+
Das Bundeskartellamt hat gegen die Kasseler Raffeisen Waren GmbH, die ihren Sitz am Ständeplatz hat, ein Bußgeld verhängt.

Preisabsprachen im Pflanzenschutzhandel

Bundeskartellamt verhängt Bußgeld: Raiffeisen Waren GmbH Kassel zahlt Strafe in Millionenhöhe

  • schließen

Mehrere Pflanzenschutz-Großhändler sollen fast 18 Jahre lang Preise abgesprochen haben. Auch Raiffeisen Waren GmbH Kassel soll bei den illegalen Praktiken mitgemacht haben. 

  • Die Raiffeisen Waren GmbH Kassel muss ein Bußgeld von 3,69 Millionen Euro zahlen.
  • Grund sind angebliche Preisabsprachen.
  • Das Bundeskartellamt hat gegen weitere Pflanzenschutz-Großhändler Strafen verhängt.

Die Raiffeisen Waren GmbH Kassel (RW) muss wegen angeblicher Preisabsprachen bei Pflanzenschutzmitteln ein Bußgeld in Höhe von 3,69 Millionen Euro zahlen. Insgesamt hat das Bundeskartellamt Geldbußen in Höhe von 154,6 Millionen Euro gegen sieben Pflanzenschutz-Großhändler verhängt.

Die Behörde wirft ihnen vor, fast 18 Jahre lang illegale Preisabsprachen im Pflanzenschutzhandel getroffen zu haben. Laut Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, haben die Unternehmen von 1998 bis 2015 jeweils im Frühjahr und Herbst ihre Preislisten miteinander abgestimmt. 

Kartellamt: Unternehmen haben sich anfangs für Absprachen getroffen

„Grundlage war eine gemeinsame Kalkulation der Großhändler, die weitgehend einheitliche Preise für Einzelhändler und Endkunden zur Folge hatte.“

Anfangs hätten sich die Unternehmen mehrmals im Jahr getroffen, um sich abzusprechen. Später habe die Abstimmung überwiegend schriftlich und telefonisch stattgefunden, so das Kartellamt. 

Die vier führenden Großhändler im Markt, zu denen die RW nicht zählt, hätten dabei die Vorabstimmung der Kalkulation übernommen. Teilweise seien auch die zu gewährenden Rabattspannen und Netto-Netto-Preise abgesprochen worden, die sich ergeben, wenn vom Nettopreis weitere, individuell vereinbarte Preisabschläge oder Sonderkonditionen abgezogen werden. 

Durchsuchungen hatten die illegalen Praktiken beendet

Die RW habe sich an diesen Absprachen bis Ende des Jahres 2011 beteiligt. Durchsuchungen im März 2015, auch bei der RW, hatten die Praktiken schließlich vollständig beendet.

Die RW bestätigt die Geldbuße und kommentiert: „In der verhältnismäßig geringen Höhe der gegen RW verhängten Geldbuße kommt zum Ausdruck, dass die RW sehr frühzeitig und aus eigener Überzeugung auf die kartellrechtlichen Gegebenheiten reagiert hat.“

Das Bußgeld hätte bis zu 142 Millionen Euro betragen können

Zum Vergleich: Europas größter Agrarhändler BayWa zahlt alleine 68,6 Millionen Euro. Die vom Kartellamt im Falle eines Kartellverstoßes verhängte Geldbuße gegen Unternehmen darf maximal zehn Prozent des im vergangenen Geschäftsjahr vor der Behördenentscheidung erzielten Gesamtumsatzes betragen. Dieser lag bei der RW 2018 bei 1,42 Milliarden Euro. Die Strafe hätte demnach bis zu 142 Millionen Euro betragen können.

Zudem betont die RW, das Bundeskartellamt habe in dem Verfahren berücksichtigt, „dass die Wertschöpfungstiefe und die Margen im Handel mit Pflanzenschutzmitteln sehr gering waren und sind“. Das Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln gilt tatsächlich als schwierig und die Margen als entsprechend gering.

Raiffeisen Waren akzeptiert die verhängte Strafe

Im Verfahren des Kartellamtes hat die RW nach eigenen Angaben „vollständig kooperiert“. Sie akzeptiere „das gegen sie in Anerkennung ihres geringen und lange zurückliegenden Tatbeitrags verhängte Bußgeld“.

Ob damit für das Kasseler Handelsunternehmen schon das Ende der Fahnenstange erreicht ist, wird sich zeigen. Die US-Kanzlei Hausfeld mit Standorten in Düsseldorf und Berlin will im Namen geschädigter Landwirte klagen. 

„Dabei kommen sowohl Einzelklagen im Namen der betroffenen Landwirte und Agrarunternehmen in Betracht, insbesondere bei größeren Schadenssummen, als auch die Sammlung von Ansprüchen und gemeinsame Geltendmachung für eine größere Zahl von Geschädigten“, teilte die Kanzlei mit.

Klagen könnten folgen

Die Erklärungen einiger beteiligter Unternehmen, das Kartell hätte keine Auswirkungen auf die Preise gehabt, sei wenig glaubhaft. „Im Markt war ohnehin allgemein bekannt, welche prozentualen Rabatte auf die Bruttopreise gewährt wurden. 

Durch einen Austausch der Bruttopreise konnten die Kartellanten damit genau zurückrechnen, welche Nettopreise die jeweiligen Kartelltäter forderten“, argumentiert die Kanzlei. Ob es Klagen gegen einen oder mehrere der beteiligten Agrar-Großhändler geben soll und ob die RW davon betroffen ist, steht demnach noch nicht fest.

Deutschlands oberster Wettbewerbshüter hat im Jahr 2019 deutlich mehr Bußgelder wegen verbotener Kartellabsprachen verhängt als zuvor. Das teilt das Bundeskartellamt mit.

Von Nicole Schippers

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare