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Großauftrag aus Abu Dhabi für Buderus-Gießerei

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Wetzlar (ik). Ingenieurleistungen aus Mittelhessen machen in aller Welt Furore - etwa jene der Buderus Gießerei Wetzlar GmbH (BGW), die gemeinsam mit ihrer österreichischen Schwestergesellschaft Tiroler Röhren- und Metallwerke AG (TRM) das Geschäft mit duktilen (verformbaren) Gussrohren des ehemaligen Buderus-Konzerns betreibt.

Wetzlar (ik). Ingenieurleistungen aus Mittelhessen machen in aller Welt Furore - etwa jene der Buderus Gießerei Wetzlar GmbH (BGW), die gemeinsam mit ihrer österreichischen Schwestergesellschaft Tiroler Röhren- und Metallwerke AG (TRM) das Geschäft mit duktilen (verformbaren) Gussrohren des ehemaligen Buderus-Konzerns betreibt. Der Umsatz im Jahre 2008 belief sich auf rund 200 Millionen Euro - die Häfte davon wurde allein am Standort Wetzlar mit den rund 300 Mitarbeitern erwirtschaftet. Für das laufende Jahr ist hier ein Umsatz von 113 Millionen angepeilt, die Belegschaft soll auf 339 Personen aufgestockt werden. Zu der positiven Entwicklung, die am Montag Gegenstand einer Bilanzpressekonferenz war, trägt auch ein Großauftrag aus dem Mittleren Osten bei.

Selbstbewusst präsentierten die Geschäftsführer Ulrich Päßler und Stefan Weber Details dieses Vorhabens, für das im Jahre 2007 mit der Gründung einer Tochtergesellschaft in Dubai (Buderus Pipe Systems) der Grundstein gelegt wurde. In Al Ain, der zweitgrößten Stadt des Emirates, hat Buderus Guss nun einen Auftrag mit einem Volumen von 4 Mio.

Euro auszuführen: Aufgrund der stark wachsenden Einwohnerzahl und vieler Neubauten muss die Trinkwasserversorgung dringend an die Bedarfsmengen angepasst werden - BGW liefert die Rohre für die Hauptleitungen; insgesamt sind das 25,2 Kilometer Gussrohre der Nennweiten 100 bis 900 Millimeter. Abu Dhabi ist der größte und erdölreichste Teilstaat der Vereinigten Arabischen Emirate, des wichtigsten arabischen Handelspartners Deutschlands. Das Scheichtum am Persischen Golf ist mit 67 340 Quadratkilometern kleiner als Bayern, der Großteil besteht aus Sandwüste. Der Fremdenverkehr soll zum entscheidenden Faktor werden. Das Scheichtum setze auf wohlhabende Besucher statt Massentourismus, berichtete die Deutsche Presseagentur im März. Das aufwendigste Projekt sei der Ausbau von Yas Island. Der 40-Milliarden-Dollar-Komplex umfasse eine Formel-1-Rennstrecke und einen Ferrari-Themenpark. Die Insel der Glückseligkeit (Dschasirat al-Saadijat), die nur rund 500 Meter vom Festland entfernt liegt, soll Abu Dhabi mit Niederlassungen von Louvre und Guggenheim-Museum auch zu einem kulturellen Zentrum machen. Und auch hier kommt Buderus Guss zum Zuge: Das Unternehmen liefert 1,3 Kilometer Rohre für die Hauptleitung von der Entsalzungsanlage zum Wassertank, der einen Großteil der Trinkwasserversorgung der Insel sichern wird.

Wert dieser Lieferung: 400 000 Euro. Yas Island soll bis Ende 2009 abgeschlosssen sein.

Die Muttergesellschaft des Gussrohrgeschäfts der ehemaligen Buderus Guss Gruppe ist die Pipe and Pile International S.A. mit Sitz in Luxemburg und Zweigniederlassung in Hall in Tirol. Mit mehr als 500 Mitarbeitern an zwei Produktionsstandorten (300 in Wetzlar, 200 in Hall) sowie Vertriebstochtergesellschaften in Europa und im Mittleren Osten entwickelt, produziert und vermarktet die Pipe and Pile Gruppe hochwertige duktile Gussrohre und Zubehöre für die Wasserwirtschaft sowie duktile Ramm-pfähle für den Spezialtiefbau. Das Unternehmen gehört zu den größten europäischen Anbietern. Die Buderus Gießerei Wetzlar GmbH ist ein auf den Markt für Gussrohrsysteme ausgerichtetes Unternehmen und gehört mit ihren Erzeugnissen zu den großen marktführenden Anbietern. »Mit den Gussrohrsystemen sind wir heute einer der bedeutendsten Hersteller von Muffenrohren aus duktilem Gusseisen für die Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung in Europa«, erläuterte Päßler. Dahinter stehe ein Team qualifizierter Mitarbeiter, die mit ihren Ideen, ihrem Können im Umgang mit dem Werkstoff und ihrem Wissen im Bereich des Rohrleitungsbaus die Verantwortung für ihre Produkte übernehmen.

Weber: »Wir verstehen uns als führendes europäisches Industrieunternehmen der Wasserwirtschaft und des Tiefbaus.« Anno 2008 produzierte die BGW 85 000 Tonnen Gussrohre am Standort Wetzlar - der umfasst eine Gesamtfläche von 269 302 Quadratmetern (Päßler: »Größer als die Wetzlarer Innenstadt«); noch in diesem Jahr sind Investitionen in einer Größenordnung von 3 Mio. Euro geplant. Obgleich das Geschäftsjahr durch erhebliche Verwertungen auf den Rohstoffmärktengeprägt war - der Preis für den »Hauptrohstoff Schrott« stieg exorbitant - könnten die Beschäftigten positiv in die Zukunft schauen, versicherten die Geschäftsführer. Generell sei das Unternehmen durch seine fokussierte Geschäftspolitik und seine enge Verzahnung mit der öffentlichen und kommunalen Infrastruktur gut gerüstet und derzeit krisenunanfälliger aufgestellt als manch anderes Unternehmen in der Region. Die international bedeutsamen Projekte sprechen für sich: So stattet die BGW auch die Sprungschanze am Holmenkollen in Norwegen mit duktilen Gussrohren für eine neue Beschneiungsanlage aus. Die Ski-WM 2011 kann kommen.

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