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Haftstrafe gegen Wetzlarerin wegen versuchten Totschlags

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Limburg/Wetzlar (dfl). Das Limburger Schwurgericht hat eine 29-jährige Frau aus Wetzlar zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Die gelernte Hauswirtschafterin ist des versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung schuldig. Sie hatte am späten Abend des 8. Januar einem 51-jährigen Kioskbetreiber in dessen Wetzlarer Wohnung zunächst Pfeffer ins Gesicht geschleudert und danach mit einem Messer drei Mal auf ihn eingestochen. Das Opfer trug schwerste Verletzungen davon.

Der Mann ist auch heute noch psychisch stark belastet. Die Strafkammer unter der Vorsitzenden Richterin Karin Walter stellte fest, dass die Angeklagte nicht – wie von ihr dargestellt wurde – aus Notwehr vor einer Vergewaltigung gehandelt habe. Vielmehr habe sie Geld aus einer Jackentasche im Schrank des Kioskbesitzers entnehmen wollen, um zu einem neuen Geliebten nach Berlin fahren zu können und sei dabei von dem Mann überrascht worden.

Für den Fall, dass sie bei ihrem Vorhaben erwischt werde, habe sie ein Glas Pfeffer und das von einem Bekannten geliehene Messer mit in die Wohnung gebracht. Die Angeklagte sei der Auffassung gewesen, dass sie für ihre Reinigungsdienste bei dem alleinstehenden 51-Jährigen noch 900 Euro zu bekommen hätte, die er ihr vorenthalten habe.

Ihre Einlassung, sie habe sich bewaffnet, falls er über ihre Nachricht böse werde, dass sie zu ihrem neuen Freund ziehen, dort eine Therapie anstrebe und über die Vergewaltigungen sprechen wolle (schließlich habe der 51-Jährige eine Pistole besessen), ließ das Gericht nicht gelten. Die Behauptung der voll schuldfähigen Frau, wonach der Mann sie bereits zweimal vergewaltigt habe und sie sich vor einer dritten Vergewaltigung zur Wehr setzen wollte, sei ebenso widerlegt. Das Gericht ist aufgrund der zwischen ihr und dem Mann ausgetauschten Kurzmitteilungen per Handy davon überzeugt, dass sehr wohl eine sexuelle Beziehung bestanden hat. »Welche Frau sucht schon freiwillig am späten Abend einen Mann auf, von dem sie zweimal vergewaltigt worden ist?«, fragte die Vorsitzende Richterin.

Problematische Vergangenheit

Auch die Aussage des als Nebenkläger auftretenden Geschädigten, es habe keine sexuellen Kontakte gegeben, ließ das Gericht nicht gelten und begründete diese Äußerung mit seiner angesehenen Stellung in seiner Kirchengemeinde.

Der von der Staatsanwaltschaft angeklagte versuchte Mord konnte von der Kammer nicht sicher festgestellt werden. Der Oberstaatsanwalt hatte dafür eine achtjährige Freiheitsstrafe beantragt, die Verteidigerin wegen Notwehr auf Freispruch plädiert.

Die Richterin referierte die problematische Vergangenheit der aus dem Emsland stammenden Frau und Mutter zweier Kinder, die ihren Ehemann in Südhessen überraschend wegen eines neuen Lebensgefährten in Katzenelnbogen verlassen habe. Der neue Liebhaber im Rhein-Lahn-Kreis habe ihr schließlich den Laufpass gegeben, sie habe dann mit einem türkischen Mann in Limburg angebandelt.

Vor allen Männern habe sie wegen angeblicher Gewaltanwendung in Frauenhäusern Unterschlupf gesucht. In Limburg wurde sie des Frauenhauses verwiesen. Die Frau habe kein Sorgerecht mehr für ihre Kinder und wurde zweimal von Gerichten bestraft. Das alles werfe kein gutes Licht auf die Angeklagte, die keine Reue zeige.

Die 29-Jährige ließ das Urteil und die Urteilsbegründung ohne besondere Regung über sich ergehen.

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