Größte deutsche Medizinstudie vor dem Start

Marburg (if). Frauen, die rauchen, gehen ein erhöhtes Risiko ein, Darmkrebs zu entwickeln. Die »Pille« hat dagegen, nicht nur für Laien erstaunlich, offenbar eine eher schützende Wirkung. Beide begünstigen wiederum in unterschiedlichem Maße das Zustandekommen von Herzinfarkt und Schlaganfall.

Weltweit verbreitete Erkenntnisse, maßgeblich gewonnen aus der »Nurse’s Health«-Studie, an der sich seit rund vierzig Jahren hunderttausende Krankenschwestern in den USA beteiligen. Wie aber sieht die vergleichbare Situation beispielsweise bei uns aus?

Nach rund dreijährigen Vorbereitungen startet im kommenden Jahr die bisher größte medizinische Gesundheitsstudie, die je in Deutschland durchgeführt worden ist. Sie soll Antworten auf diese und andere Fragen geben. In 18 Studienzentren an Universitäten und Großforschungseinrichtungen von 13 beteiligten Bundesländern können sich bis zu 500 000 Menschen beteiligen. Das »Institut für Medizinische Soziologie und Sozialmedizin« der Philipps-Universität Marburg fungiert bei der Auswertung der Ergebnisse dieser Nationalen Kohorte – so der Fachbegriff für das zunächst mit 210 Millionen Euro ausgestattete Vorhaben – als ein übergeordnetes »Kompetenzzentrum« der Infrastruktur. Unter der Devise »Gemeinsam forschen für eine gesunde Zukunft« gilt die Nationale Kohorte schon heute als ein wichtiger Motor für weiterführende Forschungsvorhaben und -kooperationen im In- und Ausland.

»Wir werden in Kürze unsere Arbeit aufnehmen können«, erklärte am Rande der Jahrestagung, die 450 Sozialmediziner und Medizinische Soziologen dieser Tage nach Marburg geführt hatte, Tagungspräsident Professor Ulrich Mueller, Direktor der Medizinsoziologie der Philipps Universität. Finanziert mit namhaften Drittmitteln werden fünf neue Mitarbeiter in seinem Institut erwartet. Über einen Zeitraum von zunächst 20 Jahren sollen – wie Mueller in einer Kongresspause erläuterte – neue Erkenntnisse über den Einfluss genetischer Faktoren, aber auch von Umweltbedingungen, sozialem Umfeld und Lebensstil auf die Entstehung von Volkskrankheiten wie Diabetes, Demenz, Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs gewonnen werden. »Sie werden dazu beitragen können, die Möglichkeiten zur Vorbeugung und Behandlung erheblich zu verbessern.«

Die teilnehmenden, nach dem Zufallsprinzip ausgewählten und eingeladenen Bürger und Bürgerinnen im Alter zwischen 20 und 69 Jahren werden in einem der 18 Studienzentren – das nächstliegende befindet sich in Heidelberg/Mannheim – medizinisch untersucht und zu ihren Lebensgewohnheiten und Lebensumständen befragt. Nach zwei bis vier Jahren laden die Studienzentren alle Probanden zu einer weiteren Untersuchung ein. Ob sie über deren Ergebnisse informiert werden wollen, können die Teilnehmer selbst entscheiden.

Sowohl Professor Olaf von Knesebeck, Präsident der DGMS (Medizinsoziologen), als auch Dr. Gert von Mittelstaedt, Präsident der DGSMP (Sozialmediziner) unterstrichen in ihren Grußworten die Bedeutung des Vorhabens. Was den Kongress unter dem Leitmotiv »Gesundheit zwischen Wirtschaft und Demografie«selbst angehe, schneide man zwei zentrale Entwicklungen – Ökonomisierung und Demografische Alterung – an, die über Medizinische Soziologie und die Sozialmedizin hinweg eine vielgestaltige und hochaktuelle Herausforderung für die gesamte Medizin bedeuteten. (Foto: if)

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