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Ab ins Grüne

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Für die eine ist es ein »Grün-Rausch« und Kurzurlaub vom Computer-Bildschirm, der andere entwickelt bei Spaziergängen neue Ideen zum Wohl des Landes. Prominente aus Hessen sagen, was ihnen ein Besuch im Wald gibt. Viele geraten förmlich ins Schwärmen.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU/66) nimmt von einem Waldbesuch die Freude an der Natur mit. Er spende Ruhe und gebe die Chance, mal abzuschalten. Ein Spaziergang – mal kürzer, mal länger – gebe Gelegenheit, neue Idee zu entwickeln. Besonders lohnend für einen Besuch hält er den Kellerwald in Nordhessen. Am liebsten wählt Bouffier »in meiner Heimat den Schiffenberger Wald«. Gerne denkt Bouffier an einen Besuch im Baumwipfelpfad auf dem Hoherodskopf im Vogelsberg und eine Wanderung im Märchenwald bei Hofgeismar zum Dornröschen-Schloss zurück. Er will mit der Landesregierung weiter zum Erhalt des Waldes beitragen: »Wir tun sehr viel für den Wald in Hessen und ich freue mich, dass die Waldbestände zu- und nicht abnehmen.«

Bouffiers Stellvertreter, Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir, verbindet ganz andere Erlebnisse und Erinnerungen mit dem Wald: »Ich bin sozusagen im Wald politisch sozialisiert worden«, erzählt der Grünen-Politiker. »Als Kind wurde ich oft ins Hüttendorf gegen die Startbahn West am Frankfurter Flughafen mitgenommen. Der Kampf gegen die Flughafenerweiterung war auch ein Kampf um den Wald. Das waren prägende Erlebnisse für einen Elfjährigen.«

Moderatorin und Autorin Bärbel Schäfer (54) sagt: »Waldbesuche sind wie ein Grün-Rausch, ein Kurzurlaub vom Blau des Bildschirms. Es sind Begegnungen mit uns selbst, ein Entfernen vom Großstadtlärm. Hier spüre ich Zeitlosigkeit.« Schäfer wandert gern oder dreht eine Runde mit dem Hund. Ihre Empfehlung für den nächsten längeren Abstecher ins Grüne: »Fichtenwälder mit hellem Sandboden im Norden und der Bayerische Wald.« Wenn mal nicht viel Zeit bleibt, ist sie im Taunus unterwegs. Schlechte Laune bekommt Schäfer allerdings, wenn Mountainbiker mit Kopfhörern durch die Gegend rasen und die Natur zerstören.

Lottofee, Autorin und Theaterregisseurin Franziska Reichenbacher (50) findet den Wald – so wichtig er auch ist – unheimlich: »Hinein gehe ich nicht so gern. Die Wälder, denen man die forstwirtschaftliche Nutzung allzu sehr ansieht, finde ich als Spaziergänger eher deprimierend. Und die noch ursprünglicher wirkenden Wälder mit viel Unterholz, bemoosten Steinen, Farnen und Bächlein sind zwar wunderschön, mir aber unheimlich.« Sie sieht aber auch die positiven Effekte: Sicher habe der Wald eine positive, heilende Wirkung, etwa bei Spaziergängen und Wanderungen. »Also muss ich mich doch mal wieder in unsere hessischen Wälder aufmachen, bevorzugt in die wilden Wälder wie im Vogelsberg oder in Nordhessen.«

Volker Jung (58), Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), sucht im Wald Entspannung: »Meistens wird der Kopf wieder frei.« Er wohnt am Darmstädter Stadtrand und joggt zwei- bis dreimal pro Woche. Zurzeit bevorzugt er das Oberfeld in Darmstadt. »Aus alter heimatlicher Verbundenheit kann ich auch den Vogelsberg sehr empfehlen. Er hat eine herbe Schönheit. Und die Luft ist ziemlich gut.« Als Jogger hatte er dort in Lauterbach schon mal eine aufregende Begegnung mit einer Rotte Wildschweinen. »Mein Schreck war zum Glück größer als die Beachtung der Wildschweine.« Er freut sich, dass viel für den Wald getan wird. »Der entscheidende Punkt ist nicht nur der Erhalt. Der Umbau in eine nachhaltige, ökologische Waldwirtschaft bleibt eine Herausforderung. Und den Wald an den Klimawandel anzupassen, ist eine riesige Zukunftsaufgabe.«

Für HR-Moderator Holger Weinert (66) ist der Wald die »typisch deutsche, urwüchsige Natur«: »Eigentlich leben wir hierzulande im Dschungel. Das merkt man, wenn man von einer kargen südeuropäischen Insel zurückkehrt. Deshalb lieben Araber deutsche Wälder.« Weinert wohnt unmittelbar am Wald. »Der ist ja in Frankfurt und Offenbach ganz präsent. Er ist wie eine Klimaanlage. Bei mir ist es immer deutlich kühler als in der Stadt, was in einem Sommer wie diesem wirklich einen Wert hat.«

Das in Mittelhessen wohnende Schlager-Duo Die Amigos liebt die Ruhe und Freiheit im Wald. »Bei uns ist zum Beispiel der Vogelsberg oder auch der Wald direkt an den Stadtgrenzen von Hungen und Villingen einen Besuch wert«, findet Bernd Ulrich (67). Er hat schöne Erinnerungen aus Kindertagen an den Wald: »Dort haben wir oft gespielt. Aus Rinden haben wir kleine Schiffe geschnitzt, die haben wir dann auf dem Bach schwimmen lassen, und Hütten gebaut haben wir auch und Vögel beim Nisten beobachtet. Der Wald war für uns immer spannend und nie langweilig, weil es so viel zu entdecken gab.« (Foto: dpa)

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