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Hüttenberger Eltern kämpfen weiter für die Rückkehr zu G 9

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Hüttenberg (jow). Die Eltern der Elterninitiative der Gesamtschule Schwingbach wählen auf dem Weg zur Rückkehr zu G 9 den juristischen Weg. In einem Pressegespräch machten sie deutlich, dass dies für sie die letzte Chance ist, ihr Ziel zu erreichen.

Hüttenberg (jow). Die Eltern der Elterninitiative der Gesamtschule Schwingbach wählen auf dem Weg zur Rückkehr zu G 9 den juristischen Weg. In einem Pressegespräch machten sie deutlich, dass dies für sie die letzte Chance ist, ihr Ziel zu erreichen. Bestärkt werden sie in diesem Vorhaben von einem Gutachten von Prof. Winfried Möller (Lollar), dass den Sinn der Einführung von G 8 in Frage stellt. Deswegen haben sie einen »Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung« vor dem Gießener Verwaltungsgericht gestellt.

Weil nur ein Jahrgang betroffen ist – die übrigen Jahrgänge sind bereits zum alten System zurückgekehrt – erhofft sich die Elternschaft bessere Aussichten auf Erfolg, als dies in Lollar der Fall war. Falls das Eilverfahren vor dem Gießener Verwaltungsgericht keinen Erfolg haben sollte, wollen sie den nächsten Schritt gehen und auch vor den Verwaltungsgerichtshof in Kassel ziehen. Sollte die Beschwerde in Kassel dann allerdings erfolglos sein, ist die Möglichkeit der Rückkehr endgültig gescheitert.

Die Kritikpunkte der Eltern sind nicht neu: »Die Schüler sind in überhöhtem Maße individuellen Belastungen ausgesetzt«, sagt Heinrich Ihrig als einer der Initiatoren. Die Kinder haben teilweise bis zu 36 Wochenstunden – je nach Wahlpflichtfach. Hinzu kommen Hausaufgaben, das Lernen für Arbeiten und teilweise noch der kirchliche Unterricht. Moniert wird von den Eltern auch, dass die Kinder in kürzerer Zeit den gleichen Schulstoff bewältigen müssen wie die G9-Schüler. »Es ist paradox, dass die Schüler trotz Mehrbelastung 640 Wochenstunden weniger Zeit haben, den Stoff zu erlernen. Dies widerspricht allen pädagogischen und psychologischen Erfahrungen des Lernens. Die Zeit fehlt zudem für Projektarbeiten«, erklärt Monika Grünhagel, deren Sohn Benjamin betroffen ist.

ie Eltern beteuern, dass für sie keine politischen Gründe im Mittelpunkt stehen: »Wir handeln aus dem Wissen heraus, das G 8 nicht gut ist für unsere Kinder. In der Mittelstufe sind die Kinder auch mitten in der Pubertät.« Die Eltern müssten sehr viel leisten, vor allem was Nachhilfe und Unterstützung in den Abendstunden und an Wochenenden betrifft. »Den Kindern fehlen die sozialen Kontakte und ihnen wird das Kindsein genommen«, ist Heinrich Ihrig traurig über den Status quo.

Für ihre Argumentation sehen sie einen Widerspruch im System. Am Nachmittagsunterricht hätten die Kinder zwar weniger Hausaufgaben. Irgendwann müsse aber doch wieder dieser Stoff aufgearbeitet werden. Mittlerweile klagten sogar die Vereine und Verbände in Hüttenberg über Nachwuchsmangel. Auch dies werde sich in Zukunft verstärken, sind sich die Eltern sicher.

62 von 64 Eltern – also 94 Prozent – haben an der Gesamtschule Schwingbach für die Rückkehr zu G 9 gestimmt. Die Schulkonferenz, bestehend aus Lehrern, Eltern und Schüler, die nach § 26 des Hessischen Schulgesetzes für wichtige Veränderungen im Schulsystem zuständig sind, hat ebenfalls für die Änderung votiert.

»Hatten keine regionale Wahlmöglichkeit«

Ärgerlich ist für die Betroffenen, dass es keine regionale Wahlmöglichkeit für die Schule gab: Als Alternativen wären lediglich Ehringshausen, Solms, Atzbach und Braunfels und Wetzlar in Frage gekommen: »Die G8-Befürworter hatten diese Wahlmöglichkeit. Mittlerweile sind Kinder auf den Realschulzweig gewechselt oder haben die Schule verlassen«, weiß Heinrich Ihrig zu berichten. Gleichzeitig merkte er an, dass die Schulleiter an anderen Schulen versuchten, in Gesprächen mit den G 8-Befürwortern zu einer einvernehmlichen Lösung zu gelangen.

Dem Rechtenbacher Kollegium machen die Eltern keinen Vorwurf: »Wir erhalten starke Unterstützung, weil auch die Lehrer wissen, dass keine Zeit mehr bleibt für nachhaltiges Lernen«, macht Ihrig klar. Alle Gremien von der Schulkonferenz über die Gesamtkonferenz bis hin zu den Schülern und Eltern hätten sich für G 9 entschieden. Die Eltern argumentieren dabei nicht grundsätzlich gegen eine Kürzung der Schulzeit: „Aber bitte nicht in diesem Modus. Wenn sich Einsparpotential ergebe, dann in der Oberstufe. Traurig stimmt die Elternschaft, dass ihnen bislang keine offiziellen Äußerungen des Hessischen Kultusministeriums vorliegen. »Von Seiten des Staatlichen Schulamtes wird mit einem Vertrauensschutz der Minderheit argumentiert, der nirgendwo schriftlich manifestiert ist«, lautet der Einwand. Positiv stimmt die Eltern, dass die Schule, wenn G9 in diesen Ferien beschlossen würde, gewappnet wäre. Für die Rückkehr gelte es noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren, auch wenn dies schwer fällt »Wir kämpfen seit einem Dreivierteljahr. Nach den Kindern schaut leider gar keiner mehr«, lautet das Fazit von Monika Grünhagel, die auf einen positiven Bescheid hofft und sich dafür in den letzten zehn Monaten fast immer 10 Stunden die Woche ehrenamtlich eingesetzt hat.

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