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Zukunft ungewiss: Seit sechs Jahren gibt es den Islamunterricht an hessischen Schulen. 

Zusammenarbeit

Islamunterricht in Hessen auf der Kippe – Ditib schließt Klage nicht aus

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Der umstrittene türkische Moscheeverband Ditib schließt eine Klage nicht aus, sollte das Land Hessen die Kooperation beim islamischen Religionsunterricht beenden.

Wiesbaden - Die Zukunft des Islamunterrichts in Hessen ist ungewiss. Man habe „noch keine Vorentscheidungen getroffen“, versicherte ein Sprecher von Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Mittwoch auf Anfrage.

Medienberichte hatten zuvor den Eindruck erweckt, dass der staatliche Islamunterricht in Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Moscheeverband Ditib vor dem Aus stehe. Ditib hält sich für einen solchen Fall alle Optionen offen – ausdrücklich auch eine Klage vor Gericht, wie der Landesvorsitzende Salih Özkan am Mittwoch sagte. Özkan betonte: „Wir gehen aber von einer positiven Entscheidung des Ministeriums aus.“

Ditib steht in der Kritik, weil er als verlängerter Arm der türkischen Regierung von Recep Tayyip Erdogan gilt

Die Kooperation läuft seit mehr als sechs Jahren. Nach Angaben von Minister Lorz hat es keine Beanstandungen am Unterricht gegeben, der von staatlichen hessischen Lehrkräften erteilt wird. Allerdings steht der Verband Ditib in der Kritik, weil er als verlängerter Arm der türkischen Regierung von Recep Tayyip Erdogan gilt, die ihren Kampf gegen Regimegegner seit einem Putschversuch im Jahr 2016 mit harter Hand führt. Der hessische Landesverband wehrt sich gegen solche Vorwürfe und beteuert seine Unabhängigkeit.

Die Landesregierung hatte dem Verband im vorigen Jahr Auflagen gemacht, um die Unabhängigkeit auch organisatorisch sicherzustellen. Außerdem sollte Ditib ein Mitgliederverzeichnis vorlegen. „Die Religionsgemeinschaft muss wissen, welche Kinder im Unterricht sitzen“, erläuterte Ministeriumssprecher Philipp Bender.

Ministerium: Ditib hat „unterschiedliche Unterlagen unterschiedlicher Qualität“ vorgelegt

Anfang dieses Jahres setzte Lorz dem Verband eine Frist bis Ende April, um Unterlagen nachzuliefern. Nach Angaben des Vorsitzenden Özkan hat Ditib alle Vorgaben erfüllt. So habe man eine professionell geleitete Landesgeschäftsstelle und ein Schulreferat eingeführt. Die Mitglieder habe man erfasst. Derzeit seien 15 638 Musliminnen und Muslime ins Gemeinderegister eingetragen. Das Ministerium formuliert vorsichtiger, Ditib habe „unterschiedliche Unterlagen unterschiedlicher Qualität“ vorgelegt.

Sprecher Bender äußerte die „Hoffnung“, dass ein Ergebnis der Prüfung noch in diesem Jahr vorgelegt werden könne. Er könne aber nicht ausschließen, dass man Zeit bis Mitte Januar benötige. Für den Ausstieg aus der Zusammenarbeit haben sich bereits der CDU-Nachwuchsverband Junge Union (JU), die AfD und der Deutsche Beamtenbund Hessen ausgesprochen.

Ditib will trotz skeptischer Haltung des Kultusministeriums Partner des Landes bleiben

Der Ditib-Landesvorsitzende Özkan betonte hingegen, dass der Moscheeverband trotz der skeptischen Haltung des Kultusministeriums weiter daran interessiert sei, Partner des Landes zu bleiben. Man sei sich seiner Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, den Schülern sowie ihren Eltern bewusst und wolle sich dieser nicht entziehen.

3334 Kinder aus den Klassen 1 bis 6 nehmen am Islamunterricht in Hessen teil. Den Unterricht erteilen staatliche Lehrerinnen und Lehrer. Sie besitzen zudem eine Lehrerlaubnis der islamischen Gemeinschaften Ditib oder Ahmadiyyah. Diesen Unterricht gibt es seit dem Schuljahr 2013/14.

Info: Islamischer Religionsunterricht in Hessen

In den 7. Klassen wurde noch kein Islamunterricht eingeführt, wegen Zweifeln an der Zusammenarbeit mit Ditib. Stattdessen erhalten die 144 Siebtklässlerinnen und Siebtklässler, die zuvor Islamunterricht hatten, seit diesem Schuljahr Islamkunde. Es ist ein Schulversuch, bei dem die gleichen Lehrerinnen und Lehrer unterrichten wie beim Islamunterricht. 

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