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Großmutter grausam getötet

Limburg/Wetzlar (dfl). Ein 31-jähriger Mann aus Wetzlar hat am Montag vor einem Schwurgericht am Landgericht Limburg den Mord an seiner 81-jährigen Großmutter gestanden. Der Angeklagte, der seit seiner Festnahme am 27. Oktober vorigen Jahres in einer psychiatrischen Klinik untergebracht ist, hatte mit der Großmutter in Wetzlar-Blasbach unter einem Dach gelebt und in der Nacht zum 26. Oktober die schlafende Frau umgebracht.

Die Großmutter wohnte im Stockwerk über ihm. Laut Anklage schlich er in ihr Schlafzimmer, schlug ihr im Dunkeln mindestens acht Fausthiebe ins Gesicht und würgte sie. Sodann stach er mit einem Messer etwa 35 Mal auf Kopf und Oberkörper der sich wehrenden Frau ein. Er verschloss das Schlafzimmer, packte seine Sachen in Säcke und legte sich in seiner Wohnung schlafen. Am nächsten Abend wurde er auf der Flucht mit dem Pkw seines Großvaters am Bahnhof Neuwied festgenommen. Auf Befragen des Gerichts sagte er, dass er nach der Tat Licht eingeschaltet und die Großmutter zugedeckt habe. »Es tut mir leid, ich habe es zutiefst bereut, aber keine Macht der Welt kann es rückgängig machen«, sagte der Angeklagte mit klarer Stimme und fügte hinzu: »Hätte ich nicht dort gewohnt, wäre nichts passiert.«

Sechs Jahre in Buseck

Als Motiv für seine Tat nannte der geisteskranke Mann Rachegedanken. Er sei damals davon ausgegangen, dass ihm seine Großmutter heimlich Maden ins Essen und in Getränke mische, die er im Kopf und in seinem Körper gespürt habe. Außerdem habe ihn die Oma zwei Jahre lang zu allen Tages- und Nachtzeiten gemaßregelt, Fernseher und Musik leiser zu stellen und ihm wiederholt mit der Kündigung der Wohnung gedroht.

Der Staatsanwalt sprach von einer heimtückischen und grausamen Tat, die der Angeklagte im Zustand verminderter Schuldfähigkeit begangen habe. Für den 31-Jährigen komme eine dauerhafte Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus in Frage.

»Das mit den Maden war ein Irrtum von mir«, sagte er am Montag während seiner Einlassung. Weil er von den Tabletten müde geworden sei, immer nur Hunger verspürt, beträchtlich zugenommen habe und es alleine schaffen wollte, habe er die Medikamente mit ärztlicher Zustimmung im Frühjahr vorigen Jahres abgesetzt, die er seit 2005 eingenommen hatte. Die Aufforderung seiner Eltern, seine Medikamente wieder einzunehmen, habe er nicht befolgt. Sodann stellte sich bei ihm das Gefühl ein, dass in Kopf, Wirbelsäule, Herz und Magen diese kleinen Würmer krabbeln.

Das mit den Maden findet seinen Ursprung beim Großvater, einem passionierten Angler, der vor einem halben Jahr verstarb. Er soll Dosen mit Maden, die beim Angeln als Köder verwendet werden, auf und im Kühlschrank der Oma aufbewahrt haben. Zweimal begab sich der junge Mann in Kliniken nach Wetzlar und Braunfels, ließ sich untersuchen – jeweils ohne Befund. Seit seiner Unterbringung nimmt er seine Medikamente wieder.

Der 31-Jährige bezeichnete sich selbst als Einzelgänger, der sich als Haustier eine Vogelspinne hielt und sich von Nachbarn seiner Eltern gehänselt fühlte. Weil er nicht aufnahmefähig gewesen sei, habe er häufig in der Schule gestört, auch randaliert, sodass er für 18 Wochen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Herborn untergebracht worden sei. Von dort war er über sechs Jahre bis 1998 in einer therapeutischen Betreuungseinrichtung in Buseck, wo er auch die Schule besuchte.

Kein Abschluss, keine Ausbildung, kein Betragen und immer wieder Vorwürfe führten schließlich dazu, dass er auf Wunsch der Eltern zu Hause auszog und die Wohnung im Haus der Oma nahm. Dort gefiel es ihm nicht. Er klapperte Wohnungsgesellschaften ab, suchte über Agenturen eine Freundin, ging seit sechs Jahren ins Fitnessstudio, hatte einen Berufsbetreuer, aber keine Kontakte, keine Anerkennung. Als ihn der Staatsanwalt lobte, dass er sich gut ausdrücken könne, bedankte er sich und freute sich. Das habe ihm noch niemand gesagt. Die letzten 18 Monate verbrachte er bei Zeitarbeitsfirmen.

Am Tag nach der Tat hatte der 31-Jährige seine Mutter am Einkaufsmarkt getroffen. Sie habe ihm gesagt, sie wolle jetzt ihre Mutter besuchen. Da bekam es der 31-Jährige mit der Angst zu tun. Er warf das Tatmesser in die Lahn und fuhr nach Neuwied. Auf die Frage des Gerichts, was er dort wollte, sagte er, ausspannen sowie Wohnung und Arbeit suchen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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