Befürworter des A 49-Ausbaus haben sich zu einem Arbeitskreis zusammengeschlossen. FOTO: MR//MEDIA GMBH/DPA
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Befürworter des A 49-Ausbaus haben sich zu einem Arbeitskreis zusammengeschlossen. FOTO: MR//MEDIA GMBH/DPA

Hoffen auf die Ruhe nach dem Autobahnbau

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Schwalmstadt/Stadtallendorf- Wieder ein Lkw. Noch einer und noch einer. Der Verkehrslärm an der Bundesstraße 454 ist eine Belastung für die Anwohner. "Sie haben einen großen Balkon, den können Sie gar nicht nutzen, weil es zu laut ist", beschreibt Andreas Stehl die Situation bei ihm vor der Haustür in Schwalmstadt (Schwalm-Eder-Kreis). Deswegen befürwortet Stehl, stellvertretender Ortsvorsteher im Stadtteil Wiera, den umstrittenen Weiterbau der Autobahn 49. "Wir erwarten hier als Anwohner die A 49 schon 30 Jahre. Wir sind froh, dass der Lückenschluss kommt."

Für die neue Trasse zwischen Schwalmstadt und dem geplanten Ohmtal-Dreieck bei Homberg (Vogelsbergkreis) sollen mehrere Hektar Wald gefällt werden. Die Rodungsarbeiten laufen seit dem 1. Oktober, begleitet von Protesten von Umweltschützern. Das Nein der Gegner ist laut und schlagzeilenträchtig - da geht das Ja der Befürworter leicht unter.

Zusammengeschlossen haben sie sich zum "Arbeitskreis A 49", mit dabei sind Unternehmen, Kreise und Kommunen der Region. Das Motto ihrer Initiative lautet: "JA49". Manuel Heinrich, Sprecher des koordinierenden Regionalmanagements Mittelhessen, sagt, die Initiative gebe "all jenen Gesicht und Stimme, die auf die Entlastung der Straßen und Orte hoffen sowie auf bessere Anbindungen".

Darauf setzt vor allem auch die Wirtschaft in der Region zwischen Marburg und Vogelsberg. "Wir benötigen hier in dem ländlichen Raum eine funktionierende Infrastruktur", sagt Ullrich Eitel, Geschäftsführer der Marburger Tapetenfabrik in Kirchhain (Kreis Marburg-Biedenkopf). Als Familienunternehmen mit 300 Mitarbeitern, das auf dem Weltmarkt tätig sei, brauche man die Anbindung an die Metropolen. Die Infrastruktur auf dem Land mit schmalen Nebenstraßen, Lkw-Nachtfahrverboten oder Tempo-30-Regelungen lasse das nicht auf angemessen Weise zu. "Wir sind hier am Ende der Welt." Man verliere Zeit, Geld, habe Kosten und "Nachteile ohne Ende".

Man dürfe nicht nur eine Seite sehen, betont Eitel, der auch Leiter des "Arbeitskreises 49" ist. "Man muss abwägen, was an Landschaft verbraucht wird und welche Umweltschäden entstehen. Aber man muss auf der anderen Seite sehen, dass das auch alles kompensiert wird." Eitel verweist unter anderem auf Wiederaufforstungsprojekte, die als Ausgleich für die Waldrodungen für die A 49 geplant sind. Durch die direktere Verbindung zwischen Gießen und Kassel würden zudem Umwege und Staus vermieden.

Auf mehr Wohn- und Lebensqualität hoffen Anwohner in der Region. Allein über die Bundesstraße 454 fahren täglich Hunderte Lastwagen, Tausende Fahrzeuge sind es insgesamt. Nach den letzten Zahlen der Verkehrsbehörde Hessen Mobil aus dem Jahr 2015 sind darauf beispielsweise in Stadtallendorf (Kreis Marburg-Biedenkopf) pro Tag im Schnitt bis zu 12 700 Fahrzeuge und rund 540 Lastwagen oder Busse unterwegs. Bei Schwalmstadt sind es in der Spitze mehr als 13 000 Fahrzeuge insgesamt und mehr als 600 Lkw.

"Bei uns aus der Hofeinfahrt rauszufahren, ist nichts für schwache Nerven", erzählt Andreas Stehl aus Schwalmstadt. "Und da kriegen Sie auch keine Unterstützung." Er habe auf eigene Kosten beim Nachbarn Spiegel aufhängen lassen. Und gegen den Lärm helfe nur aufrüsten: "Ich habe Mörderfenster gekauft, dreifach verglast mit extra Dezibelminderung, damit man sich aufhalten kann in dem Haus." Das gehe nicht anders.

"Wenn wir auf die Bundesstraße abbiegen wollen, ist das manchmal katastrophal", berichtet Anwohnerin Marlies Engemann aus Neustadt (Kreis Marburg-Biedenkopf). "In erster Linie bin ich für die A 49, damit der Verkehr hier weniger wird, dass auch das Hattenbacher Dreieck und die B 3 entlastet werden." Natürlich denke sie auch an die Natur, sagt Engemann mit Blick auf die Rodungen. Aber es gehe um einen Prozess, der schon viele Jahre laufe. "Man hat ja auch alles versucht, um Alternativrouten zu finden. Das ist die einzige Route, die zulässig ist und durch alle Instanzen durchgewunken wurde." dpa

Quelle: Gießener Allgemeine

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