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Hitlergruß im Suff kostet 1600 Euro

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Gießen (sha). Weil er betrunken den Arm zum Hitlergruß erhoben hatte, ist ein 45-Jähriger vom Amtsgericht Gießen zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Sein Mandant sei kein Neonazi. Das machte Verteidiger Carsten Marx in der Verhandlung immer wieder deutlich. Der Mann aus einer Kreiskommune habe »nicht als Überzeugungstäter« gehandelt, sondern »im Suff eine Riesendummheit gemacht, sich durch andere Vollidioten aufstacheln lassen«. Dass auch so ein Verhalten nicht vor Strafe bewahrt, unterstrich Richter Wolfgang Hendricks am Dienstag in der Verhandlung: Er verurteilte den 45-Jährigen zu einer Geldstrafe von 1600 Euro (40 Tagessätze zu 40 Euro).

»So eine Tat muss Konsequenzen haben«, betonte Hendricks. »Fahrlässiger Vollrausch« steht im Urteil. Verteidiger Marx hatte in Verbindung mit der Schuldfähigkeit seines Mandanten ausdrücklich auf dessen Alkoholisierung hingewiesen. Und betrunken war der Angeklagte in der Tat: 2,85 Promille Atemalkohol stellten Beamte am 23. November 2013 bei dem Mann fest. Kurz zuvor hatte dieser in einem Zug, der gerade in den Gießener Bahnhof einfuhr, den Hitlergruß gezeigt.

Erinnern konnte sich der Angeklagte an praktisch nichts mehr. Aber: »Wenn ich das gemacht habe, tut’s mir leid, das ist nicht meine Art.« Er habe weder mit rechts- noch mit linksextremen Gruppierungen etwas zu tun, beteuerte er. Seine Leidenschaft gilt vielmehr dem Fußball, besonders der Frankfurter Eintracht. An jenem Tag war er wieder einmal auf dem Rückweg von einem Heimspiel gewesen, hatte »einige Bier und auch Schnäpse« getrunken. Im Zug nach Hause saßen auch Fans der gegnerischen Mannschaft – Schalke 04.

Eine Zeugin berichtete, zwei Schalke- Fans hätten bei der Einfahrt des Zuges nach Gießen Bemerkungen über die Schreibweise der Universitätsstadt gemacht. »Schreibt man das mit ß oder mit ss – wie früher?« Als dann die Lautsprecherdurchsage »Ausstieg in Fahrtrichtung rechts« kam, habe der Kreis-Gießener den rechten Arm zum Hitlergruß ausgestreckt.

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