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»Hochwertige Medizin unter einem Dach« im Brustzentrum

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Wetzlar (wv). »Den Kopf in den Sand zu stecken, ist in den seltensten Fällen eine kluge Taktik - beim Brustkrebs kann diese Taktik tödlich enden«.

Wetzlar (wv). »Den Kopf in den Sand zu stecken, ist in den seltensten Fällen eine kluge Taktik - beim Brustkrebs kann diese Taktik tödlich enden«. Dies erklärte Privatdozent Dr. Ulrich Winkler, Chefarzt der Gynäkologie am Klinikum Wetzlar-Braunfels bei der Eröffnung des 1. Aktionstages »Brustzentrum Lahn-Dill«, zu dem am Samstag über 600 Patientinnen und weitere Interessierte kamen, um sich über die bösartige Erkrankung und die vielfältigen Schritte einer Behandlung zu informieren. In diesem Zusammenhang machte Winkler deutlich, dass die wirksame Behandlung von Brustkrebs heute die Sache eines ganzen Expertenteams sei. Und so hatten die Organisatoren im Klinikum Wetzlar eine ganze Palette an Vorträgen, Führungen und Informationsständen angeboten, die alle das Thema Brustkrebs zum Inhalt hatten.

Für das Ärzteteam hatte Knut Radler, Oberarzt der Gynäkologie und Koordinator des Brustzentrums Lahn-Dill, die Aufgabe übernommen, die neue Einrichtung vorzustellen, in der die medizinischen Experten aller erforderlichen Fachdisziplinen zusammenarbeiten: »Ja, wir haben die hohen Ziele des Anforderungskataloges erfüllt, den die Deutsche Krebsgesellschaft für eine Zertifizierung als anerkanntes Brustkrebszentrum vorschreibt. Damit werden wir in Hessen demnächst das 19. Klinikum sein, das diesen Titel führen darf.«

»Wir bieten den Krebspatienten hochwertige Medizin unter einem Dach, von der Diagnose und Behandlung bis zur Nachsorge«, erläuterteder Gynäkologe, als er auf die ganzheitliche onkologische Betreuung zu sprechen kam. Dazu gehören auch die wöchentlichen Tumorkonferenzen, bei der alle Fachbereiche vertreten sind. Dort werden die einzelnen Behandlungsschritte gemeinsam festgelegt. Damit werde sichergestellt, dass im Brustzentrum Lahn-Dill die neuesten wissenschaftlichen Behandlungsmethoden ein- und umgesetzt werden, wie Radler erklärte. Aber auch die so genannten Kooperationspartner wie Sozialdienste, Seelsorge, Psychotherapie und Ernährungsberatung seien wichtige Partner einer ganzheitlichen Therapie, wie sie von der Deutschen Krebsgesellschaft gefordert werden.

Abschließend nannte Radler einige Leistungsdaten des Brustzentrums Lahn-Dill: Demnach wurden im Jahr 2008 über 300 Brustoperationen durchgeführt, davon 155 Eingriffe wegen Brustkrebs; des weiteren 750 Vorsorgeuntersuchungen und 1500 Mammographien. 300 Brustkrebspatientinnen erhielten eine Strahlentherapie, und über 1500 ambulante und stationäre Chemo- und Antikörpertherapien wurden durchgeführt.

In den anschließenden Vorträgen, die alle im Zentrum der Strahlentherapie angeboten wurden, befassten sich die Chefärzte Wolfram Wannack und Birgitta Killing mit den Möglichkeiten und Grenzen der Radioonkologie und Palliativmedizin bei Brustkrebs. »Das Risiko eines Rückfalls ist um 21 Prozent geringer, wenn der Patient nach der Operation bestrahlt wird« erklärte Wannack, der den interessierten Patienten die beiden neuen Linearbeschleuniger vorstellte, die eine punktgenaue Bestrahlung ermöglichen. Oberärzte der Gynäkologie stellten in ihren Vorträgen moderne Operationsmethoden und Behandlungsmöglichkeiten vor. Auch die vielfältigen Angebote an Führungen und Aktionen kamen gut an. Dabei konnten die Besucher einmal »hinter die Kulissen« der Klinik blicken und dabei Pathologie und Gynäkologie in Augenschein nehmen. Großer Andrang auch bei der Brustsprechstunde und der fachlichen Anleitung zur Selbstuntersuchung.

Über das große Interesse der Besucher freuten sich auch die Besatzungen an den 14 Informationsständen im Foyer der Klinik, unter ihnen Selbsthilfegruppen, Ernährungsberatungen, Pflege- und Sozialdienste, sowie Sanitätshäuser und das Hospiz »Haus Emmaus«. Sie boten vielfältige Informationen und Hilfen an.

»In Deutschland erkranken jährlich rund 60 000 Frauen an Brustkrebs, und viele davon enden tödlich, wenn der Krebs zu spät erkannt wird. Darum gehen Sie rechtzeitig zur Vorsorge«, ermutigte Winkler die Besucherinnen.

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