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Homers »Odyssee« wird zur Pauschalreise auf der Lahn

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Marburg (pm/ik). »Odyssee 2009«, die neueste Produktion des »Theater GegenStand«, feierte am Montagabend Premiere - an höchst ungewöhnlichem Ort: in, auf und entlang der Lahn.

Marburg (pm/ik). »Odyssee 2009«, die neueste Produktion des »Theater GegenStand«, feierte am Montagabend Premiere - an höchst ungewöhnlichem Ort: in, auf und entlang der Lahn. Noch bis zum kommenden Sonntag, 26. Juli, wird das Spektakel täglich um 20.30 Uhr geboten; Treffpunkt ist jeweils der Bootsverleih in Weidenhausen. Die Inszenierung spricht vor allem passionierte Tretbootfahrer und Ruderer an.

In dieser Woche werden die Ufer und Brücken und sogar die Lahn selbst in eine Bühnenlandschaft verwandelt. Die »Odyssee 2009« ist das dritte große Sommerprojekt des freien Marburger Theaters und knüpft an die erfolgreichen Vorgängerproduktionen am Ortenbergsteg (»Brückensinfonie«, 2006) und in der Elisabethkirche (»Elisabeth-Faktor«, 2007) an. »Etwas wirklich Neues ist, dass die Zuschauer selbst das Ruder in die Hand nehmen und einen Lahnabschnitt auf eigene Faust erkunden, um so die zahlreichen Szenen des Theaterstücks zu erleben«, erläutert Inga Berlin, geschäftsführende Dramaturgin des »Theater GegenStand«. Die Idee entstand im letzten Sommer am Bootsverleih in Weidenhausen. Die Zusage des Geschäftsführers Roman Gischler, der mit Enthusiasmus seine Boote für die »Odyssee« zur Verfügung stellt, kam umgehend: »Das machen wir«.

Das künstlerische Leitungsteam (Inga Berlin, Martin Esters, Sabine Manke) rückt in seiner Umsetzung die Hauptfiguren der Odyssee ins Zentrum: Odysseus, König von Ithaka (Lou Meckelnburg), seine Frau Penelope (Lucia Parthen) und der pubertierende Sohn Telemach (Lars Paschold, Matt Dressler, Markus Hassler). »Eine hochspannende Konstellation. Mit diesen drei Figuren lässt sich nicht nur eine dramatische Familiengeschichte erzählen, sondern sie stehen auch für drei verschiedene Modelle des Unterwegsseins«, erklärt Sabine Manke. Während Odysseus von einem Abenteuer ins nächste gerät und nie weiß, ob er den nächsten Morgen noch erleben wird, begibt sich sein Sohn Telemach »auf eine Art Pauschalreise«, so Martin Esters. Penelope hingegen, die treue Ehefrau, geht nur in ihrer Fantasie auf Reisen. 20 Jahre wartet sie auf ihren Odysseus und wehrt standhaft all die Freier ab, die sich an ihrem Hof eingefunden haben. »Vorwissen aus Homers ‘Odyssee’ braucht man nicht, um den einzelnen Szenen zu folgen«, meint Esters. Zudem bietet die Anfangsszene am Bootsverleih allen Zuschauern auch einen kurzen »Crash-Kurs« zur Einführung in den klassischen Stoff.

Im Anschluss geht es dann für die maximal 68 Zuschauer pro Vorstellung in die Boote. Ausgestattet mit einer Karte können sie die verschiedenen Szenen und Installationen erleben. Es gibt Begegnungen mit der Schattenwelt des Hades, mit Monstern, Zauberinnen, einer schwimmenden Badewanne und einem göttergleichen Automaten. Wie schon beim »Elisabeth-Faktor« erfährt »Theater GegenStand« bei der »Odyssee 2009« internationale Unterstützung durch die beiden Tanzensembles »Two in One« und »workshop company«. Unter der Leitung des Choreographen und Tänzers Ákos Hargitay (Wien) sind die insgesamt vier Tänzerinnen aus Budapest für die Tanz- und Bewegungselemente der Performance zuständig. Pro Abend sind etwa 30 Künstler (Schauspieler und Tänzer) sowie 25 Helfer aktiv, um das Großprojekt umzusetzen. Für die Sicherheit von Gästen und Schauspielern sorgt die DLRG mit einem Rettungsboot vor Ort. Die »Odyssee« ist eine Veranstaltung im Rahmen des »Kultursommer Mittelhessen«.

Karten (10 Euro, »Soli-Preis« 15 Euro) gibt es an der Abendkasse und im Vorverkauf (Marburg Tourismus & Marketing GmbH, Tel. 06421 / 99120 & »Theater GegenStand«, Tel. 06421 / 686901).

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