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Brot und Salz, das traditionelle Geschenk zur Hauseinweihung, haben auch Bürgermeister Gerhard Schultheis (3. v. l.) und Minister Tarek Al-Wazir (2. v. r.) mitgebracht.

Hoher Besuch in der Passivhaussiedlung

Nidderau (jwn). Die ersten Häuser, errichtet im Passivhausstandard, sind in der Neuen Mitte erst seit Kurzem bezogen, da erhielt die Siedlung mit dem hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) bereits hohen Besuch aus Wiesbaden.

Die Familie Carsten Schiffner und Mandy Schönfelder hatte sich bereit erklärt, Minister Al-Wazir, Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) und Stadtverordnetenvorsteher Gunter Reibert ihr erst vor einem Monat fertiggestelltes und bezogenes Passivhaus vorzustellen.

123 Grundstücke umfasst das Areal. Dass auf ihm nur Passivhäuser errichtet werden dürfen, hatte die Stadtverordnetenversammlung am 31. Oktober 2012 mit 32 zu 3 Stimmen beschlossen. Auch wenn der Beschluss im Nachhinein in der Bürgerschaft heftig umstritten war und deshalb 2015 noch einmal leicht abgeändert werden musste, war durch die Teilnahme am Modellprojekt des Landes Hessen "Baugebiet als Passivhaussiedlung" der Weg vorgeschrieben. Der neuerliche Beschluss sagt lediglich, dass auf den rund 15 000 Euro kostenden Zertifizierungsnachweis durch das Darmstädter Passivhausinstitut verzichtet werden kann.

Nachdem Bürgermeister Schultheiß den Neubürgern, die aus Niederdorfelden zugezogen waren, das obligatorische Begrüßungsgeschenk, nämlich einen Laib Brot und Salz, überreicht und sie in Nidderau offiziell willkommen geheißen hatte, erklärte der Vertreter der Baufirma Helma, Heinz Fischer, noch einmal kurz, worin der Vorteil eines Passivhauses für den Bauherrn liegt, nämlich in einem möglichst niedrigen Heizenergieverbrauch. "Um steigende Heizkosten müssen sich die Bewohner also keine Gedanken mehr machen." Erreicht werde die hohe Energieeffizienz durch die Minimierung der Wärmeverluste durch gute Außendämmung. Das heißt, Boden, Wände und Dach seien extrem gut gedämmt und die Fenster dreifachverglast. So sei eine hohe Dichtigkeit der Gebäudehülle garantiert, die Wärme bleibe im Haus. Selbst die herkömmliche Fensterlüftung soll nach diesem Baustil nun überflüssig sein: Dafür sorge eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, so dass das Haus immer mit Frischluft versorgt sei und alle Räume ein gutes Klima haben.

Preisaufschlag von zehn Prozent

Gleichzeitig wird die verbrauchte Luft aus Küche, Bad und WC abgesaugt und die hier entstandene Wärme genutzt, um die kalte Zuluft zu erwärmen. Die Solar- und die Photovoltaikanlagen auf dem Dach dienen der Warmwasserbereitung und der Stromgewinnung, die Wärmepumpe vor dem Haus der Heizung.

Weniger als 400 000 Euro habe das Haus mit rund 250 Quadratmeter Grundfläche gekostet, obwohl die Passivhausbauweise den Preis um zirka zehn Prozent habe anziehen lassen. "Dieser Preisaufschlag hat uns nicht wirklich abgeschreckt, weil wir uns durch die Bauweise sonstige Einsparungen versprechen", versicherte Bauherr Schiffner.

Auch Wirtschaftsminister Al-Wazir, der die Passivhaussiedlung im Rahmen einer Rundreise des Kabinetts durch Hessen besuchte, zeigte sich angetan von dem Projekt. "Hessen unterstützt dieses Vorhaben, weil es hier nicht nur um die Gewinnung erneuerbarer Energien geht, sondern um Wärmedämmung und damit um die Reduzierung hohen Energieverbrauchs." Ihm sei bewusst, dass die Passivbauweise in der Vergangenheit nicht immer unumstritten gewesen sei, doch habe die Entwicklung bewiesen, dass die Häuser gar nicht so teuer seien und, wie das Beispiel in Nidderau zeige, in ihrer Schlichtheit auf keinen Fall mehr "Hasenställen" gleichen würden.

Al-Wazir wies ebenfalls darauf hin, dass Hessen seinen Energiebedarf im Jahr 2050 vollständig aus erneuerbaren Quellen decken will. "Ohne deutliche Fortschritte bei Energieeinsparung und Energieeffizienz werden wir das nicht schaffen." Deshalb unterstütze das Land Bürger mit Information und Beratung und die Kommunen auch mit finanzieller Förderung bei der energetischen Modernisierung der Gebäude.

Auch der Bürgermeister zeigte sich im Hinblick auf die Bebauung der Neuen Mitte optimistisch: "Von den 123 Baugrundstücken sind aktuell 71 verkauft, die restlichen 52 sind alle reserviert." Die Verzögerung um mehr als ein halbes Jahr sei durch die Proteste gegen die Passivhausbauweise eingetreten, die sich im Nachhinein sich als unnötig heraus gestellt hätten.

Quelle: Gießener Allgemeine

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