Siegfried Bank und seine Frau Anni stehen in Lederhose und Dirndl vor einer Bergkulisse.
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Das Ehepaar Bank aus Borken im Urlaub: Die 69-Jährige starb im Corona-Lockdown alleine im Krankenhaus. Ihr Mann Siegfried kann die Debatten ums Impfen deshalb kaum mehr ertragen.

Konnte sich nicht verabschieden

„Corona bringt so viel Leid“: Mann will nach Tod der Frau keine Impfdebatte hören

  • VonClaudia Brandau
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Die Frau von Siegfried Bank aus Borken in Nordhessen starb in der Corona-Krise allein im Krankenhaus. Er konnte sich nicht verabschieden. Nun hat er einen brennenden Appell.

Borken – Das Haus von Siegfried Bank aus Borken (Hessen) ist ein Weihnachtstraum, alles ist liebevoll geschmückt und dekoriert. „Meine Frau hatte ihre Freude daran“, sagt der Borkener, der in diesem Advent alles alleine herrichtet. Seine Frau Anni, mit der er fast 46 Jahre verheiratet war, starb vor zehn Monaten im Krankenhaus.

Noch immer leidet der 67-Jährige darunter, dass er ihr nicht beistehen konnte – in der Pandemie gab es kein Besuchsrecht. Deshalb kann er die Debatte um die Impfpflicht kaum ertragen: Seine Frau starb allein. Ohne Abschied. Was das bedeute, das könnten sich die, die sich voller „Ignoranz und Egoismus“ gegen das Impfen wehrten, nicht vorstellen, sagt der Borkener. Aber auch ihnen wünsche er nicht, was er erlebt habe.

Tragische Corona-Geschichte aus Hessen: Siegfried Bank konnte nicht Abschied nehmen

Anni Bank ging es am Jahresanfang kurz nach einer Operation gut, sie war zu Hause, fröhlich, hatte selbst die Chemotherapie am Tag zuvor gut verkraftet. Bis sie einen Arm nicht mehr bewegen konnte. Siegfried Bank rief in der Sorge, dass es sich um einen Schlaganfall handeln könnte, einen Krankenwagen. „Ich habe aber keine Sekunde lang geglaubt, dass es das letzte Mal sein könnte, dass ich sie sehe“, sagt er.

Doch so schlimm es ist – so war es. Anni Bank hatte tatsächlich einen Schlaganfall erlitten, kam in eine Klinik – und hatte dort eine Zimmernachbarin. Eigentlich kein Thema, aber: Die Frau war coronapositiv, wie sich herausstellte. Ob Anni Bank sich bei ihr angesteckt hatte, ob sie ebenfalls das Virus trug, wurde nicht geklärt – die Borkenerin verstarb an einem Herzinfarkt.

Dennoch musste ihr Leichnam vorsichtshalber als Coronaverdachtsfall behandelt werden. „Es weiß niemand, was das für die Angehörigen bedeutet“, sagt Bank. Für ihn bedeutete es: „Ich konnte sie nicht trösten, ihr nicht die Hand halten, ihr keinen Mut zusprechen, mich nicht von ihr verabschieden,“ sagt er – und man spürt das Leid, das dieser Gedanke auslöst.

Corona in Hessen: Siegfried Bank kann Impf-Debatte nicht verstehen

Was ihm zudem zu schaffen macht: „Wir hatten uns fest versprochen, dass keiner von uns allein sterben muss.“ Doch keiner der beiden, die gerade froh und glücklich auf die Geburt des zweiten Enkelchens warteten, hatte ahnen können, dass der Abschied so früh kommen würde – und keiner hatte nur den Hauch einer Vorstellung davon, dass Corona selbst solche Versprechen brechen würde.

Doch dieses Wissen mindert weder den Verlust noch das Leid. Als Siegfried Bank und seine Söhne in die Klinik kamen, um von der Frau und Mutter Abschied zu nehmen, mussten sie Schutzkleidung tragen, durften die Verstorbene nicht berühren.

Das alles ist bald elf Monate her. Damals wurden gerade die allerersten Impfungen im Altersheim gesetzt. Jetzt aber ist Impfstoff für alle vorhanden – aber längst nicht jeder will ihn sich geben lassen. Siegfried Bank kann das nicht verstehen, er ist erbost über die endlosen Debatten und Diskussionen, die für ihn die Pandemie nur verlängern, statt sie in den Griff zu bekommen. Er ist sicher: „Wenn die Menschen wüssten, wie viel Leid Corona auch über die Menschen bringt, die das Virus nicht mal selbst haben, sie würden sich impfen lassen – um sich und andere zu schützen.“

Einsamer Tod der Frau im Krankenhaus: Mann aus Hessen mit eindringlichem Corona-Appell

Corona hat auch den Wunsch nicht erfüllt, den Anni Bank als gläubige Christin immer hatte: „Zieh mir nur was Gescheites an, damit ich gut aussehe, wenn ich vorm Herrgott stehen soll,“ hat sie oft zu ihrem Mann gesagt. Der hat ihr schönes weißes Kleid zu ihr in den Sarg legen lassen, das sie im Leben kein einziges Mal tragen konnte. Mehr war nicht möglich.

Auch heute wird das oft nicht anders möglich sein: Auch bald elf Monate nach dieser tragischen Geschichte ist die Lage kaum eine andere – obwohl mittlerweile längst genügend Impfstoff bereitsteht. Siegfried Bank kann das nicht nachvollziehen. Sein Appell an alle: sich impfen lassen. Sich solidarisch zeigen. Und damit die Wahrscheinlichkeit senken, dass sich solch schlimme Abschiede wiederholen wie der, den er erlebt hat. (Claudia Brandau)

Eindringliche Appelle, wie der von Siegfried Bank, werden in Hessen immer wieder laut. Ein Corona-Intensivpatient aus Gießen erzählte dieser Zeitung, es sei ein „Riesenfehler“ gewesen, sich nicht impfen zu lassen (hier die ganze Geschichte). Ein Fehler, den der Familienvater „fast mit dem Leben bezahlt“ habe.

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