstracht bei den Männern prägten den Marktplatz und die Gassen der Altstadt von Freitag bis Sonntag. »Stolz« waren sie alle, die Schlitzer, denn das bedeutet in der Mundart farbenreich oder bunt.

Viele der ausländischen Gäste befinden sich derzeit auf einer regelrechten Tournee durch Europa und machten vorübergehend im Vogelsbergkreis Halt. So zieht es »Ligugu Le Maswati«, die Südafrikaner, und die »Jun Eunja Dance Company« aus Südkorea, in der kommenden Woche zum Festival nach Scheeßel in der Nordheide und anschließend über Wißmar an der Ostsee weiter nach Holland und Belgien. In Schlitz endete das Festival am Montag mit der »25. Stunde«, dem Fackelzug über den Marktplatz und durch die Gassen, sowie einem großen Feuerwerk nach Mitternacht.

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