Katharine Mehrling und Rolf Kühn im Rosengärtchen

Wetzlar (kdw). Mit einer perfekten Show und herausragenden Gesangsleistungen begeisterte die Berliner Musikerin Katharine Mehrling am Dienstag »Am Rande der Nacht« im Rosengärtchen das hingerissene Publikum. Begleitet wurde sie von Rolf Kühn und seiner Band, einem exzellenten Ensemble.

Partner von Tommy Dorsey

Vergangenes Jahr hatte sie vor einem Wolkenbruch kapitulieren müssen, doch jetzt war nur Sommer – und Katharine Mehrling bestens gelaunt. Das bekam nicht nur Klarinettist und Jazzgröße Rolf Kühn zu spüren, der mit ihr die Stücke für die aktuelle CD schrieb. Kühn, 83, spielte im New Yorker »Birdland« und beim Newport Jazz Festival, bei Benny Goodman und Tommy Dorsey, später auch mit Albert Mangelsdorff – in der deutschen Jazzoberklasse.

Katharine Mehrling, 37, stammt aus Nidderau-Ostheim, studierte Schauspiel und Musical Theatre am London Studio Centre und am Lee Strasberg Theatre Institute in New York. 1993 wurde sie noch während ihrer Ausbildung für die Produktion des Musicals »Hair« im Old Vic Theatre engagiert.

Ihre Engagements umfassen zahlreiche Hauptrollen in Musicalhits wie »Grease«, »Victor/Victoria«, die »Dreigroschenoper«, »Les Misérables«, »Evita« und »Cabaret« – unter anderem. In dem Film »Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat« hat Mehrling zudem einen Auftritt als Sängerin im Offiziersclub.

Begleitet wird Mehrling von Harry Ermer (Klavier), Paul Schmidt (Schlagzeug) und H.D. Lorenz (Bass). Die Truppe pflegt eine souveräne Geschlossenheit und groovt mit hinreißender Eleganz und Sensibilität – ein Top-Ensemble, von dem sich Mehrling dahintragen lässt, und das für ihre fabelhafte Laune zu Recht mitverantwortlich ist.

Überzeugend im Blues

Sie eröffnet mit einem sinnlichen Titel der neuen CD, »Lecker«, und macht weiter mit einem Medley aus »Heartbreak Hotel«, »Black Coffee« und »Stormy Weather«, mit dem sie zwanglos und völlig überzeugend ihre Fähigkeiten im Blues belegt.

In der französischen Abteilung singt sie Cole Porters »Ganz Paris träumt von der Liebe«, den Catherina Valente auf Deutsch zum Hit machte, dann etwas von Charles Aznavour und vor allem Cissy Kramer und Hugo Wieners genialen »Der Novak«. Hier beweist Mehrling mit sinnlichem Gefühl für Schwülheiten und köstlichem Humor ihre Fähigkeiten als Chansonnette. Besonders eindrucksvoll sind ihre Interpretationen von Piaf-Titeln. Da hört man einen vollen Tonumfang, eine perfekte Intonation und ein makellos reines Französisch, vor allem jedoch spürt man ein enormes Gefühl.

Die Mehrling wirft sich in jeden Song derart rein, dass sie die Intensität der Piaf auch sichtbar werden lässt und zeigt dabei nicht die Spur von angeberischen Manierismen, einer Pest geringerer Interpretinnen, sondern zeichnet ihre ganz persönliche Version. Das ist neben der Natürlichkeit ihre größte Stärke: Katharine Mehrling ist eine Sängerin von Format.

Sicher in allen Gesten

Dabei stehen ihr alle nötigen Stilmittel zur Verfügung: Sie kann frech und locker sein (»Lecker«), das große Gefühl zeigen (»Ganz Paris träumt von der Liebe«), ohne dass man sich abwendet. Sie singt den Blues genau nach Vorschrift und wirft auch mal den Herzog-Johann-Jodler ein – zum Piepen. So zeigt sich Mehrling selbstbewusst, gefühlvoll und sicher in allen Gesten. Vor allem aber singt sie mit Power, Emotion und klarster Intonation jeden Song ganz angemessen, einfühlsam und mit Überzeugung. Als sie dann mit Piafs »Mylord« und Mercer und Mancinis Welthit »Moon River« in einem wunderbaren Duett mit Kühn famos abschließt, sind alle sprachlos. Wie hieß das früher? Das war Spitze! Genau.

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