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Der Kampf um die Windkraft: Bürgerentscheid in Eltville am Sonntag

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© dpa

Windräder vor der Haustür sind umstritten - wie in Mittelhessen so auch im Rheingau. Jetzt entscheiden Eltvilles Bürger. Es könnte ein weiterer Schlag für die Pläne von Schwarz-Grün im Land werden.

Eltville (dpa/lhe) - Im erbitterten Streit um die Windkraft im Rheingau steht am Sonntag ein zweiter wichtiger Bürgerentscheid an. Knapp 14 000 Menschen können in Eltville darüber bestimmen, ob auf der kommunalen Gemarkung Windräder errichtet werden sollen.

Von der Briefwahl hätten bereits zehn Prozent der Wahlberechtigten Gebrauch gemacht, sagte der Leiter des Wahlamts, Dieter Schenk, der Nachrichtenagentur dpa. Über die Höhe der Beteiligung am Entscheid am Sonntag wollte er jedoch nicht spekulieren.

Den Weg zum Entscheid in der 17 000-Einwohner-Stadt hat eine Anti-Windkraft-Initiative ermöglicht, die mehr als 2000 Unterschriften sammelte. Im benachbarten Oestrich-Winkel hatte bereits im Dezember eine klare Mehrheit der Bürger der Stadt untersagt, auf dem Taunuskamm den Wald für Windräder zur Verfügung zu stellen.

Dem Widerstand haben sich auch Prominente in einem «Eberbacher Appell» angeschlossen. Sie protestieren gegen den «zügellosen Bau von Windrädern» im berühmten Kloster Eberbach, das auf Eltviller Gemarkung liegt. Ein Blick nach Rheinhessen und den Hunsrück zeige, mit welcher Respektlosigkeit einmalige Kulturlandschaft zerstört würden.

Den Appell haben neben dem Bergsteiger Reinhold Messner und dem Dirigenten Enoch zu Guttenberg auch der Rheingauer CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch sowie die örtlichen Bürgermeister von CDU und SPD unterzeichnet. Dies ist sehr pikant: In der Landespolitik werben Union und Grüne sowie auch die SPD-Opposition für den Ausbau der Windenergie - auch im Rheingau.

In den vergangenen Monaten hatte sich das Energieministerium in Wiesbaden unter dem Grünen-Politiker Tarek Al-Wazir um Vermittlung bemüht. Der Ältestenrat des Eltviller Stadtparlaments, in dem wie im Land Schwarz-Grün regiert, hielt jedoch einen persönlichen Auftritt Al-Wazirs für unerwünscht. «Ich hoffe, dass auch Eltville am Sonntag die Chance ergreift, die sich dort bietet», sagte Al-Wazir der dpa. Er will demonstrativ am Samstag einen Windpark in Heidenrod im Taunus einweihen.

In Eltville hat das Land sechs Anlagen geplant. Windkraftgegner haben bereits per Bürgerentscheid in Oestrich-Winkel im vergangenen Dezember den Bau von zwölf Anlagen auf dem Taunuskamm gestoppt. Es war das erste Mal gewesen, dass ein Kommune von der Landesregierung geplante Windräder kippte.

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