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Keine Heimtücke, trotzdem lebenslang für Armin B.

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Auch wenn das Gericht im »Mordhaus«-Prozess von Ilbenstadt dem Angeklagten Armin B. keine Heimtücke unterstellt, muss er lebenslang ins Gefängnis. Denn ein anderes Mordmerkmal trifft zu.

Armin B. ist vom Gießener Landgericht zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der 61-Jährige hatte im April vergangenen Jahres zuerst seinen Bruder erstochen und anschließend durch das in Brandsetzen des Hauses auch noch seinen Vater umgebracht. »Es ist eine schlimme Familientragödie, weil nicht nur zwei Mitglieder der Familie durch die Handlungen des Angeklagten ums Leben gekommen sind, sondern er ebenfalls von der Tat gesundheitlich schwer gezeichnet ist«, bemerkte Richterin Enders-Kunze bei der Urteilsverlesung.

Neun Jahre Haft wegen Totschlages an seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Rainer B. und lebenslang für den Mord an seinem 89-jährigen totkranken Vater Rüdiger bedeuten für den 61-Jährigen, dass er zumindest die nächsten 15 Jahre das Licht der Freiheit nicht mehr genießen wird.

Das Gericht folgte im Wesentlichen der Staatsanwaltschaft, allerdings sah es von der besonderen Schwere der Tat ab, weil der Angeklagte durch die Tat nicht nur selber erheblich gesundheitlich geschädigt, sondern weil auch der Familie insgesamt unermessliches Leid zugefügt worden sei. Anders als die Verteidigung, die auf Notwehr plädiert und deshalb lediglich wegen Brandstiftung eine Bewährungsstrafe für ihren Mandanten gefordert hatte, ging das Gericht in seinem Urteil davon aus, dass Armin B.

in der Nacht des 16. Aprils 2016 mehrere folgenschwere Fehlentscheidungen getroffen habe.

Nach einem langen Telefonat mit seiner Lebensgefährtin sei er gegen 22 Uhr zurück nach Ilbenstadt gefahren, um den Vater noch einmal lebend zu sehen. Weil er von dem erneuten Widerstand des Bruders Rainer ausging, habe er sich mit einem Messer bewaffnet. Er sei dann trotz Hausverbot in das Elternhaus eingedrungen und dort auf seinen Bruder gestoßen. Anschließend müsse es zu dem tödlichen Kampf gekommen sein.

Das Gericht wertete die Einlassung des Angeklagten, er sei seinem Bruder in den Keller gefolgt und sei dann von ihm angegriffen und gewürgt worden, als reine Schutzbehauptung. Wenig Sinn ergebe auch, dass der Angeklagte dem Bruder in den Keller gefolgt sei, wo doch der Weg zu dem Vater frei war. Das Gericht ging deshalb von einer vorsätzlichen Tötungshandlung aus.

Wenn die Tat im Affekt oder als Abwehrmaßnahme geschehen sein sollte, dann hätte der Angeklagte viel Zeit gehabt, um sich zu beruhigen und Hilfe zu holen, Stattdessen habe er den Tod des Bruders abgewartet, ihn dann mit neun Schnitten und Sägevorgängen zerteilt, mit der Mülltonne zu seinem Auto gefahren und alle Tatwerkzeuge verstaut. Auch danach habe er sich nicht vom Gesundheitszustand des Vaters überzeugt, sondern zur Beseitigung der Tötungsspuren an seinem Bruder das Haus in Brand gesetzt.

Weil der Vater zu diesem Zeitpunkt noch gelebt haben muss und den Kampf zwischen den beiden Brüdern hätte hören können, schloss das Gericht ›Heimtücke« aus, bejahte hingegen ein anderes Mordmerkmal, nämlich das zur Verdeckung einer Straftat. Da der Angeklagte zur Tatzeit voll schuldfähig war, blieb dem Gericht keine andere Wahl als das Verhängen einer lebenslangen Gefängnisstrafe. Bis zur Rechtskraft des Urteils wird der Haftbehelf aufrechterhalten.

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