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Ein Karnevalsprinz als Anführer

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Herbstein (dpa). Hessens wohl ungewöhnlichster Faschingsumzug ist am Rosenmontag in Herbstein durch die Straßen gezogen. Einige Tausend Jecken waren trotz des nasskalten Wetters schon früh auf den Beinen und verfolgten das Spektakel.

Herbstein (dpa). Hessens wohl ungewöhnlichster Faschingsumzug ist am Rosenmontag in Herbstein durch die Straßen gezogen. Einige Tausend Jecken waren trotz des nasskalten Wetters schon früh auf den Beinen und verfolgten das Spektakel. Punkt 10.11 Uhr eröffnete der »Bajazz« unter dem Jubel der Narren am Vereinsheim der Karnevalisten den diesjährigen Springerzug. Nach den ersten Tanz- und Schunkeleinlagen und mit der musikalischen Begleitung der Kapelle bahnte sich der Zug seinen Weg durch den Ort.

Der »Bajazz« ist die Hauptfigur des Herbsteiner Karnevals. Er hüpft und springt durch die Straßen und Gassen der Kleinstadt. In rund drei Stunden legt er so knapp 3,5 Kilometer zurück. Zwischendurch hält er immer wieder bei den Geschäftsleuten der Stadt an, um aufzuspielen. Dann tanzt der Protagonist des Springerzugs mit der Gattin des Hauses, lädt in einer Ansprache zum Ball nach dem Umzug ein und nimmt eine Spende entgegen. Anschließend setzt sich der Tross wieder in Bewegung. Schon nach kurzer Zeit zollen die ersten Zuschauer dem Springerzug Respekt: »Wenn sie das durchhalten, ziehe ich meinen Hut«, meint ein älterer Herr in der Menge. Im Schlepptau hat der »Bajazz« die Tiroler Pärchen sowie zahlreiche weitere Traditionsfiguren, Tanzgarden und rund 20 Motivwagen.

In diesem Jahr hat Benjamin Traud aus Herbstein das höchste karnevalistische Amt des Ortes inne. »Wenn man aus Herbstein kommt und die Familie in der Fastnacht sehr aktiv ist, dann wird man irgendwann auch mal »Bajazz««, erläutert der 24-jährige, der für 410 Euro die Rolle ersteigerte. Damit sei er günstig wegekommen. »Der Preis variiert ein bisschen. Wenn es mehrere Anwärter gibt, kann das auch schon mal einige tausend Euro kosten«, sagt Traud und fügt hinzu, dass er bis 2500 Euro mitgeboten hätte. »Es hat zeitlich gut gepasst, und da wollte ich in diesem Jahr unbedingt zuschlagen.«

Um die gut drei Stunden zu überstehen, haben Traud und sein Gefolge seit der Versteigerung, die traditionell am ersten Sonntag im neuen Jahr stattfindet, mindestens einmal pro Woche trainiert. »Jeden Sonntag übten wir die Schrittfolge und unter der Woche ging es in den Wald zum Joggen.« Außerdem spiele er noch Fußball und habe sich für alle Fälle eine Salbe gegen Muskelverhärtung eingepackt. Unter dem Gefolge ist Johannes mit von der Partie, der in diesem Jahr als Fahnenträger mitläuft. »Ich bin schon das vierte Mal dabei und hoffe, dass es endlich los geht«, erzählt der 13-jährige kurz vor dem Start.

Die weiteste Anreise hatte an diesem Tag wohl ein Pärchen aus dem Saarland. »Ein befreundetes Ehepaar kommt schon seit drei Jahren aus Frankfurt zum Umzug nach Herbstein«, sagen sie. In diesem Jahr hätten sie es sich nicht nehmen lassen, selbst einmal dabei zu sein.

Der Brauch des Springerzugs geht bis in das 17. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1952, bei der Gründung der Fastnachtsvereinigung, wurde er durch Tiroler Gastarbeiter, die das vom Krieg zerstörte Herbstein wieder aufzubauen halfen in Erinnerung gerufen. Seitdem hüpfen jedes Jahr an Rosenmontag »Bajazz« und Gefolge durch die Hauptstadt des Karnevals im Vogelsberg.

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A3295 Uwe Zucchi

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