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Haftstrafe nach bizarrer Tat

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Hanau (dpa/lhe). Eine Erklärung für die grausame Attacke ist der Angeklagte bis zuletzt schuldig geblieben: Ohne nachvollziehbare Hinweise auf ein Motiv ist der Hanauer Prozess um eine Gesichtsverstümmelung am Donnerstag zu Ende gegangen. Das Landgericht verurteilte den Angeklagten zu neuneinhalb Jahren Gefängnis. Der Flüchtling aus Eritrea nahm das Urteil äußerlich regungslos zur Kenntnis. Die Richterin sprach von einer »brutalen und bizarren Tat«.

Hanau (dpa/lhe). Eine Erklärung für die grausame Attacke ist der Angeklagte bis zuletzt schuldig geblieben: Ohne nachvollziehbare Hinweise auf ein Motiv ist der Hanauer Prozess um eine Gesichtsverstümmelung am Donnerstag zu Ende gegangen. Das Landgericht verurteilte den Angeklagten zu neuneinhalb Jahren Gefängnis. Der Flüchtling aus Eritrea nahm das Urteil äußerlich regungslos zur Kenntnis. Die Richterin sprach von einer »brutalen und bizarren Tat«.

Augenlider abgetrennt

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann einen befreundeten Flüchtling (18) aus Somalia bei einem Besuch in dessen Wohnung in Schlüchtern attackierte. Er habe ihm mit zwei Messern in den Hals gestochen und anschließend die Augenlider und Teile der Ohren abgetrennt. Auch die Augäpfel wurden massiv verletzt, das Opfer ist seither nahezu blind. Verurteilt wurde der Angeklagte nicht wie ursprünglich angeklagt wegen versuchten Mordes, sondern wegen versuchten Totschlags und schwerer sowie gefährlicher Körperverletzung.

Der Angeklagte schwieg bis zuletzt zu den Tatvorwürfen. Am Donnerstag meldete er sich aber das erste Mal zu Wort. Sein Anwalt verlas eine Erklärung: An die vorgeworfenen Taten könne er sich nicht erinnern. Wohl aber, dass er zuvor mit dem 18-Jährigen Playstation gespielt habe. Das spätere Opfer habe gewonnen, ihn ausgelacht und beschimpft. Staatsanwaltschaft und Nebenklage hielten diese Darstellung als Erklärung für das spätere Tatgeschehen für unglaubwürdig. Kriminologen rätseln über den Fall. Unbeantwortet blieb auch die Frage nach dem Alter des Angeklagten. Laut einem Gutachten ist er 26 Jahre alt oder älter. Er hatte angegeben, 20 Jahre alt zu sein. Somit kam nicht mehr Jugend-, sondern Erwachsenenstrafrecht zur Anwendung.

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