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Bahnstrecken in Hessen wegen „Herstellerfehler“ von Sperrung bedroht

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Von: Constantin Hoppe

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Die Deutsche Bahn steht vor großen Herausforderungen, die auch Reisende beeinträchtigen werden. Jahrelang können wichtige Strecken zu Baustellen werden.

Hessen – Schlechte Nachrichten für Bahnkunden: Die Deutsche Bahn (DB) muss bundesweit 47 Strecken sperren, zahlreiche weitere können nur mit verringertem Tempo befahren werden. Der Grund dafür ist das Auffinden fehlerhafter Bahnschwellen, die zu Unfällen führen könnten.

Schuld sind jene Betonschwellen, die auch das Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen mit fünf Toten und vielen Verletzten Anfang Juni aufgrund eines Herstellerfehlers mit ausgelöst haben könnten. Bahnschwellen aus der gleichen Produktions-Charge des Herstellers wurden deutschlandweit verbaut.

Gleiserneuerung in Hamburg
Zahlreiche Gleise in ganz Deutschland müssen aufgrund von schadhaften Schwellen erneuert werden. (Symbolbild) © Bodo Marks/dpa

Deutsche Bahn: 165 Problemstellen in ganz Deutschland

Ende Juli machte die Deutsche Bahn publik, dass sie nach dem tödlichen Unfall von Garmisch-Partenkirchen 200.000 Betonschwellen im gesamten Bahnnetz auf Schwachstellen prüfen muss. Die Überprüfung würde aufgrund eines Herstellerfehlers nötig werden und werde über den August hinweg abgeschlossen. Dadurch wurde das wahre Ausmaß der Schäden offenbar: Die Deutsche Bahn spricht von deutschlandweit 165 Problemstellen, die nun gesperrt werden müssen, oder nur noch mit verringerter Geschwindigkeit befahren werden dürfen.

Nach einem Bericht, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt, musste die Deutsche Bahn im August bundesweit 47 Abschnitte aufgrund der fehlerhaften Bahnschwellen ganz sperren, an 118 weiteren Passagen musste der Konzern das Tempo teils deutlich verringern. Am vergangenen Freitag habe die Bahn nun mitgeteilt, dass die Zahl der Problemstellen wieder leicht gesunken sei, es gebe jedoch noch 31 Sperrungen und 124 Passagen mit Tempolimit, schreibt die Süddeutsche Zeitung.

Deutsche Bahn: Defekte Bahnschwellen verbaut – Massive Auswirkungen auf den Zugverkehr

Die Vielzahl der Sperrungen wirkt sich massiv auf den Zugverkehr aus, wie die DB mitteilte: Zwar geht es an den meisten Stellen nur um kurze Trassenabschnitte, doch längere Umleitungen führen zu Folgen für den gesamten Verkehr und können zu erheblichen Änderungen bei der Planung von Ankunfts- und Abfahrtszeiten führen. 

Am vergangenen Freitag (2. September) habe die Deutsche Bahn nun mitgeteilt, dass die Zahl der Problemstellen wieder leicht gesunken sei, es gebe jedoch noch 31 Sperrungen und 124 Passagen mit Tempolimit.

Betroffen sind schwerpunktmäßig die Bundesländer Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Aber auch Gleise in Hessen sind betroffen: gleich mehrere Stellen der Bahnlinie Frankfurt-Göttingen, zwischen Frankfurt und Fulda und eine Stelle bei Kassel können nur noch mit langsamem Tempo befahren werden. Diese Beeinträchtigungen sollen nun laut DB so schnell wie möglich behoben werden.

Deutsche Bahn: Strecken sollen Ende des Jahres wieder normal befahren werden

Zwar kündigte die DB an, den größten Teil der Arbeiten noch bis zum Jahresende zu beheben, jedoch werde sich der Austausch der Schwellen auch in das kommende Jahr ziehen. Die Arbeiten könnten sogar noch länger dauern, denn die Bauressourcen sind knapp und es könnte zudem zu verzögerten Lieferzeiten kommen. Auf ersten Strecken seien Schwellen bereits ausgetauscht worden, für rund 90 Prozent der betroffenen Strecken seien konkrete Bautermine eingeplant.

Dabei haben zunächst die Strecken Priorität, die besonders hoch ausgelastet und für einen stabilen Fern-, Regional- und Güterverkehr von großer Bedeutung sind. Der Schaden für die Deutsche Bahn liege im dreistelligen Millionenbereich, wie die DB in einer Pressemitteilung berichtet. Derzeit werde eine mögliche Schadensersatzforderung gegen den Bahnschwellen-Hersteller juristisch geprüft.

Aus der Politik kommen eindringliche Mahnungen an den Konzern: „Sicherheit hat ganz klar Vorrang“, fordert Matthias Gastel, bahnpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, gegenüber focus.de. „Die Deutsche Bahn muss jetzt alles daran setzen, die schadhaften Bahnschwellen zügig auszutauschen und die Langsamfahrstellen zu beseitigen.“ (con)

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