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Idee des Memoriam-Gartens macht auch in Hessen Schule

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Friedberg (gk). »Mehr Individualität und Persönlichkeit auf dem Friedhof« - so lautete das Motto der Jahrestagung 2011 der hessischen Friedhofsgärtner in der Stadthalle Friedberg am Mittwoch.

Etwa 100 Teilnehmer aus ganz Hessen diskutierten mit Vertretern aus dem Bestattungswesen, dem Steinmetzhandwerk und den Friedhofsverwaltern über die aktuelle Lage ihres Berufszweigs. Die größte Herausforderung sei, so Verbandsvorsitzender Karl Wolf in seiner Begrüßung, die rasant steigende Anzahl alternativer Bestattungsformen wie zum Beispiel in den sogenannten Friedwäldern. »Immer mehr Menschen lassen sich nicht mehr auf dem Friedhof bestatten. Um diesem Trend wirksam entgegenzuwirken, müssen Friedhofsgärtner sich endlich auf die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen einstellen«, forderte Wolf. Der wirtschaftliche Druck auf die etwa 350 hessischen Friedhofsgärtnereien nehme stetig zu. Wolf bedauerte, dass die kommunalen Friedhofsträger zwar mit verschiedensten Angeboten auf die Krise des Friedhofs reagierten, jedoch ohne die Gärtner genügend mit einzubeziehen. Nur durch Individualisierung der Bestattungskultur könne man langfristig der wachsenden Akzeptanz friedhofsferner Begräbnisformen entgegenwirken.

Ein aus Sicht des Verbandes erfolgversprechender Weg in diese Richtung ist der sogenannte Memoriam-Garten. Die geistige Urheberin dieses Innovationsprojekts, Birgit Ehlers-Ascherfeld aus Hannover-Langenhagen, stellte am Nachmittag in einem Lichtbildervortrag ihre auf der Bundesgartenschau (BUGA) 2009 in Schwerin erstmals realisierte Idee vor. Von den heute noch auf den meisten Friedhöfen vorherrschenden öden Einzelgrabfeldern müsse man Abschied nehmen, so Ehlers. In kleine Gärten eingebettete Gemeinschaftsanlagen mit verschiedenen Grabarten müssten an deren Stelle treten. Der Memoriam-Garten, in dem jeder Verstorbene zu fairen Konditionen seine letzte Ruhe finde, biete Angehörigen ein ruhiges, angenehmes Umfeld für stilles Gedenken und kleinere gärtnerische Arbeiten. Die hoheitliche Funktion der Friedhofsverwaltungen werde nicht angetastet, fügte Birgit Ehlers-Ascherfeld hinzu. Die Idee des Memoriam-Gartens mache Schule: Auf der diesjährigen Bundesgartenschau in Koblenz werde es wieder Musteranlagen zu sehen geben. Alternative Bestattungsformen ließen sich, so die Friedhofsgärtnermeisterin unter dem Beifall der Zuhörer, genauso im Friedhofsbereich wie außerhalb verwirklichen.

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