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Die hohe Kunst der Illusion: Ehrlich-Brothers verzaubern

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Perfekte Illusionisten: Die Ehrlich Brothers – Chris auf dem Motorrad und Andreas – bieten den Zuschauern in Wetzlar nahezu perfekte Magie. 	(Foto: chl)
Perfekte Illusionisten: Die Ehrlich Brothers – Chris auf dem Motorrad und Andreas – bieten den Zuschauern in Wetzlar nahezu perfekte Magie. (Foto: chl) © Christian Lademann

Wetzlar (chl). Mit Eisenketten an einen Tisch gefesselt, sah er die kreisende Todessäge auf sich zuschnellen. Nur gut 28 Sekunden blieben Magier Chris Ehrlich, um sich zu befreien – oder vermutlich zermalmt zu werden. Schatten- und Videobild zeigen ihn anscheinend live bei seiner Entfesselungssaktion. Doch dann: Piff, paff, peng! Der Vorhang fällt und der Gefangene ist verschwunden.

Zerschreddert? Mitnichten, denn mit einer Hupe macht Chris Ehrlich lautstark auf sich aufmerksam – am hinteren Ende der Rittal-Arena und weit entfernt von der Bühne steht er lachend und winkend in den Zuschauerrängen. Wie kam er nur so schnell dorthin?

Rätselraten, Erklärungsversuche und einfach nur die Verblüffung bringen die Köpfe des Publikums sinnbildlich zum Rauchen. Mit diesem und vielen weiteren beeindruckenden, großen und kleinen Illusionen haben die Ehrlich Brothers – namentlich die Brüder Andreas (36) und Chris (32) Ehrlich aus dem ostwestfälischen Bünde – rund 3200 Zuschauer begeistert.

In ihrer Show »Magie – Träume erleben!« verbogen die Illusionisten-Brüder zudem wie vor einem Jahr in der Stadthalle zwei Eisenbahnschienen derart, dass diese zusammengesetzt ein stählernes Herz ergaben. Das taten sie angeblich nicht allein mit Muskelkraft, sondern mit der »Kraft der Liebe«. Und diese spendete ein aus dem Publikum auserwähltes, seit 45 Jahren verheiratetes Paar. Ein weiterer Zuschauer durfte auf der Bühne mit einem Hammer die Festigkeit der Schienen prüfen. Als weiteren Beweis für das stählerne Material flexten die Magier – bevor sie sich mit scheinbarer Leichtig- keit ans Biegen wagten – auch noch ein Stück ab.

Aus zehn Euro werden fünfzig

Die beiden Protagonisten agierten wie freche Jungs mit spitzbübischem Charme und Raffinesse. Sie scherzten und schäkerten in unterhaltsamer Comedy-Manier, spornten sich mit »Hammer«-Sprüchen an, flirteten mit den Zuschauerinnen und heimsten viel Sympathie ein.

Gleich zum Auftakt präsentierten die bereits zweimal als »Magier des Jahres« (2004 und 2013) ausgezeichneten Brüder ihren jüngsten Clou: Aus einer überdimensional großen und vielleicht gerade einmal 15 Zentimeter dünnen Tablet-PC-Attrappe, von deren Bildschirm aus die darauf projizierten Brüder dem Publikum zunächst zuwinkten, entstieg zuerst Andreas als Schatten und enthüllte sich selbst – und schließlich knatterte Chris auf einem echten Motorrad fahrend aus oder hinter dem Flachbildschirm hervor. Die hohe Kunst der Illusion ist es, dass der Zuschauer nicht sieht, wie der Trick funktioniert.

Wo kam das Motorrad so plötzlich her? Wie groß war die Ablenkung der Betrachter? Einen enormen technischen Aufwand und viel Ausrüstung fahren die Magier für ihre Show auf – oder steckt etwa doch echte Magie dahinter? Als Zuschauer kann man nur miträtseln und versuchen, einen Trick zu durchschauen oder sich von den magischen Momenten gefangen nehmen lassen und an den gelungenen Illusionen erfreuen.

Etwa, wie es Chris Ehrlich schafft, durch eine scheinbar undurchdringliche Stahlplatte zu wandeln. Oder wie die von Andreas chauffierte sprechende und flirtende Kamelhandpuppe Alexandrio mittels angeblicher Gedankenübertragung den Namen der Stadt (Gießen) errät, an den eine ausgewählte junge Frau gerade denkt. Oder wie Chris aus einem Zehn-Euro-Schein eines Gastes erst einen Fünf-Euro- und dann gewinnbringend doch noch einen Fünfzig-Euro-Schein entfaltet.

Einen Gewinn verzeichnete auch eine Zuschauerin, die für einen Trick einen ihrer Schuhe opferte, der in ein mit Wasser gefülltes Aquarium geworfen daselbst scheinbar innerhalb eines Wimpernschlags sich inmitten eines gefrorenen Eisblocks wiederfand: Sie erhielt als Ersatz einen 200-Euro-Schuh-Einkaufsgutschein.

Das Publikum umjubelte die Magier-Brüder für ihren faszinierenden Auftritt. Immerhin zählen sie längst zu den ganz Großen ihres Fachs. Großen Applaus erhielt auch ein junger Gast-Zauberer: Für die Show in Wetzlar hatten die Ehrlich Brothers den elfjährigen Philippe Walter aus Dietzenbach eingeladen, denn das ZDF war da und filmte ihn. Das jüngste Mitglied des Magischen Zirkels Deutschland und Sieger bei den Deutschen Jugendmeisterschaften 2014 der Zauberkunst faszinierte das Publikum nicht nur mit seiner verblüffenden Hütchenspiel-Nummer, sondern auch mit seinen coolen Entertainer-Qualitäten.

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