SPD und Grüne liegen laut Umfrage vorn

Wiesbaden (dpa/lhe). Fünf Monate vor der Landtagswahl sehen SPD und Grüne den politischen Wechsel in Hessen in greifbarer Nähe: Nach der Veröffentlichung einer neuen Umfrage kündigten die beiden Oppositionsparteien am Donnerstag in Wiesbaden weitere Anstrengungen an, um am 22. September Schwarz-Gelb abzulösen.

In der Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen, die von »FAZ« und Hit Radio FFH in Auftrag gegeben wurde, kommen die Regierungsparteien CDU und FDP auf lediglich 41 Prozent. SPD und Grüne haben – ähnlich wie schon in Umfragen der vergangenen Jahre – mit 49 Prozent weiterhin eine stabile Mehrheit.

Die CDU würde zwar mit 36 Prozent stärkste Partei bleiben, aber ihr Ergebnis der Landtagswahl von 2009 von 37,2 Prozent nicht erreichen. Die Sozialdemokraten erreichen 33 Prozent – das sind etwa zehn Prozentpunkte mehr als vor vier Jahren.

Die FDP würde mit fünf Prozent zwar wieder in den Landtag einziehen. Doch 2009 hatten die Liberalen 16,2 Prozent erzielt. Für die Grünen sprechen sich 16 Prozent der Befragten aus (2009: 13,7). Die Linke (2009: 5,4 Prozent) würde mit vier Prozent nicht mehr dem Parlament angehören.

Die am vergangenen Wochenende gegründete »Alternative für Deutschland« (AfD) wäre ebenso wie die Piraten mit jeweils weniger als drei Prozent abgeschlagen. Hessen stimmt am 22. September zeitgleich über Landtag und Bundestag ab.

Beliebtester Politiker in Hessen ist derzeit Grünen-Chef Tarek Al-Wazir, Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) liegt auf dem zweiten Rang nur leicht vor seinem Herausforderer Schäfer-Gümbel. Das drängendste Problem für die weitaus meisten Hessen ist derzeit die Schulpolitik. Eine große Mehrheit findet es laut Umfrage gut, dass die Gymnasialzeit vom kommenden Schuljahr an auch wieder neun Jahre dauern darf. 83 Prozent begrüßen die neue Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9.

Hoffnung auf »Merkel-Effekt«

Zustimmung findet auch die Klage des Landes gegen den Länderfinanzausgleich. 67 Prozent sind der Meinung, es sei richtig, dass sich das Land gemeinsam mit Bayern gegen die Transferzahlungen zugunsten ärmerer Bundesländer zur Wehr setzt.

Die hessische SPD habe sich vom schwachen Bundestrend deutlich abgekoppelt, sagte Schäfer-Gümbel am gestrigen Donnerstag. Offensichtlich sei die Neuaufstellung besser gelungen als im Bund. Der SPD-Chef kündigte an, dass seine Partei stärkste Kraft im Landtag sein wolle.

»Die Umfrage zeigt, dass die Hessen den Wechsel wollen«, sagte der Grünen-Chef Al-Wazir. Die sei nur mit starken Grünen möglich.

Die Union sei weiterhin stärkste Partei und werde bis zur Wahl noch aufholen, erklärte CDU-Generalsekretär Peter Beuth. Im Vergleich zur Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen vom Dezember 2011 habe Schwarz-Gelb kräftig aufgeholt.

FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn sprach von einem positiven Trend, da seine Partei im vergangenen Jahr noch schlechter gelegen habe. Die Regierung müsse aber ihre Erfolge noch deutlicher machen.

Angesichts der stabilen Wechselstimmung bleibt für Schwarz-Gelb nicht mehr viel Zeit, das Ruder herumzureißen. Am Wahltag selbst gibt es dann nur noch die Hoffnung auf den »Merkel-Effekt«: Wer im Bund am 22. September für die Kanzlerin stimmt, soll auch in Hessen sein Kreuzchen bei CDU und FDP machen. Allerdings sind Wahlforscher wie unter anderem der Darmstädter Politologe Arthur Benz der Ansicht, dass der Wähler sehr wohl zwischen Bund und Land unterscheiden kann.

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