Hinter der heilen Fassade regiert der Irrsinn

Bad Vilbel (cf). Wortwitz, Situationskomik, Einfallsreichtum und eine gehörige Portion schwarzer Humor – das alles zeichnet die Eigeninszenierung "Arsen und Spitzenhäubchen" der Burgfestspiele aus.

Die Komödie "Arsen und Spitzenhäubchen" gilt als eine der erfolgreichsten Kriminalkomödien aller Zeiten; zurecht wie jetzt die Inszenierung in der historischen Wasserburg von Regisseurin Adelheid Müther zeigte. Vor allem das hochkarätige Schauspielerensemble begeisterte.

Die Komödie von Joseph Kesselring ist eine Satire auf die amerikanischen Lebensverhältnisse, die materiellen Wohlstand, sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe, Freundlichkeit, gute Umgangsmanieren, Wohltätigkeit und Gastfreundschaft propagieren. Das gesellschaftliche Ideal verinnerlicht haben die beiden mörderisch netten Schwestern Abby (Brigitte Janner) und Martha Brewster (Christiane Bruhn) aus Brooklyn. Sinnbild ihres bürgerlichen Scheins sind das rosafarbig gestaltete Bühnenbild mit Spitzendecken, Bildern und plüschigem Mobiliar.

Kein Platz für Männer

In der Welt der beiden betuchten Damen ist kein Platz für Männer – höchstens als Leiche im Keller in einer vom geistig verwirrtem Neffen Teddy Brewster (Andreas Krämer), ausgehobenen "Schleuse". Dort finden zwölf alleinstehende Herren, die ein Zimmer zur Untermiete suchten, eine letzte Ruhestätte. Nur der erste, der Baptist Mister Mitchling, starb einen natürlichen Todes nach einem Herzanfall. Alle anderen hatten ein Glas des von den Schwestern hergestellten Holunderweins getrunken, der mit Arsen, Strychnin und Zyankali angereichert ist. Mit ihrem vergifteten Wein erlösen die Damen die älteren Herren von ihrer Einsamkeit und bringen sie "Gott näher". Außer ihnen ist Teddy, der sich einbildet, der amerikanische Präsident Theodore Roosevelt zu sein, eingeweiht. Er glaubt aber, es handele sich bei den Toten um "Gelbfieber-Opfer".

Auf die Schliche kommt dem Trio durch Zufall Neffe Mortimer Brewster (Tilmar Kuhn), ein Theaterkritiker. Kurz nach seinem Heiratsantrag an die Pfarrerstochter Elaine Harper (Eva-Maria Kapser), macht Mortimer eine grausige Entdeckung. In der Fenstertruhe haben seine liebenswerten Tanten Mr. Hoskins "zwischengelagert". "Der Herr starb, weil er ein Glas Wein mit Gift getrunken hat", erzählt Tante Abby.

Unruhe ins trügerische Idyll der Familie Brewster, hinter deren heilen Fassade Anarchie und Irrsinn regieren, bringt Mortimers Plan, seine Tanten vom Morden abzubringen. Turbulent wird es, als der verschollen geglaubte wahnsinnige Jonathan Brewster (Björn Geske) auftaucht. Als der polizeilich gesuchte Serienmörder erfährt, dass seine Tanten eine Leiche mehr auf dem Konto haben als er, stellt er Mortimer nach. Dieser will das Problem seiner Tanten lösen, indem er Teddy in die Nervenheilanstalt einweisen will. Doch er hat die Rechnung ohne seine cleveren Tanten gemacht.

Die verteidigen ihre heile Welt vor dem Polizeichef Leutnant Rooney (Kai Möller) ebenso wie vor dem Direktor der Heilanstalt, Mr. Witherspoon (Hans-Jörg Frey). Für Mortimer haben die Tanten am Ende noch eine schöne Überraschung parat. Er ist der leibliche Sohn einer ehemaligen Köchin und somit nicht mit der wahnsinnigen Familie Brewster blutsverwandt.

Müther hat die Komödie "Arsen und Spitzenhäubchen" als turbulentes Lustspiel inszeniert. Den elf Schauspielern konnte man ihre Spielfreude zu jeder Zeit des Stückes ansehen. Alle spielten ihre Rollen bravourös, was das Premierenpublikum mit anhaltendem Applaus bekräftigte. Große Mühe gaben sich die Maskenbildner mit dem Gesicht von Jonathan.

Auch an Ausstatterin Doris Engel geht ein Lob für das geschmackvolle Bühnenbild und die Kostüme.

Quelle: Gießener Allgemeine

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